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Reizdarm behandeln Therapieansätze bei Reizdarm

Beim Reizdarm lassen sich nur die Beschwerden behandeln, nicht die Ursache – weil sie unbekannt ist. Es gibt keinen Standard für die symptombezogene Therapie, sondern sie wird individuell an den Patienten angepasst.

Von: Uli Hesse

Stand: 09.07.2019

Symbolbild: Mann hat seinen Pullover hochgezogen und fasst sich an den Bauch. | Bild: picture-alliance/dpa

"Wenn der Patient eher unter Blähungen leidet, gebe ich eventuell etwas Anderes, als wenn er unter Durchfällen oder Verstopfung leidet."

Dr. Helga Török

Der Gastroenterologe testet einen Behandlungsansatz, und wenn es nach spätestens drei Monaten nicht anschlägt, wechselt er das Mittel oder gibt zusätzlich ein anderes.

Beschwerden managen, statt Ursachen heilen

Reizdarm lässt sich nicht ursächlich heilen, aber es kann eine Beschwerdefreiheit erreicht werden. Aber das bedeutet nicht unbedingt, dass Patienten bis zu ihrem Lebensende bestimmte Medikamente nehmen müssen oder bestimmte Nahrungsmittel weglassen müssen. Wenn ein bestimmtes Medikament hilft, kann man nach einiger Zeit versuchen, es langsam auszuschleichen.

"Weil die Ursachen der Beschwerden unklar sind, könnten sie auch von etwas ganz Anderem im Umfeld oder im Leben des Patienten hervorgerufen worden sein. Vielleicht hat sich das geändert, so dass das Medikament gar nicht mehr notwendig ist."

Dr. Helga Török

Medikamente und alternative Therapien

Bei den meisten Symptomen – von Verstopfung über Blähungen bis hin zu Bauchschmerzen und Durchfall – können lösliche Ballaststoffe eingesetzt werden, die den Stuhlgang regulieren. Krampflösende Mittel helfen bei Bauchschmerzen und Blähungen; Abführmittel bei Verstopfungen. Um die Darmflora zu verändern, werden probiotische Zusammensetzungen eingesetzt, wobei es keinen Bakterienstamm gibt, der bei allen Beschwerden hilft. Bei Schmerzen können neben Ballaststoffen und krampflösenden Mitteln auch Antidepressiva eingesetzt werden, selbst wenn keine Depression zugrunde liegt.

Behandlungsdauer

Wie lange es dauert, bis ein Medikament anschlägt, ist sehr unterschiedlich. Wer unter Bauchschmerzen und -krämpfen leidet, dem kann ein Spasmolytikum, also ein krampflösendes Mittel, innerhalb von einer Stunde helfen. Wer lösliche Ballaststoffe nimmt – z. B. Flohsamen, also die Samenschalen vom Strauchwegerich – sollte frühestens nach ein paar Tagen mit einer Linderung rechnen.

"Patienten sollten Flohsamen mindestens zwei bis drei Wochen nehmen, bevor eine Wirkung eintritt. Falls es nach drei Monaten immer noch nicht hilft, sollte man eine Alternative erwägen."

Dr. Helga Török


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