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Was tun? Therapie bei Reflux

Wer leichten Reflux hat, versucht in der Regel erstmal seine Ernährung umzustellen. Manchmal hilft es schon, Kaugummi zu kauen, denn das fördert einen ständigen Speichelfluss, der wiederum die Magensäure etwas neutralisiert. Andere haben die Erfahrung gemacht, dass der Aperitif vor dem Essen die Magensäure hervorlockt, wodurch sie Beschwerden haben. Deswegen lassen sie den Aperitif weg.

Stand: 06.06.2016

Eine Ernährungsumstellung kann helfen: Mann trinkt Cola am Tisch. | Bild: imago/ZUMA press

Ganz sicher wirken sich Rauchen, Schokolade und kohlensäurehaltige Getränke negativ aus. Nikotin schwächt den Magenschluss nach oben, Zucker lockt die Magensäure und Kohlensäure begünstigt das heftige Aufstoßen. Wer stark zugenommen hat, dessen Magen kann drücken. Erst wenn man das Gewicht reduziert, verschwinden die Beschwerden. In einigen Fällen kann auch Pfefferminze Reflux begünstigen.

Magenmilch

Viele Patienten greifen bei Magenbeschwerden zu frei verkäuflichen Medikamenten, mit deren Hilfe sie ihre Magensäure neutralisieren, so genannte Antazida, eine Art weiße Magenmilch. Diese Präparate sind meistens Magnesiumhaltig, wirken rasch und bringen Erleichterung. Nimmt man sie aber länger als sechs Wochen ein, kann die Magnesiumverbindung dazu führen, dass sich im Magen aus der Nahrung stammendes Phosphat ansammelt, die Aufnahme in den Körper hemmt und dann beim Knochenstoffwechsel fehlt.

Protonenpumpenblocker (PPI)

Die Wirkstoffe dieser Medikamente hemmen die Abgabe von Protonen aus der Magenschleimhaut und neutralisieren so die Magensäure, sie ist dann weniger aggressiv. Pro Einzeltablette hat man etwa einen Tag Wirkung am Magen mit Säurehemmung. In niedrigen Dosierungen (20 mg) sind die Medikamente nicht mehr rezeptpflichtig und vielen Patienten hilft bereits, wenn sie morgens nach Bedarf eine Tablette einnehmen.

"Man weiß aus großen Studien aus den USA, dass bei den allermeisten Menschen eine so genannte Bedarfstherapie jeweils über drei bis fünf Tage angewendet gut funktioniert."

Prof. Dr. Burkhard Göke, Ärztlicher Direktor und Facharzt für Innere Medizin, Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf.

Dauertherapie

Haben Patienten allerdings schwere erosive Schleimhautveränderungen an der Speiseröhre oder am Magen, dann raten Ärzte zu einer Dauertherapie mit PPI in höheren Dosierungen. Bekannt ist aber, dass bei zwei Prozent dieser Patienten Nebenwirkungen auftreten können wie z.B.:

  • Kopfschmerzen
  • Durchfall
  • allgemeines Unwohlsein.

Ein Suchtpotential ist nicht vorhanden, allerdings sollte man die Medikamente nur nach Bedarf, also nicht automatisch ständig einnehmen und bei höheren Dosierungen oder Dauertherapie erst nach Rücksprache mit dem Gastroenterologen einnehmen. Wie andere Medikamente auch, können PPI bei Dauertherapie eine Nierenbelastung verursachen, was allerdings selten vorkommt. Eine Nierenentzündung wurde in seltenen Fällen beobachtet. Viel relevanter ist eine Störung des Knochenstoffwechsels, die bei alten Menschen unter höher dosierter Dauertherapie zu mehr Hüft- und Wirbelkörperbrüchen führen kann. Da diese Menschen schon altersbedingt Knochenprobleme haben, ist das zusätzliche Risiko nicht einfach abzuschätzen.

Nebenwirkungen

In der Vergangenheit wurde öfter spekuliert, dass diese Medikamente für eine erhöhte Knochenbruchrate oder Vitamin- und Mineralstoffmängel verantwortlich seien. Man vermutete, zu wenig Magensäure bewirke, dass die Nährstoffe und das Kalzium nicht ausreichend aufgenommen würden.Aktuelle Studien beruhigen aber: Das Bruchrisiko ist sehr gering, es finden sich keine Belege für Mangel an Lalzium, Eisen oder Vitamin D. Ein Vitamin-B12- und ein Magnesium-Mangel sind nur bei jahrelanger Anwendung selten von PPI zu erwarten, können dann aber durch die Gabe entsprechender Präparate ausgeglichen werden. Wenn eine sehr lange Therapie – das heißt mehr als ein Jahr - mit einem PPI geplant ist, sollten vor dem Beginn und auch während der Einnahmezeit der Vitamin-B12- und Magnesiumspiegel mit Blutentnahmen überwacht werden.

Wie für alle Medikamente gilt, dass man niemand etwas schlucken soll, was er nicht braucht. Und man sollte Medikamente zeitlich so begrenzt wie möglich einsetzen.

Damit die PPI richtig wirken, müssen sie eine Stunde vor dem Essen eingenommen werden. Macht man das falsch, bleibt eine Besserung aus. Und die Patienten erhalten oft PPI in noch höherer Dosis.

H2-Rezeptorenblocker

Seit vielen Jahrzehnten gibt es außerdem rezeptfreie Medikamente, die die Magensäureproduktion hemmen und bei leichten Beschwerden vergleichsweise gut helfen. Bei größeren Beschwerden sind sie allerdings weniger wirksam.

Chirurgischer Eingriff (Fundoplicatio nach Nissen)

Bei dieser Operation wird der Magen quasi enger genäht, so dass kein Reflux mehr erfolgen kann. Rund 20 Prozent der Patienten entwickeln daraufhin allerdings ein so genanntes "Gas-bloat-Syndrom", d.h. sie können ihre Verdauungsgase nicht mehr durch Aufstoßen loswerden. Die Gase bleiben im Magen, drücken und verursachen Blähungen. Außerdem haben viele Patienten Schwierigkeiten, zu erbrechen. Bei heftigem Würgereiz kann die Naht am Magen aufreißen.

Alginate

Beliebt sind derzeit Präparate einer Alge mit dem Wirkstoff Natrium-Alginat, sie versprechen vor allem bei Schmerzen im Mageneingang Hilfe. Das Medikament verbindet sich mit der Magensäure und bildet eine Art Gel, das sich oben im Mageneingang wie eine Art Schutzbarriere absetzt und dort einige Stunden stabil die Schleimhaut schützt. Diese Therapie wird vor allem Schwangeren empfohlen, die ihr Kind vor einer Schädigung über den Kreislauf schützen wollen. Alginate wirken nur kurzfristig und sind nicht unbedingt zuverlässig.

Auch bei Magen-Darm-Beschwerden an Corona denken

Magen-Darm-Beschwerden finden sich auch bei Sars-CoV-2-Patienten. Sie sind manchmal sogar die einzigen Symptome der Virusinfektion. 18 Prozent der Infizierten hatten neben Husten, Fieber und Kopfschmerzen auch Bauchweh, Durchfall, Übelkeit und Magenschmerzen. Bei 16 Prozent waren das sogar die einzigen Krankheitszeichen. Ein Corona-Test gibt so oder so Sicherheit.


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