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Übergewicht Wann wird es medizinisch bedenklich?

Fast jeden stören irgendwann im Leben Speckröllchen, Bierbauch oder Doppelkinn. Doch wer muss wirklich abnehmen? Bei wem ist zu viel Fett wirklich ein gesundheitliches Risiko? Und wer darf entspannter mit ein paar Kilos zu viel umgehen?

Von: Katharina Hübel

Stand: 24.02.2020

Koerpergewichts-Kontrolle mit einer roten Waage | Bild: Koerpergewichts-Kontrolle mit einer roten Waage

Yurdagül Zopf, Professorin für Ernährungsmedizin in Erlangen, beobachtet eine massive Zunahme adipöser Menschen in Deutschland. Sie spricht von gut 23 Prozent der Bevölkerung, die krankhaft dick sind; vor wenigen Jahren waren es noch unter 20 Prozent. Was ihr vor allem Sorge bereit, ist, dass auch immer mehr Jugendliche betroffen sind. Für Erwachsene gilt, dass ab einem Body-Mass-Index (BMI) von über das Risiko für verschiedenste Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes oder Krebs erhöht ist.

"Leichtes Übergewicht von einem BMI zwischen 25 und 29 mag man selber vielleicht nicht so gerne sehen, erhöht aber nicht das Risiko von Erkrankungen. Ab einem BMI von 30 sieht das anders aus. Diese Patienten sollten dringend abnehmen, wenn sie dauerhaft gesund bleiben möchten."

Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Professorin für Klinische und Experimentelle Ernährungsmedizin am Universitätsklinikum Erlangen

Beim Abnehmen geht es nicht darum, den nächsten Modelwettbewerb zu gewinnen, sondern darum, ein Gewicht dauerhaft zu halten, das gesund ist. Ein paar Kilo zu viel sind vielleicht ein ästhetisches Problem, jedoch kein medizinisches. Wer über 40 Jahre alt ist, sollte daher auch achtsam mit sich umgehen:

"Der Muskelaufbau wird irgendwann immer schwieriger, weil man nicht mehr so intensiv Sport machen kann, wie als junger Mensch, wenn zum Beispiel die Gelenke nicht mehr mitmachen. Leider muss man geduldiger sein, auch weil sich der Stoffwechsel über die Jahre umstellt. Prozesse dauern länger."

Yurdagül Zopf, Professorin für Klinische und Experimentelle Ernährungsmedizin am Universitätsklinikum Erlangen

Ein paar Kilo zu viel bei gesundem Lebenswandel sind auch nicht schädlich, im Gegenteil: im Alter ab 65 Jahren werden sie sogar zum Vorteil.

"Bei den älteren Patienten wissen wir, dass es von Vorteil ist, wenn sie ein leichtes Übergewicht haben. Und – egal, in welchem Alter: Wenn jemand adipös ist, also schwer übergewichtig, sollte er das Zuviel an Fett abbauen und einen BMI von unter 30 anstreben."

Yurdagül Zopf, Professorin für Klinische und Experimentelle Ernährungsmedizin am Universitätsklinikum Erlangen

Um gesund zu bleiben, sollte abnehmen, wer einen BMI über 30 hat. Der BMI wird errechnet aus einer Formel, bei der Körpergröße und Gewicht berücksichtigt werden. Der BMI sagt aber nichts über die Körperzusammensetzung aus. Denn wer sehr sportlich ist und sehr viel Muskelmasse hat, schneidet beim BMI genauso schlecht ab wie eine Person mit zu viel Körperfett. Dennoch ist der BMI für die meisten Menschen ein guter Richtwert. Der BMI berechnet sich nach Körpergewicht (Kilogramm) dividiert durch Körpergröße (Meter) im Quadrat.

Beispiel:

BMI-Berechnung:
83 kg : 1,88 x 1,88m = 23,48 kg/m² (d.h. ca. 23,5)

Die Leitlinie der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAAG) unterteilt:

Personen mit Normalgewicht: BMI zwischen 18,5 und 24,9

Übergewichtige: BMI zwischen 25 und 29,9

Adipositas: BMI ≥ 30

Körperfettmessung

Zuverlässigere Aussagen über den Gesundheitszustand ihrer Patienten erhalten die Mediziner über eine so genannte Körperfettmessung. Mittels bestimmter Geräte können sie relativ genau bestimmen, aus wie viel Fett, Muskel und Wasser sich ein Körper zusammensetzt. Dabei ist es entscheidend, wie viel Fett im Verhältnis zur Muskulatur ein Mensch hat. Je höher der Fettanteil und je geringer der Muskelanteil, desto höher ist das Risiko für bestimmte Erkrankungen – je nach Alter und Geschlecht. Zu berücksichtigen ist dabei, dass Frauen in der Regel mehr Körperfett als Männer haben und auch ältere Menschen mehr als jüngere. Mit dieser differenzierten Messung können auch besser Erfolge bei einer Ernährungs- und Sporttherapie gesehen werden, wenn sich beispielsweise Muskelmasse auf- und Körperfett abbaut. So steigt auch die Motivation beim Abnehmen und Sporteln.

"Die Menschen, die zu mir kommen, sind häufig erschüttert, wenn sie von mir erfahren, dass sie von zu viel Fett krank werden können. Dieses Gesundheitsrisiko sollte den Menschen jedoch bewusster sein -  Ästhetik ist bei Adipositas eigentlich zweitrangig."

Prof. Dr. Yurdagül Zopf, Leiterin des Hector-Centers für Ernährung, Bewegung und Sport am Universitätsklinikum Erlangen


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