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Kunst zu Kolonialismus und Rassismus Lubaina Himid gewinnt den Turner-Preis 2017

Lubaina Himid bekommt als erste schwarze Frau und als älteste Künstlerin überhaupt den renommierten Turner-Preis. Die Jury zeichnete die 63-Jährige für ihre kompromisslose Arbeit zum Thema Kolonialismus und Rassismus aus.

Von: Thomas Spickhofen

Stand: 06.12.2017

Der Turner-Preis 2017 geht an Lubaina Himid, 63 Jahre, geboren in Tansania, aufgewachsen in Großbritannien. Ihre Mutter nahm sie mit hierhin, als Lubaina vier Monate alt war. Und die Preisträgerin dankte bei der Preisvergabe der Mutter, dass sie ihr als Teenager Freiheit gelassen habe – wenn sie nur um zehn Uhr zu Hause gewesen sei. Himid dankte auch allen, die sie in diesen Tagen auf der Straße angesprochen und ihr viel Glück gewünscht haben – es habe gewirkt, sagte sie.

Kompromisslose künstlerische Handschrift

Lubaina Himid gehörte in den Achziger Jahren zu den ersten Künstlern der britischen Black Art Bewegung. In Bildern und Installationen beschäftigt sie sich mit Rassismus und dem Erbe der Sklaverei. Die Jury des Turner-Preises hob hervor, dass Himid ihre Themen kompromisslos angehe und Rassismus von der Kolonialzeit bis heute zeige.

Lubaina Himid bei der Verleihung des Turner-Preises 2017

Inzwischen ist Himid Professorin für Zeitgenössische Kunst an der Universität von Central Lancashire im Nordwesten von England. Von Fachleuten wird sie als Heldin der schwarzen britischen Kunst bezeichnet; sie selbst sieht aber noch einen langen Weg für schwarze Künstler bis zur Anerkennung in ihrer britischen Heimat: "Ich denke, die Geschichte dessen, was wir beigetragen haben, ist unterrepräsentiert. Schwarze haben sich auf allen möglichen Wegen eingebracht, mit ihren Leben ja sowieso, aber auch kulturell und wissenschaftlich. Das ist hier und da mal bemerkt worden, aber es ist nicht wirklich in die britische Geschichtsschreibung eingegangen." Dass sich das durch den Turner-Preis 2017 fundamental ändert, glaube sie nicht, sagt Himid. Aber es werde die Leute zum Gespräch darüber bringen, und darum gehe es ihr in ihrer Arbeit.

Altersgrenze aufgehoben

Der Turner-Preis gehört zu den wichtigsten Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst, er ist mit insgesamt 40.000 Britischen Pfund dotiert, umgerechnet rund 45.000 Euro. Die bisherige Altersgrenze wurde in diesem Jahr aufgehoben, erstmals seit 1991 waren auch Künstler nominiert, die älter als 50 Jahre waren. Die Vergabe fand im ostenglischen Hull statt, der britischen Kulturhauptstadt 2017. Dort ist die Ausstellung von Lubaina Himid noch bis zum 7. Januar zu sehen.


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