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Der Tinnitus Pfeifen, Klingeln und andere Geräusche im Ohr

Ein Tinnitus tritt ganz oft dann auf, wenn eine Schädigung am Innenohr vorliegt. Häufig aber kann kein Auslöser genannt werden. Auch ist die Ursache für die Entstehung des lästigen Pfeifens und Sirrens immer noch nicht geklärt.

Von: Sabine März-Lerch

Stand: 19.04.2019

Mann hält sich beide Ohren mit dem Zeigefinger zu. | Bild: picture-alliance/dpa

Der Tinnitus ist nicht per se eine Krankheit, er verursacht keine Schädigung am Innenohr. Aber er kann sehr belastend für den einzelnen sein, als Krankheit empfunden werden und zu Folgeerkrankungen wie Depressionen führen.

"Tatsächlich würden fast alle Leute in einem schalltoten Raum in irgendeiner Form einen Ton hören, das stört die meisten nicht. Die meisten Leute aber schaffen es, den Ton zu verdrängen. Der Tinnitus-Patient ist oft ein Patient, der sich nicht mit der Tatsache abfinden kann, dass da ein Geräusch ist und sich da darauf kapriziert, sich fixiert auf diesen Ton. Er empfindet ihn als unangenehm und will, dass der weggeht - und je mehr er darüber nachdenkt und je mehr er macht und je mehr er sich fixiert, desto schlimmer wird das. Dann wird es eine Krankheit. Der ‚schlampige‘ Patient sagt, das wird schon wieder weggehen, der schenkt dem keine Beachtung und hat das Pfeifen nach einer Weile verdrängt."

Prof. Markus Suckfüll

Tinnitus ist also keine Schädigung des Innenohrs, sondern eine Störung der Hörfunktion. Die Belästigung entsteht im Kopf, nicht im Ohr. Trotzdem kann das Ohrgeräusch sehr quälend sein, da viele Menschen gerade im Schlaf sehr gestört sind.

"Manchen setze sich deshalb ein Geräusch ins Schlafzimmer, einen Brunnen, ein Aquarium, manche schlafen mit Radio – sie machen sich ein akustisch angenehmes Ambiente."

Prof. Markus Suckfüll

Ein Tinnitus kann durchaus auch zu schweren psychischen Begleiterscheinungen wie Depressionen oder Angstzuständen führen.

Geräusch gegen Geräusch – der "Noiser"

Hörgeräte-Hersteller bieten auch für Menschen, die an sich keine Hörhilfe tragen müssen, spezielle Hörgeräte an, mit denen der Tinnitus-Ton überdeckt werden soll.

"Damit bietet man nicht nur das an, was man normalerweise hört, sondern ein breiteres Geräusch, das sich frequenzmäßig über und unter dem Ohrgeräusch befindet. Es wird also mit einem angenehmeren Rauschen überdeckt, was vorher ein hochfrequentes Pfeifen war. Diese Geräte nennt man 'Noiser'."

Prof. Markus Suckfüll

Es gibt Tinnitus-Patienten unter den schwerhörigen Menschen - aber auch Menschen mit einem sehr guten Gehör können an der Pfeifempfindung leiden.


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