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Fürs Leben und die Natur lernen Umweltbildung an Grundschulen

Globale Erderwärmung, Verschiebung der Jahreszeiten, immer häufigere Naturkatastrophen, Artensterben ... die langfristigen Veränderungen und Bedrohungen der Umwelt haben in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Verstärkung des Umwelt- und Krisenbewusstseins innerhalb der Gesellschaft geführt. Kinder sind davon nicht ausgenommen. Umweltbildung nimmt deshalb schon bei den Kleinen im Grundschulalter einen hohen Stellenwert ein. Doch wie viel bleibt angesichts der Fülle an Themen bei den Kindern überhaupt hängen?

Von: Chris Köhler, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 05.06.2019

Bereits in der Grundschule werden Kinder heute zur Auseinandersetzung mit ihrer natürlichen Umwelt angeleitet. So sollen ihr Verantwortungsbewusstsein geschaffen und der Grundstein für natur- und umweltgerechtes späteres Verhalten gelegt werden.

Umweltbildung in der Grundschule

Der Fachlehrplan Heimat- und Sachkundeunterricht der Jahrgangsstufen 1 und 2 führt im Lernbereich "Natur und Umwelt" etwa Themen wie Abfallvermeidung, Luftverschmutzung sowie Wetterphänomene und deren Messung auf. Auch Lebensräume wie Wiese und Hecke mit darin vorkommenden Tier- und Pflanzenarten werden erklärt.

In den Jahrgangsstufen 3 und 4 bieten zudem Schwerpunkte wie "Demokratie und Gesellschaft" oder "Raum und Mobilität" zahlreiche Lernmöglichkeiten im Sinne der Nachhaltigkeit. Der LehrplanPLUS Grundschule führt unter anderem das Reflektieren des eigenen Konsumverhaltens auf sowie den Umgang mit Energie und Wasser. Und es geht um die Lebensräume Wald und Gewässer mit der jeweils spezifischen Pflanzen- und Tierwelt.

Beispiele für Umwelterziehung finden sich auch in anderen Fächern, unter anderem in Sachtexten im Fach Deutsch, durch das Gestalten mit Naturmaterialien im Fach Kunst sowie die Wertschätzung intakter Natur im Religions- beziehungsweise Ethik-Unterricht.

Wäre weniger mehr?

Vieles kann aber angesichts der Fülle an Themen nur angeschnitten werden. Fraglich ist, wie viel bei den Kindern hängen bleibt. So manche Lehrerin, so mancher Lehrer wünscht sich durchaus, dass der Lehrplan deshalb in der Themenvielfalt gekürzt werden sollte.

Auch der Bund Naturschutz in Bayern hält den Lehrplan der 1. bis 4. Jahrgangsstufe im Lernbereich Natur und Umwelt für überfrachtet.

"Das Kuriose ist ja, dass der Lehrplan an sich ganz viel aufführt. Aber das ist gleichzeitig das Problem, weil das in allen Fachbereichen das gleiche ist. Man hat hier und dort ein Thema, aber der grüne Faden, der sich durchzieht von der 1. bis 4. Klasse, fehlt."

Martin Hänsel, Bund Naturschutz in Bayern

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern sieht deshalb einen Zielkonflikt. Einerseits werde mehr Medienkompetenz, mehr Informatik, mehr politische Bildung, mehr Alltagskompetenz, mehr Umwelterziehung verlangt. Andererseits sollen die Kinder aber mehr Zeit haben, die Dinge zu wiederholen und einzuüben.

Auf jeden Fall aber wolle er, so Michael Piazolo, das spielerische Erfahren der unmittelbaren Umgebung, der Pflanzen- und Tierwelt, das, was Spaß mache, "mit in die Schule hineinholen".

"Denn überall, wo man anknüpfen kann, wo es um persönliches Erleben geht, das kann man sich auch leichter merken!"

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler)

Linkstipps
BR24.de: Umweltschule in Europa: 42 Schulen aus Unterfranken ausgezeichnet
BR24.de: Ministerin Scharf: Stadtkinder mit Natur in Berührung bringen (Archiv)
www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayVerf-131
www.lehrplanplus.bayern.de/schulart/grundschule


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