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Umstrittenes Bahnprojekt Der Brenner-Nordzulauf spaltet eine Region

Beim Bau des Brenner-Basistunnels steckt die Planung der deutschen Zulaufstrecke fest, der sogenannte Brenner-Nordzulauf. Im Landkreis Rosenheim wehren sich viele Bewohner gegen die Pläne, es gibt aber auch Befürworter.

Stand: 26.02.2019

Der Brenner-Nordzulauf soll die Brenner-Autobahn vom Lkw-Verkehr entlasten, der immer mehr zunimmt. Zwei zusätzliche Gleise für den transalpinen Zugverkehr und eine Hochleistungsstrecke für Geschwindigkeiten bis zu 230 km/h sind angedacht. Doch das Projekt stößt auf enormen Widerstand im Raum Rosenheim. Dort gibt es inzwischen 15 Bürgerinitiativen.

Bis 2020 soll eine Trasse gefunden werden

Im Landkreis Rosenheim sind derzeit rund 100 mögliche Trassen in 25 Gemeinden im Gespräch. Bis Juli 2019 sollen fünf davon in die engere Auswahl kommen. Geplant wird die Eisenbahnstrecke grenzübergreifend, also zusammen mit der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) – und auch mit Bürgern und Lokalpolitikern aus der Region. In diversen Foren sitzen Bürgermeister, Gemeinderäte, Bürgerinitiativen, Vertreter von Landwirtschaft, Wirtschaft und Tourismus. Sie alle versuchen, im sogenannten "Planungsdialog" der Deutschen Bahn, die eine Trasse für den Landkreis Rosenheim zu finden. 2020 soll sie auf dem Tisch liegen.

Einige Anwohner sorgen sich um ihre Existenz

Der Planungsdialog der Deutschen Bahn wird von den einen für gut befunden, andere halten ihn für eine reine Alibiveranstaltung. Die Foren sind nicht öffentlich, im Internet sind Ergebnisprotokolle nachzulesen. Kritiker sagen, wegen des hohen Zeitdrucks werde die Planung durchgedrückt. Von anderer Seite ist zu hören, Deutschland habe die Planung der Zulaufstrecken zum Brenner-Basistunnel, die schon seit den 1980er Jahren immer wieder im Gespräch waren, verschlafen.

Anwohner möglicher Trassenabschnitte sind alarmiert – ihre Häuser und Grundstücke könnten an Wert verlieren. Einige sorgen sich um ihre Existenz. Die Gemeinden Riedering, Rohrdorf, Stephanskirchen und Neubeuern wollen jetzt gerichtich einen Planungsstopp erzwingen und haben Klage beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht.

"Wo würde ich hinziehen, wenn ich wirklich weg muss? Für mich gibt es keine andere Heimat als die, wo ich eben bin. Macht es überhaupt noch Sinn, im Haus umzubauen oder für die Kinder eine Wohnung schaffen? Es kann ja sein, dass in ein paar Jahren alles plattgemacht wird und wir das alles verlassen müssen. Das beschäftigt mich tagtäglich."

Georg Gschwendtner, Anwohner

Andere sorgen sich vor dem wachsenden LKW-Verkehr

Die Befürworter in der Region erhoffen sich dagegen weniger LKW-Verkehr. Derzeit fahren etwa 2,4 Millionen LKWs durch. Tirol möchte auf eine Million reduzieren und den Rest auf die Schienen bringen. Laut Projektbefürwortern genügt es für diesen massiven Wandel nicht, die Bestandzugstrecke zu modernisieren und zu erweitern.

Laut verschiedenen Szenarien des Bundesverkehrsministeriums könnte der Zugverkehr im Inntal in der Zukunft explodieren. Heute fahren auf der bestehenden Zugstrecke pro Tag rund 185 Personen- und Güterzüge. Die Experten des Bundesverkehrsministeriums gehen davon aus, dass nach 2030 im Inntal täglich 400 bis 558 Güterzüge unterwegs sein könnten, den Personenverkehr nicht einberechnet. Diese Zahlen werden von den Kritikern jedoch als übertrieben bewertet.

Währenddessen schafft Österreich Tatsachen: Der 64 Kilometer lange Brennerbasistunnel ist längst im Bau, bis 2026 soll er fertig sein.

Unserer Reporterin Dagmar Bohrer-Glas war in der Region unterwegs und hat mit Kritikern und Befürwortern gesprochen:


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