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Instant Payment Jetzt auch bei Sparkassen: Überweisung in Echtzeit

Verbraucher wundern sich schon lange: Warum braucht eine Banküberweisung eigentlich so lange? Seit November sind in Europa sogenannte Echtzeitüberweisungen binnen Sekunden technisch möglich. Nach der HypoVereinsbank bieten jetzt auch die Sparkassen "Instant Payment" an.

Stand: 10.07.2018

Bayern 2-radioWelt: Was genau ist Instant Payment?

Rigobert Kaiser, BR-Wirtschaftsexperte: Das kann man tatsächlich wörtlich nehmen: Die Überweisung soll innerhalb weniger Sekunden abgeschlossen werden. Zehn bis15 Sekunden soll das maximal dauern, rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Man kann das also von der Bankfiliale und vom Eingreifen eines Bankmitarbeiters völlig unabhängig machen. Die maximale Überweisungssumme liegt bei 15.000 Euro.

Bayern 2-radioWelt: Was sind konkret die Vorteile?

Rigobert Kaiser, BR-Wirtschaftsexperte: Schauen wir uns mal den Gebrauchtwagen-Kauf an: Da ist es oft so, dass man mit ein paar Tausend Euro in der Tasche zum Händler gehen muss, um dann bar zu bezahlen. Nur dann kann man das Auto mitnehmen. Wenn jetzt beide auf dieses System zugreifen, dann kann man am Autohof stehen, überweisen, der Verkäufer sieht den Geldeingang und man kann mit dem Auto gehen. Auch im Online-Handel ist es oft so, dass das gewünschte Produkt erst dann versendet wird, wenn der Zahlungseingang erfolgt ist. Man kann das dann deutlich schneller machen.

Bayern 2-radioWelt: Die Sparkassen sind die wichtigste Finanzorganisation in Deutschland mit über 50 Millionen Kunden. Die wollen jetzt auch Echtzeitüberweisung anbieten. Wie ist der Stand der Dinge?

Rigobert Kaiser, BR-Wirtschaftsexperte: Der offizielle Startschuss ist am Dienstag. Bis das aber in die Praxis umgesetzt wird, dauert das noch. Wir haben bundesweit über 400 Sparkassen, in Bayern sind es 65. Das sind alles eigenständige Institute, die jetzt nach und nach diese Technik ihren Kunden zur Verfügung stellen wollen. Ich habe bei der Stadtsparkasse München nachgefragt, das ist die größte in Bayern, die wollen Anfang August mit dem neuen Instant-Payment Verfahren loslegen.

Bayern 2-radioWelt: Pionierin war die HypoVereinsbank aus München, die diesen Service bereits seit vergangenem November anbietet. Wie sind deren Erfahrungen?

Rigobert Kaiser, BR-Wirtschaftsexperte: Vergangenen November hat die EU den Weg frei gemacht für dieses Verfahren. Die HypoVereinsbank war Pionierin. Das Problem ist, das es in Deutschland nur innerhalb der HypoVereinsbank ging. Auch da, auf Anfrage von mir, sind es in erster Linie Privatkunden, die das nutzen. Da hat hofft man, dass sich jetzt mit den Sparkassen der Kundenkreis erweitert. Wir stehen da in gewisser Weise noch am Anfang.

Bayern 2-radioWelt: Wie muss der Kunde also vorgehen?

Rigobert Kaiser, BR-Wirtschaftsexperte: Das ist relativ einfach und geht über das Online-Banking. Man hat den Zugang über seinen PC, Laptop oder über die App, loggt sich ein und hat dann den Überweisungsbutton. Der alte, klassische Überweisungsweg wird bleiben, und daneben steht dann die Auswahl der Echtzeitüberweisung: Man nimmt den Überweisungsweg, den man haben möchte.

Bayern 2-radioWelt: Kostet der Service Geld?

Rigobert Kaiser, BR-Wirtschaftsexperte: Ja, der wird bepreist werden. Da jede Sparkasse ein eigenes Gebührenmodell hat, muss man als Kunde bei der betroffenen Sparkasse nachfragen: Ab wann steht das zur Verfügung, was kostet es? Im Moment zeichnet sich ab, dass die Banken bis zu 50 Cent pro Überweisung verlangen werden. Bei der HypoVereinsbank ist es so: Die haben monatliche Gebühren-Modelle und im teuersten sind diese Instant-Payment Überweisungen bereits enthalten. Wer die günstigeren Varianten wählt, muss dann pro Überweisung zahlen.

Bayern 2-radioWelt: HVB und Sparkassen machen schon mit. Wie sieht es denn bei den anderen Banken aus?

Rigobert Kaiser, BR-Wirtschaftsexperte: Deutschland ist hier ein bisschen Entwicklungsland, keine Ahnung, warum das länger dauert. Die Sparkassen fangen jetzt an. Bis das in der ganzen Organisation umgesetzt ist, wird es ein paar Jahre dauern. Die Genossenschaftsbanken haben angekündigt, im November damit starten zu wollen. Die Deutsche Bank prüft im Moment noch. Bis sich dieses System, das sicherlich eines Tages Standard werden wird, voll durchsetzt, muss man schon mal 12, 24, 36 Monate warten. Es wird dauern, bis das flächendeckend alle Kunden mit jedem anderen Kunden umsetzen können.


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