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Therapie bei Angststörungen Der Angst ins Gesicht sehen

Man entkommt ihr nicht. Vermeidungsstrategien ändern nichts an den Ursachen einer Angststörung. Oft verfestigen sie sogar das Gefühl der Ohnmacht. Manchmal aber wächst sich ein Angst-Problem auch aus. Vor allem dann, wenn das befürchtete Fiasko über Jahre hinweg nicht eintritt. Das Leben belehrt dann den Menschen eines Besseren.

Von: Justina Schreiber

Stand: 18.04.2018

Symbolbild: Ziegelwand mit Graffiti "ANGST" | Bild: picture-alliance/dpa

Eine gute Nachricht lautet: Der Mensch bleibt bis ins hohe Alter lernfähig. Er kann neue, andere Erfahrungen machen, auch mit sich selbst. Die psychotherapeutische Behandlung von Angststörungen setzt hier an. Selbstverständlich gibt es für akute oder besonders schwere Fälle auch wirksame Medikamente.

Medikamente gegen Angststörungen

  • Medikamente, die "nur" die Symptome lindern, wie Benzodiazepine. Diese Arzneimittelgruppe ist dem Notfall vorbehalten, denn sie kann zur Sucht führen und löst keinen positiven Lerneffekt aus.
  • Medikamente, die langfristig in den Stoffwechsel des Gehirns eingreifen und dort die ängstliche Grundstimmung lindern, etwa Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer
  • sowie Medikamente, die eher indirekt, z. B. durch Reduktion von Stresssymptomen wirken, wie bestimmte Betablocker

"Eine klassische Behandlung besteht darin, Menschen mit Panikattacken mit einem Notfallmedikament zu versorgen, das ist ein Benzodiazepin, das besonders gut gegen Angst wirkt. Das tragen viele Patienten im Geldbeutel bei sich. Aber sie nehmen es praktisch nie. Die Sicherheit, dass sie es schlucken könnten, aber nicht müssen, weil sie gelernt haben, mit der Angst umzugehen, trägt zum Erfolg der Therapie bei."

Prof. Dr. Reinhart Schüppel, Chefarzt der Johannesbadklinik Furth im Wald

Ein Königsweg: Verhaltenstherapie

Bei Angststörungen gelten verhaltenstherapeutische Verfahren als besonders wirksam. Das Mittel der Wahl ist die "Exposition". Das heißt: Patienten üben sich in genau dem, wovor sie Angst haben. Man führt sie in mehreren Stufen an ihr "Angst-Thema" heran. Zuerst gehen sie unter therapeutischer Anleitung die Situation gedanklich durch. Dann üben sie mit therapeutischer Unterstützung, z. B. in der U-Bahn oder im Lift. Oder man nutzt virtuelle Simulatoren. In der dritten Phase setzen sich die Patienten dann alleine der angstauslösenden Situation aus. Und zwar solange, bis die Symptome nicht nur auftauchen, sondern auch wieder deutlich abflauen. Das Motto heißt: Nicht weglaufen, sondern durchhalten, bis die Angst geht!

"Eine Patientin hat z. B. die Angst, dass sie im Supermarkt ohnmächtig umfällt. Nach heftigen Angstsymptomen zu Beginn merkt sie, dass der Schwindel und Schweißausbrüche besser werden und das Befürchtete einfach nicht eintritt. So kann das Gehirn eine neue Erfahrung machen: Ich bekomme im Supermarkt keine Ohnmacht. Jetzt muss man das wiederholen, wiederholen und wiederholen. Und, das ist vielfach belegt: Irgendwann können diese Menschen wieder ganz normal ins Kaufhaus gehen."

Prof. Dr. Reinhart Schüppel, Chefarzt der Johannesbadklinik Furth im Wald

Ursachenforschung: Psychodynamische Verfahren

In manchen Fällen lohnt es sich, nach tieferen Ursachen einer Angststörung zu forschen; und zwar immer dann, wenn die Angst als Symbol eines anderen Problems erscheint. Junge Leute z. B., die Panikattacken erleiden, sobald sie von zu Hause wegfahren, haben vielleicht Schwierigkeiten, sich von ihren Eltern abzulösen. In tiefenpsychologischen Verfahren bekommen die Patienten die Zeit und den Raum, um etwaigen Trennungsängsten nachzuspüren. Meist verschwinden die Symptome, sobald die Betroffenen die seelischen Zusammenhänge erkennen und neue "korrigierende Erfahrungen" in der therapeutischen Beziehung machen können.

Sonderfall: Trauma-Therapie

Wenn hinter der Angst ein Trauma steht, kommen spezielle Therapien zur Anwendung. Hierzu gehört das Erlernen besonderer Techniken, um die Erinnerung an das schreckliche Erlebnis psychisch integrieren zu können.


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