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Diagnose Brustkrebs Therapien bei Brustkrebs

Besonders die Chemotherapie ist mit Ängsten überfrachtet. Deshalb ist die umfassende Aufklärung der Patientin durch ihre Ärzte, aber auch mithilfe von anderen Betroffenen und Psychoonkologen von zentraler Bedeutung.

Stand: 02.12.2019

Vorsorge ist bei Brustkrebs sehr wichtig - im Bild: Mammographieuntersuchung mit neuer Digital-Technik | Bild: picture-alliance/dpa

Nur so kann sie gemeinsam mit ihren Ärzten eine Therapieentscheidung treffen. Die Therapie folgt dem Grundsatz: So aggressiv wie nötig, so schonend wie möglich.

Wie hoch sind die Chancen, geheilt zu werden?

"Wir gehen heute generell davon aus, dass wir mindestens zwei Drittel aller Patientinnen mit Diagnose Brustkrebs heilen können. Auch im fortgeschrittenen Stadium ist Brustkrebs eine Krankheit, die man heute sehr gut und auch über längere Zeit behandeln kann. Allerdings: Sobald einmal Absiedlungen, also Metastasen, im Körper sind, ist die Erkrankung als solche nicht mehr heilbar, d.h. wir können nicht mehr alle Krebszellen dauerhaft aus dem Körper entfernen."

Prof. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums der LMU München

Therapiemöglichkeiten

Brustkrebs ist immer eine Erkrankung des ganzen Körpers, auch wenn man "nur" einen Knoten in der Brust tastet. Die Therapie besteht bei Ersterkrankungen aus

  • der Entfernung des Knotens und des Wächterlymphknotens bzw. aller Lymphknoten in der Achselhöhle, also der Operation, eventuell mit einer anschließenden Strahlentherapie.
  • Daneben gibt es die medikamentösen Therapien:
  1. Die Chemotherapie hilft, vorhandene Tumorzellen, die schon in den Körper gestreut sind, abzutöten. Sie kann vor (neoadjuvant) oder nach (adjuvant) der Operation durchgeführt werden.
  2. Die Anti-Hormontherapie wird nur bei einer hormon-empfindlichen Brustkrebs-Erkrankung eingesetzt.
  3. Die Antikörpertherapie wird nur bei Tumoren eingesetzt, die den Wachstumsfaktor HER2 aufwiesen, also HER2-positiv sind.

"Die Anti-Hormontherapie reicht bei weniger aggressiven hormonempfindlichen Tumoren aus."

Prof. Harbeck

Individuelles Vorgehen bei Brustkrebs

Um die Diagnose stellen zu können, benötigt man heute nur noch ein winzig kleines Stück Gewebe aus der Brust. Die Entnahme des Gewebes kann man ambulant durchführen, es wird eine Biopsie entnommen. Dann bespricht der Arzt mit der Patientin die verschiedenen Therapiemöglichkeiten.
Wichtig ist, dass heute die sofortige Operation nicht in allen Fällen die beste Lösung ist. Je nach Tumorbiologie kann es heute besser sein, zuerst für etwa ein halbes Jahr Medikamente zu geben und erst danach zu operieren. Dies ermöglicht die Anpassung der postoperativen Therapie an das Ansprechen zum Zeitpunkt der Operation.
Wenn es um die Operation geht, ist auch Thema, ob man die Brust abnehmen muss oder ob man sie erhalten kann. Die Entfernung der Brust ist der Entfernung des Tumors (mit anschließender Nachbestrahlung) gleichwertig in Bezug auf die Heilungschancen. Welche Operation empfohlen wird, hängt u.a. von Brustgröße und Tumorgröße ab.
Für die vorbeugende medikamentöse Therapie muss man bei hormonempfindlichen Tumoren entscheiden, ob man eine Chemotherapie und eine Anti-Hormontherapie machen muss oder ob eine Anti-Hormontherapie alleine ausreichend ist. Bei Tumoren mit dem HER2-Rezeptor oder bei den sog. dreifach-negativen Tumoren (nicht hormonempfindlich, kein HER2-Rezeptor) empfiehlt man heute die neoadjuvante Therapie. Je nach Ansprechen kann die Therapie dann nach der Operation nochmal angepasst werden. Dieses Vorgehen nennt man personalisierte Medizin.

"Bei der Ersterkrankung wird gemeinsam überlegt, was die beste Therapie ist, mit den besten Heilungschancen und dem besten kosmetischen Ergebnis. Die sofortige Operation nach Diagnosestellung kann je nach Tumorbiologie auch von Nachteil sein."

Prof. Harbeck

Genomanalyse nötig?

Beim frühen Brustkrebs ohne Fernmetastasen ist es nicht notwendig, eine Vollgenomanalyse der Tumoren durchzuführen, da es noch keine darauf basierenden Therapien gibt.

"In dem Bereich gibt es Anbieter, die sich die Analyse von den Patientinnen teuer bezahlen lassen. Davon rate ich ab. Etwas Anderes und durchaus sinnvoll ist es, wenn die Klinik im Rahmen einer Studie zu Forschungszwecken solche Analysen vornimmt. Dies ist heute in der Regel beim fortgeschrittenen metastasierten Brustkrebs der Fall. Hier kann es interessant sein, die Genstruktur des Tumors zu bestimmen, da dies Hinweise auf mögliche zielgerichtete Therapien geben kann."

Prof. Harbeck


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