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Eisbär ohne Eis Tiere im Klimawandel: Gravierende Veränderung der Lebensräume

Er ist die Ikone des Klimawandels. Der Eisbär. Denn die Eisflächen, auf denen er auf die Jagd nach seiner Beute geht, werden immer dünner und tragen ihn nicht mehr. Schon heute hungern die Eisbären, verlassen offenbar zu früh ihre Jungen, die dann verwaist ums Überleben kämpfen. Ihrer Lebensgrundlagen beraubt werden Eisbären vielleicht von der Erde verschwinden. Eisbären sind nicht die einzige Species im Tierreich, die durch die Auswirkungen des Klimawandels so in Gefahr geraten.

Von: Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 30.11.2018

Eisbären an der Hudson Bay | Bild: BR/Simon Berninger

Die kanadische Kleinstadt Churchill in der arktischen Tundra steht ganz im Zeichen des größten Landraubtiers der Erde. Am Flughafen können sich Touristen in ihren Reisepass "Polar Bear Capital of the World" - "Eisbären-Hauptstadt der Welt" - hineinstempeln lassen. Der Stempel mag originell sein. Nicht aber die Tatsache, dass sich um Churchill herum Eisbären tummeln, und zwar immer länger, weil das Eis immer früher schmilzt.

Magere Eisbären: Das Eis trägt nicht mehr, um zu jagen

Stephen Petersen vom Churchill Northern Studies Centre

An der Hudson Bay hat der Klimatrend schon heute dramatische Folgen für die Eisbären. Der Biologe Stephen Petersen vom Churchill Northern Studies Centre beobachtet, dass den Eisbären an der Hudson Bay immer weniger Zeit für ihre Robbenjagd auf dem Eis bleibt. Für die Eisbären heißt das: sie werden immer seltener fett und stark. Die Forscher registrieren zudem in den letzten zehn Jahren immer mehr verwaiste Eisbärenjunge. Mütter könnten ihre Jungen nicht mehr ernähren, weshalb sie den Nachwuchs früher abstoßen, bestätigt Ronda Reid, Rangerin bei Parks Canada. Die Eisbären sähen zu, dass sie ihr eigenes Fettpolster sichern.

Gravierende Veränderung des Lebensraums der Eisbären

Der Klimawandel ist eine nicht zu leugnende Gefahr für die Eisbären, genauer gesagt für ihr Jagdgebiet, das Eis. Die weltweit auf rund 25.000 geschätzten Raubtiere stehen inzwischen als "gefährdet" auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Doch auch andere Tiere in der Arktis, Moschusochsen oder Polarwölfe und -hasen etwa, die monatelang bei Minusgraden dort leben und darauf spezialisiert sind, geraten durch den Klimawandel immer mehr unter Druck. Wenn es durch die Erwärmung mehr regnet als schneit, sind ihrer Futterpflanzen nicht mehr mit Schnee bedeckt. Vielmehr gefriert der Regen auf den Pflanzen, die Tiere gelangen nicht mehr an ihr Fressen und verhungern. Weniger Moschusochsen, weniger Polarhasen ist gleich weniger Fressen für die Polarwölfe. Deren Bestand geht dadurch dann ebenfalls zurück. Es ist ein Teufelskreis.

Die ganze Welt ist schon vom Klimawandel betroffen

Bengalischer Tiger streift durch die Wildnis

Nicht nur in der Arktis, auch in anderen Teilen der Welt schlägt die Klimaerwärmung zu. In Teilen Afrikas werden die Dürren häufiger. Elefanten finden kein Wasser und kein Futter mehr. In Indien und Bangladesch lässt der Klimawandel die Meeresspiegel steigen. Hier bekommen die in den Mangrovenwäldern lebenden Tiger ein Problem. Ihr Lebensraum geht im wahrsten Sinn des Wortes unter, befürchtet die Umweltorganisation WWF.

Gibt es auch Tiere, die sich anpassen können?

Arten, die auch bislang in verschiedenen Lebensräumen zurechtkommen oder die keine Nahrungsspezialisten sind, könnten auch bei steigenden Temperaturen in Gebiete auszuweichen, wo sie passende Lebensbedingungen vorfinden. Doch vielfach ist dieser Lebenraum längst besetzt, etwa durch den Menschen, oder sogar schon zerstört, dann schaut es auch für die Generalisten unter den Tieren schlecht aus. Kein Platz für Tiere.

WWF-Studie "Wildlife in a warming world"

Statt weniger bläst die Menschheit immer mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre. Regelmäßig werden neue CO2-Höchststände erreicht.

Der WWF hat aktuell in einer Studie die Auswirkungen des Klimawandels in 35 besonders wichtigen Naturregionen untersuchen lassen. Fast 80.000 Tier- und Pflanzenarten und drei verschiedene Klimaszenarien wurden dabei unter die Lupe genommen. Das Resultat der WWF-Studie: Wenn die Menschen so weitermachen wie bisher und menschengemachte Emissionen an Treibhausgasen so wie bisher fortschreiten, dann würde tatsächlich jede zweite Art bis zum Jahr 2080 aus diesen untersuchten Gebieten verschwinden. Selbst wenn das Minimalziel des Pariser Klimaabkommens erreicht werde, also das 2-Grad-Limit, kommt die WWF-Studie zu dem Schluss, dass trotzdem noch 25 Prozent der Tier- und Pflanzenarten lokal aussterben. Besonders hart wird es der Studie zufolge den Amazonasregenwald treffen, Südwestaustralien oder die sogenannten Miombo-Wälder im südlichen und östlichen Afrika, wo bei einem Weiter-wie-bisher 80 bis 90 Prozent der Säugetier-, Vogel- und Amphibienarten verschwinden könnten.

Auch Europa kommt nicht ungeschoren davon

Im Mittelmeerraum wird es schon ganz deutlich. Die WWF-Studie legt nahe, wenn weiterhin so viele Treibhausgase wie bisher ausgestoßen werden, wird der Mittelmeerraum knapp 70 Prozent der Pflanzenarten sowie circa 60 Prozent der Säugetier- und Amphibienarten verlieren. Ein gutes Beispiel dafür sind Schildkröten. Für Reptilien ist das Mittelmeer ein wichtiger Lebensraum, besonders für drei Arten von Meeresschildkröten. Der Klimawandel bedroht deren Futterplätze, auch wirken sich die steigenden Temperaturen negativ auf die Fortpflanzung der Schildkröten aus.

In Deutschland heizen sich die Flüsse auf

Eine tote Brasse: Laut Weltwetterorganisation war das Jahr 2018 das viertwärmstes Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

2018 hatte Deutschland zu kämpfen: kaum Regen, monatelange Trockenheit und viel Hitze. Weil Flüsse überhitzten, starben örtlich die Fische. Doch auch nicht so Augenscheinliches ist eine Folge der Klimaerwärmung. Der Siebenschläfer zum Beispiel beendet mittlerweile seinen Winterschlaf bis zu vier Wochen früher als noch vor dreißig Jahren. Deswegen bezieht er auch seine Bruthöhlen früher. Die sind aber noch von brütenden Vögeln wie dem Trauerschnäpper oder Meisen belegt. Die Vogelbrut fällt dann dem Siebenschläfer zum Opfer. Und so gerät nicht nur in fernen Gegenden, sondern auch in Deutschland langsam, aber sicher durch den Klimawandel alles aus dem Gleichgewicht.

Linktipps

  • WWF-Studie "Wildlife in a warming world: www.wwf.de/themen-projekte/klima-energie/erderwaermung-mit-folgen
  • WWF-Blog von Anne Hanschke: blog.wwf.de/autoren/anne-hanschke
  • BR.de: UN-Klimagipfel im Dezember 2018 in Katowice
  • 24. UN-Klimagipfel in Katowice, COP24: www.cop24.katowice.eu/de/ (deutsch)

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