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Therapien bei Arthrose Von Medikamenten bis zur Operation

Wenn der Arthrose-Patient mit einfachen Schmerzmitteln nicht mehr auskommt, nachts wach wird und seine Aktivität tagsüber eingeschränkt ist, dann sollte eine weitergehende Therapie erfolgen. Diese Patienten humpeln meist bereits.

Von: Monika Dollinger

Stand: 01.03.2018

Medikamentenfläschchen und Tablette | Bild: Digital Vision

Grundsätzliches über Knorpel

Knorpel sind nicht durchblutet. Wenn der Knorpel abgescheuert ist, kann er sich nicht mehr aufbauen. Arthrose ist nicht mit einzelnen Medikamenten zu behandeln, um den Verschleiß zu stoppen.

Arthroskopie

Mit einer Spiegelung kann man den Gelenkknorpel glätten. Denn der aufgefaserte Knorpel zersetzt sich und dadurch entsteht eine Reizung im Gelenk, die Schmerzen bereitet. Wenn man den Knorpel glättet, sind die losen Partikel entfernt und es entsteht weniger Reibung.

Je nach Alter - die möglichen Therapien

"Bis zur Pubertät kann Knorpel heilen, etwa nach einer Sportverletzung. Danach gibt es keine Heilung mehr. Allerdings können wir heutzutage Knorpelzellen züchten. Aus einem gesunden Knorpel werden zwei reiskorngroße Partikel entnommen. Diese werden in einem aufwendigen Prozess isoliert und in ein Stadium gebracht, in dem sie sich wieder teilen können. Mit diesem sogenannten Tissue Engeneering ist es möglich, aus wenigen Knorpelzellen Millionen zu züchten. Heutzutage werden mithilfe sogenannter Matrices (Collagengerüste) diese Zellen eingepflanzt. Diese Methode gelingt bis etwa zum Alter von 40 Jahren sehr gut. Danach kann man die Knorpelzellen nicht mehr erfolgreich züchten. Der Einsatz von gezüchteten Knorpelzellen wird nur in wenigen Kliniken gemacht."

Prof. Grifka, Direktor des Lehrstuhls und der Klinik für Orthopädie für die Universität Regensburg

Achtung!

"Immer wieder versprechen Ärzte die Knorpelzelltransplantation auch bei Patienten über dem 50-sten Lebensjahr durchzuführen. Damit erweckt man falsche Hoffnungen, denn das Züchten von vitalen Knorpelzellen in diesem Alter gelingt oft nicht. Eine Transplantation kann außerdem nicht gelingen, wenn der umgebende Knorpel auch schon abgenutzt ist. Nur begrenzte Defekte können mittels Transplantation aufgefüllt werden, aber es kann nicht das ganze Gelenk reproduziert werden."

Prof. Joachim Grifka

Medikamente bei Arthrose:

Es gibt zwei Substanzen, von denen nachgewiesen ist, dass sie die Ernährung der Knorpelzellen verbessern:

  • D-Glucosaminsulfat wird als Dragee eingenommen
  • Hyaluronsäure (teilweise tierischen, teilweise synthetischen Ursprungs) wird mehrmals in das Gelenk gespritzt.

"Beide Medikamente bringen bei fortgeschrittener Arthrose nichts mehr, denn nur wo noch Knorpel ist, kann noch Knorpel ernährt werden."

Prof. Joachim Grifka

Neue Behandlungsmethode: platelet rich plasma (PRP)

Bei lokalem Knorpelverlust, wenn im Kniegelenk Knochen auf Knochen reibt, gibt es seit einigen Jahren einen neuen Behandlungsansatz, der bislang an wenigen Kliniken etabliert ist: platelet rich plasma (PRP).

"Dabei handelt es sich um einen Anteil des eigenen Blutes, der vom Patienten gewonnen und in das Gelenk gespritzt wird. Konkret geschieht dies, indem Blut aus der Vene abgenommen wird. Dieses Blut wird zentrifugiert und in einem aufwändigen Verfahren mit einer Spezialspritze der Überstand des Zentrifugates in das Kniegelenk gespritzt. In der Lösung befinden sich neben den Blutplättchen auch Wachstumsfaktoren. Die Wirkung muss man sich so vorstellen, wie bei einer Verletzung der Haut, wo sich ein Ruferl bildet und daraus die neue Haut entsteht. Im Gelenk kann man damit einen Überzug der blanken Knochen erreichen, der wie ein Ersatzknorpel wirkt. Wichtig ist, dass im Gelenk keine Instabilität besteht und der Patient gute Muskulatur hat. Mit diesem Verfahren habe ich erstaunliche Erfolge."

Prof. Joachim Grifka

Diese Technik ist noch nicht von allen Krankenkassen anerkannt. Es wird auf jeden Fall empfohlen, vorab einen Kostenvoranschlag bei der Krankenkasse einzureichen.

Blutegel hält der Orthopäde für nicht wirksam.


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