Bayern 2


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Umwelt und Landwirtschaft Was Bayern der EU zu verdanken hat

Das Klischee von der EU, die "unser Geld" verschwendet, hält sich hartnäckig. Dabei gibt es in Bayern viele sinnvolle Projekte in den Bereichen Landwirtschaft oder Umwelt, die ohne finanzielle Hilfe aus Brüssel nicht angepackt werden könnten.

Von: Jutta Schilcher, Margit Ringer, Markus Klingele, Barbara Leinfelder, Thomas Muggenthaler

Stand: 28.01.2019

Danke, EU! | Bild: Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald, colourbox.com, Montage: BR

Alpine Wildflüsse wie Iller, Lech, Loisach, Ammer, Isar und Tiroler Achen sind ein grenzübergreifender Lebensraum für viele bedrohte Arten. Gleichzeitig aber locken die Flüsse in Südbayern und Tirol immer mehr Freizeitsportler und Erholungssuchende an. Für die Tiere und Pflanzen dort ist das bedrohlich.

Vielfältiges Leben an unseren Gebirgsflüssen - Projekt soll Verständnis für die Artenvielfalt stärken

Bitte nicht stören ...

Der Naturpark Tiroler Lech und der Naturpark Karwendel arbeiten nun an einer gemeinsamem Besucherlenkung für sensible Flussökosysteme. Zusammen mit den Österreichern wird bei dem Projekt auch ein Monitoring gemacht. Das bedeutet, man schaut sich das Gebiet genau an und überprüft, was Maßnahmen bringen. Zum Beispiel wurden entsprechende Hinweisschilder angebracht, die Besucher aufmerksam machen sollen. "Vielfältiges Leben an unseren Gebirgsflüssen - Für ein respektvolles Miteinander von Mensch und Natur" heißt das Projekt vollständig. Es läuft noch bis 2020, die EU hat insgesamt 338.000 Euro bereitgestellt. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit klappt. Die Führung in dem Projekt hat der Landesbund für Vogelschutz, Partner sind der Naturpark Tiroler Lech, der Naturpark Karwendel und das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen.

Der Fischmarkt in Konnersreuth - Nachhaltige Teichwirtschaft in der Oberpfalz

Zauberhafte Landschaft

Sie sind eine einmalige Kulturlandschaft und zählen zum Agrarkulturerbe: 4.700 Teiche im Landkreis Tirschenreuth. Zum Teil liegen sie direkt aneinandergereiht über Kilometer hinweg. Schon seit tausend Jahren werden hier Karpfen, Forellen und andere heimische Fische gezüchtet. Die EU unterstützt den Kreis Tirschenreuth seit 2009/2010 mit Fördermitteln aus dem Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) zur nachhaltigen Entwicklung der Fischerei.

Neben wirtschaftlichen Hilfen für die Teichwirte sollen zahlreiche Projekte die Bedeutung der Teichwirtschaft für die Ökologie erklären und die Kulturlandschaft erlebbar machen, zum Beispiel durch Führungen. 1,5 Millionen Euro sind bereits geflossen von Brüssel nach Tirschenreuth, allein in den ersten sechs Jahren. Dazu kommt das Geld in der aktuellen Förderperiode, maximal 650.000 Euro, die noch bis 2022 ausgeschöpft werden können. Ohne Geld von der EU wäre die einzigartige Kulturlandschaft und Ökologie rund um Tirschenreuth nicht aufrechtzuerhalten.

Der Goldbergsee - Ausflugsziel und Hochwasserschutz in Coburg

Hochwasserschutz und Geschenk für die Natur(suchenden)

Für Vogelkundler ist das Naturschutzgebiet um den Goldbergsee ein Traum. Von 250 Arten Wiesenbrütern wurden hier schon rund 200 gesehen. Und deswegen kommen sie aus ganz Deutschland zu diesem Naturwunder. Auch wenn es kein ausgewiesener Badesee ist, gebadet wird im Sommer trotzdem. Und man kann paddeln. Fast hat man schon vergessen, warum es diesen See gibt. Außer es ist Winter, denn dann wird der Goldbergsee fast ganz abgelassen. Es ist nämlich ein Hochwasserrückhaltebecken.

30 Millionen Euro hat das Hochwasserrückhaltebecken gekostet. Die EU hat die Hälfte bezahlt, also 15 Millionen Euro. Die Stadt Coburg hätte das alleine nicht stemmen können. Dabei war es notwendig. Rund alle sechs Jahre wurde die Innenstadt überflutet, gerade im Winter. Denn dann kommt zur Schneeschmelze auch noch Starkregen im Thüringer Wald; von dort fließen zahlreiche Bäche Richtung Coburg. Jetzt fängt es der Goldbergsee erst einmal auf.

Der Vorbildstall - Artgerechte und klimafreundliche Schweinehaltung in Steinach

Schweinehaltung auf Stroh und mit Auslauf

In einer herkömmlichen Schweinehaltung gibt es längst kein Stroh mehr. Die Tiere stehen meist auf Spaltenboden, anders können die meisten Landwirte die Ställe arbeitstechnisch gar nicht mehr bewältigen. Nicht alle Bauern wollen das aber noch mitmachen - sei es aus Tierwohlgründen, sei es, um die Umwelt zu schonen. Aber ein entsprechender Stallbau kostet eine Stange Geld.

In einem landwirtschaftlichen Betrieb in Merching-Steinach hat die EU die Errichtung eines emissionsarmen Außenklimastalls für die Schweinemast unterstützt. Der Bauer hält dort 1.400 Schweine in zwei Ställen. Sie können jederzeit über einen überdachten Auslauf in Freie, dürfen sich aber auch drinnen aneinanderkuscheln, und zwar im Stroh. Mehr Platz für die Tiere, artgerechtere Haltung, regional erzeugtes Futter, das war das Ziel, das der Bauer mit dem neuen Stall umgesetzt hat. Der Stall gilt als vorbildlich und kann auch besichtigt werden.

Hopfen anbauen und gleichzeitig Gewässer schützen

Von links nach rechts: Leonhard Berger, Klaus Amann, Thomas Dengler und Karl Ecker

Sind der traditionelle Hopfenanbau und sauberes Grundwasser miteinander vereinbar? Mit dieser Frage befasst sich das Projekt "HopfeNO3", das den Stickstoffkreislauf im Hopfenanbau optimieren will. Der niederbayerische Landkreis Kelheim beteiligt sich daran. Zum Beispiel in der Hallertau. Hier machen zehn Landwirte mit. Auf insgesamt rund sechs Hektar bringen sie nun rund dreißig Prozent weniger Düngemittel aus als auf dem Rest.

Rund 330.000 Euro kostet das Projekt. Die Hälfte übernimmt die Europäische Union und stellt dazu Fördermittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) zur Verfügung. Experten begleiten das Projekt. Sie machen regelmäßig Bodenproben und Sickerwasseranalysen. In einem extra angelegten vier Meter tiefen Schacht wird überprüft, wie viel Nitrat ins Grundwasser gelangt. Entschädigungen für die Bauern gibt es nicht.

Am 26. Mai 2019 wird das neue Europäische Parlament gewählt

Was viele nicht wissen: Der größte Teil der EU-Fördergelder wird innerhalb der Mitgliedstaaten selbst verwaltet, und im Regelfall wählen in Deutschland die Bundesländer die EU-geförderten Projekte aus.

Für den Brüsseler Haushalt ist vor allem die Kommission zuständig - sie legt einen Entwurf vor. Doch auch das Europäische Parlament kann mitreden und zum Beispiel Änderungen beantragen. Die nächsten Wahlen zum EU-Parlament finden in Deutschland am 26. Mai 2019 statt.

Linktipps

Wildflüsse
Interreg Österreich - Bayern 2014 -2020
INTERREG-Projekt AB 179 zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit
www.karwendel.org

EU-Förderprogramm Interreg Österreich-Bayern 2014-2020
www.interreg-bayaut.net

Teichwirtschaft
Land der 1000 Teiche - Fischwirtschaftsgebiet Tirschenreuth
www.erlebnis-fisch.de/fischwirtschaftsgebiet-tirschenreuth

Goldbergsee
Broschüre (pdf): Europa in Coburg, Seite 14
https://europecoburg[...]europaincoburg.pdf

Vorbildstall
Broschüre (pdf): Das kann der ELER - 30 Beispiele zur Förderung der ländlichen Entwicklung in Deutschland, Seite 26
www.netzwerk-laendlinger-raum.de [...] eler-broschuere_2014_2020_web.pdf

Hopfen
Internet-Portal: Was Europa für meine Region tut
www.what-europe-does-for-me.eu


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