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Umweltkriminalität Tatort Wald und Flur: Wilderei in Bayern

Wildlebenden Tieren illegal nachzustellen, ist nicht nur ein Thema in fernen Ländern. Auch hierzulande steht die Artenvielfalt in Wald und Flur im Fadenkreuz von Kriminellen. Zu den bayerischen Hotspots illegaler Wildtiertötung zählen Niederbayern und die Oberpfalz.

Von: Chris Köhler, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 15.11.2018

Obwohl heimische Wildtiere wie Biber, Fischotter, Luchs, Wiesenweihe und Co. durch Gebote und Verbote im Bundesnaturschutzgesetz, durch Sanktionen im Bundesjagdgesetz, im Tierschutzgesetz und im Strafgesetzbuch geschützt sind, werden sie getötet. Allein für das Jahr 2017 weist die polizeiliche Kriminalstatistik für Deutschland 1020 Fälle von Wilderei gemäß Paragraf 292 Strafgesetzbuch aus; 2016 waren es mit 1052 Fällen sogar noch mehr. Von einer noch höheren Dunkelziffer ist auszugehen.

Bayerische Hotspots

Je nach Tötungsweise macht sich ein Täter zusätzlich wegen illegalen Waffenbesitzes oder der unerlaubten Verwendung von Chemikalien strafbar. Es drohen saftige Geld- oder Haftstrafen - in besonders schweren Fällen bis zu zehn Jahren. So weit die Theorie. Zu Strafen oder Verurteilungen kommt es nur selten. Zu den bayerischen Hotspots in Sachen illegaler Wildtiertötung zählen Niederbayern und die Oberpfalz; vor allem, wenn es um den Luchs oder den Fischotter geht. Aber das sind nicht die einzigen Regierungsbezirke. In nahezu in allen Bezirken werden Fälle nachgewiesen.

Aufklärungs- und Verurteilungsquote kann sich nicht sehen lassen

Natur- und Umweltverbände kritisieren die geringe Aufklärungs- und Verurteilungsquote bei illegalen Wildtiertötungen in Deutschland. Während es in vielen Ländern speziell ausgebildete Antiwilderereinheiten gibt, fehlt dergleichen in Deutschland. Andere Länder greifen auch härter durch. Zum Beispiel wurden in Österreich ein Jäger und eine Jägerin wegen der Tötung von Luchsen zu einigen tausend Euro Geldstrafe verurteilt. Zusätzlich mussten die beiden auch eine Entschädigung an den Nationalpark Kalkalpen bezahlen.

Welche Tiere stehen besonders im Fadenkreuz?

Zum Beispiel die Greifvögel

Vergifteter Habicht (

In Deutschland gibt es zahlreiche Schutzprogramme für Greifvögel. Sie werden nicht nur mit großem Aufwand geschützt, sondern auch mit viel Engagement und Steuergeld. Doch oft sind Greifvögel nicht gern gesehen. Sie enden dann in Lebendfallen wie dem Habichtfangkorb, fallen Giftködern zum Opfer oder werden geschossen. Ebenfalls eine gängige Praxis: der Jungtierklau aus dem Nest. Sogar Nistbäume werden umgesägt. Was die illegale Greifvogel- und Eulenverfolgung anbelangt, so sind zwischen 2005 und 2017 bundesweit knapp tausend ans Licht gekommen.

Zum Beispiel die Beutegreifer

Getöteter Luchs in Bodenmais (März 2017)

In Bayern sind zwischen 2010 und 2016 drei Fischotter und fünf Luchse illegal getötet worden. 14 Luchse sind verschwunden; eine illegale Verfolgung durch den Menschen kann nach Angaben der Behörden als Ursache für das Verschwinden der Luchse nicht ausgeschlossen werden.

Zum Beispiel die Biber

Auch der Biber ist nicht sonderlich beliebt

Auch Castor fiber - so der lateinische Name des Europäischen Bibers - hat sich unbeliebt gemacht. Wenn er Gräben aufstaut und den Grundwasserspiegel so steigen lässt, dass Landwirte ihre Flächen nicht mehr nutzen können, dann zahlt so mancher Biber das mit dem Leben. Doch auch die Polizei weiß in Sachen Umweltkriminalität offenbar nicht immer Bescheid. Als Bibermanager im Bayerischen Wald eine illegal aufgestellte Biberfalle während der Schonzeit fanden und einziehen wollten, riefen die Wilderer selbst die Polizei, um zu verhindern, dass die Falle abgebaut wird. Plötzlich waren die Bibermanager in Erklärungsnot.

Verhalten bei Totfunden von Wildtieren: So machen Sie es richtig

  • Halten Sie Abstand von dem toten Tier!
  • Berühren Sie es nicht!
  • Laufen Sie nicht um das Tier herum; Sie könnten wichtige Spuren vernichten!
  • Machen Sie, wenn möglich, sofort Fotos und Notizen zum Fundort!
  • Rufen Sie die Polizei an und berichten Sie, was Sie gefunden haben. Die Polizei muss in Fällen von Naturschutzkriminalität ermitteln, denn es sind Straftaten.
  • Tipp! Notieren Sie sich, mit wem Sie bei der Polizei gesprochen haben, geben Sie den Beamten Ihre Kontaktdaten. Warten Sie wenn möglich bis zum Eintreffen der Polizei.

Im Verdachtsfall können Sie den WWF-Wilderei-Notruf benachrichtigen: 0800 / 1020340 (kostenlos) oder auf der Internetseite: www.wildereinotruf.de


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