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Ohne Chemie und Bewässerung Umweltkiller Avocado? Nicht unbedingt!

Antioxidantien, ungesättigte Fettsäuren, Vitamine - die Liste an wertvollen Inhaltsstoffen von Avocados ist lang. Sie gelten als so gesund, dass sie schon den Beinamen Superfood verpasst bekommen haben. Leider gilt der Avocado-Anbau auch als Super-Umweltkiller, etwa in Mexiko, Chile und Südafrika. Dass es auch anders geht, beweisen jetzt Kleinbauern in Kenia.

Von: Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 11.01.2019

Avocado am Baum | Bild: picture-alliance/dpa

Prominente schreiben Avocado-Kochbücher eins ums andere, und bei Veganern gilt die Frucht seit Jahren als Alternative zu Fleisch. Doch mit Blick auf die weltweiten Hauptanbaugebiete wie Mexiko, Brasilien, Peru, Chile, Israel, Südafrika, Neuseeland oder Spanien werden Avocados immer wieder mit einem extrem hohen Wasserverbrauch, Menschenrechtsvergehen und einer unökologischen Logistikkette in Verbindung gebracht. Für ein Kilogramm, also etwa drei Avocados, werden bis zu 1.000 Liter Wasser verbraucht. Und bis sie auf unserem Teller landen, legen die Avocados viele tausend Kilometer zurück - per Schiff, Flugzeug und per LKW.

Avocado-Anbau: Chance für Kleinbauern in Kenia

Händlerin in Nairobi: Avocados sind auch bei der einheimischen Bevölkerung extrem beliebt

Jetzt stößt auch Kenia in Ostafrika mit dem Avocado-Anbau dazu - aber als positives Vorbild in Sachen Umwelt und kleinbäuerliche Landwirtschaft. Nur drei Autostunden entfernt von Kenias Hauptstadt Nairobi sind die Bedingungen für die wärmeliebende und durstige grüne Frucht bereits ideal. Hier im zentralen Hochland Kenias regnet es viel, und der Boden ist fruchtbar. Die wertvollen Früchte wachsen hier beinahe wie von allein, ohne Chemie und ohne künstliche Bewässerung. Der Regen reicht für eine Ernte im Jahr.

"Die Nachfrage ist gestiegen. Wir können sie nicht mal decken."

Peter Kariuki, Avocado-Farmer aus Kenia

Über 90 Prozent der Avocados aus Kenia werden von Kleinbauern erzeugt. Die Bäume wachsen auf Grundstücken, auf denen die Bauern ihr Vieh frei herumlaufen lassen und sonst nichts anbauen, also etwa so wie in Deutschland Obstbäume auf einer Streuobstwiese. Nach der Ernte werden die Avocados direkt am Flughafen von Nairobi sortiert, verpackt und dann auf den Weg Richtung Europa geschickt.

Wiederaufforstung mit Avocado-Bäumen

Der Transport mit dem Flugzeug ist der Schwachpunkt in der Ökobilanz der Avocados aus Kenia. Dafür ist als Plus auf der Habenseite die Wiederaufforstung bisher baumloser Flächen mit Avocados zu verbuchen.

"Niemand wird einen Avocadobaum fällen, weil die Geld bringen."

Peter Kamau, Landwirtschaftsberater, Forschungsinstitut icipe, Nairobi

Avocado-Anbau weltweit und die Folgen

Abholzung
Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind die weltweit beernteten Avocado-Flächen zwischen 2006 und 2016 von 381.000 auf 564.000 Hektar gestiegen. Der größte Teil kommt aus Mexiko, wo die Avocado auch ursprünglich angebaut wurde.

Menschenrechtsverletzungen
Wegen des immensen Flächen- und Wasserverbrauchs verursacht der Anbau große Umweltprobleme. In Chile kommt dazu, dass die Menschen in der Region Petorca bereits unter Wasserknappheit leiden müssen, weil Agrarunternehmen alles Wasser für den Anbau von Avocados und Zitrusfrüchten verbrauchen. Die ländliche Bevölkerung und die Kleinbauern müssen für den eigenen Bedarf an Wasser oft bis zu 20 Kilometer laufen.

Diebstahl
Auch Neuseelands Produzenten und Konsumenten bekamen 2018 Probleme mit der boomenden Nachfrage nach der grünen Superfrucht. Weil die Ernte mager ausfiel, stiegen die Preise auf der Pazifikinsel auf umgerechnet knapp drei Euro pro Stück. Die Polizei berichtete zudem über eine Welle von Avocado-Diebstählen in der Anbauregion Bay of Plenty auf der Nordinsel Neuseelands.


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