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Blutkrebs behandeln Therapien bei Leukämie

Während Patienten mit einer akuten Leukämie in der Regel sofort stationär mit einer hoch dosierten Chemotherapie behandelt werden müssen, brauchen zahlreiche Patienten mit chronischem Blutkrebs über viele Jahre gar keine Therapie.

Von: Klaus Schneider

Stand: 05.02.2018

Der achtjährige Fabian erhält auf der onkologischen Tagesklinik (OTK) auf dem Kinderkrebszentrum im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München während seiner sechsstündigen Chemotherapie eine Infusion mit dem Wirkstoff Idarubicin Hexal. Fabian ist bereits zum zweiten Mal an Leukämie (rezidiv) erkrankt. | Bild: picture-alliance/dpa

Therapiemaßnahmen werden eingeleitet, sobald das Blutbild bekannt ist.

Erste Schritte, wenn das Blutbild bekannt ist:

"Wir schauen nach, ob der Patient zu wenig Blutplättchen hat oder zu wenig rote Blutzellen und können das gegebenenfalls ersetzen. Wir überprüfen, ob er Fieber hat oder eine Infektion – die würden wir dann zum Beispiel behandeln. Oder ob die Leukämie schon soweit ausgediehen ist, dass sie vielleicht schon Organe befallen hat, auch das müssen wir erkennen."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann

Behandlung der Leukämie – in der Regel Chemotherapie

"Die Behandlung ist in der Regel eine Chemotherapie, das heißt, wir brauchen Medikamente, die sich im ganzen Körper verteilen, denn auch die Leukämie hat sich in verschiedene Bereiche des Knochenmarks und über das Blut manchmal auch in andere Organe ausgebreitet."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann

Hierher müssen die Medikamente über das Blut transportiert werden, sodass andere Verfahren der Tumortherapie wie zum Beispiel eine Bestrahlung oder eine Operation bei Leukämien in der Regel – außer zur Diagnosesicherung – keine Rolle spielen.

Gezielte Behandlungen

"Man muss wissen: Hat der Patient eine akute oder eine chronische Leukämie, eine myeloische oder eine lymphatische? Die nächste Ebene ist, dass wir ganz genau wissen müssen, welche genetischen Veränderungen in diesen Leukämiezellen tatsächlich vorliegen, damit wir dem Patienten eine maßgeschneiderte, möglichst nebenwirkungsarme Therapie geben können."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann

Ergänzend zur Chemotherapie: Monoklonale Antikörper

Dabei handelt es sich um im Labor hergestellte Antikörper, die sich gegen Leukämiezellen richten. Die Behandlung ist dadurch wesentlich zielgerichteter als eine Chemotherapie, die auch gutartige Zellen im Knochenmark zerstört.

"In den meisten Fällen ist die Behandlung mit monoklonalen Antikörpern ergänzend, das heißt, wir geben Chemotherapie plus eine Antikörpertherapie. Aber es gibt auch Krankheitssituationen, in denen Antikörper alleine eine Krankheitskontrolle erlauben."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann

Retinoide: Abkömmlinge der Vitamin-A-Säure

Als ähnlich zielorientiert bewährt sich die Verabreichung von Vitamin-A-Abkömmlingen bei Patienten mit einer speziellen Form der akuten myeloischen Leukämie (AML), der akuten Promyelozytenleukämie:

"Nur etwa fünf Prozent der Patienten mit akuter myeloischer Leukämie haben eine Form, bei denen eine besondere Genumlagerung in der Erbsubstanz der Krebszelle vorliegt. Diese betrifft den Rezeptor für die Vitamin-A-Säure. Man kann durch Kombination von Chemotherapie mit Vitamin-A-Säure diese Leukämien wesentlich besser behandeln, als dass man es nur mit Chemotherapie könnte."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann

Bei bestimmter AML: Heilen mit Arsen

"Bei dieser speziellen Subform der aktuen myeloischen Leukämie ist es sogar so, dass wir hier noch einen Schritt weiter sind, weil wir mittlerweile ein weiteres Medikament bei dieser akuten Promyelozyten Leukämie in der Hand haben, und zwar ist das das Arsen, das wir auch als Gift kennen."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann

Arsen kann in sehr niedrigen Dosierungen bei dieser speziellen Leukämieform in Kombination mit Vitamin-A-Säure zu einer Heilung von über 90 Prozent der Patienten führen und hat damit die Chemotherapie komplett abgelöst.

"Wir behandeln Patienten mit dieser akuten Promyelozyten Leukämie, wenn sie ein niedriges/intermediäres Risikoprofil haben, ausschließlich mit Retinoiden und Arsentrioxid."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann

Signaltransduktionshemmer STH

Die Informationen, die einer Körperzelle sagen, was sie zu tun hat (z.B. wachsen), kommen häufig von außen. Um die Information weiterleiten zu können, werden Eiweiße benötigt, sogenannte Signaltransduktionsproteine. Bei Tumorerkrankungen sind diese sehr häufig so verändert, dass sie ständig aktiv sind und – beispielsweise – ständig ein Wachstumssignal geben.

"Diese Siganltransduktionsproteine eignen sich sehr gut für therapeutische Eingriffe durch kleine Moleküle, Signaltransduktionshemmer, die direkt an diese Signaltransduktionsproteine binden und sie völlig lahmlegen können. Diesen Signalweg – und somit die Leukämie - kann man damit völlig ausschalten."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann

Die chronisch myeloische Leukämie spricht extrem gut auf solche Signaltransduktionsinhibitoren (Wirkstoff Imatinib) an. Kontrollraten von über 90 Prozent werden damit erreicht.

Chronisch lymphatische Leukämie: Manchmal keine Behandlung nötig

Nicht bei jedem Patienten mit einer chronisch lymphatischen Leukämie muss die Krankheit behandelt werden, wenn die Zellteilung und nur sehr langsam vonstattengeht. Einige Patienten mit einer chronisch lymphatischen Leukämie haben eine ganz normale Lebenserwartung.

"Das heißt nicht, dass wir diese Patienten wieder nach Hause schicken und nie wieder sehen, sondern diese Patienten werden regelmäßig von einem entsprechenden Facharzt für Hämato- und Onkologie oder manchmal auch vom Internisten oder vom Hausarzt regelmäßig gesehen, mindestens einmal im Jahr."

Prof. Dr. Karsten Spiekermann


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