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Afghanistan-Konferenz Taliban am Verhandlungstisch – andere fehlen

In Moskau fand am 9. November 2018 eine internationale Afghanistan-Konferenz statt bei der es um die Lage im Land und die Zukunftsperspektiven gehen sollte. Umstritten war, dass bei dieser Konferenz auch die Taliban mit am Tisch saßen.

Von: Imke Köhler

Stand: 09.11.2018

Verhandlungsführer der Taliban bei der Afghanistan-Konferenz am 9. November 2018 in Moskau. | Bild: picture-alliance/AA

Botschafter Markus Potzel koordiniert als Sonderbeauftragter für Afghanistan und Pakistan das diplomatische Engagement Deutschlands gegenüber dieser Region. Im Gespräch mit der Bayern 2-radioWelt zeigt er sich im Vorfeld skeptisch über den Erfolg der Konferenz.

Ist es aus Ihrer Sicht richtig, dass bei der Afghanistan-Konferenz in Moskau die Taliban mit am Tisch sitzen?

Markus Potzel: Erst einmal ist alles, was zum Frieden beiträgt, zu begrüßen. Auch Konferenzen. Diese Konferenz ist eine unter vielen und es ist nicht das erste Mal, dass Taliban bei Konferenzen mit inoffiziellem Charakter dabei sind. Das gab es vorher schon in Oslo 2015, in Doha gab es solche Sachen auch schon. Bei dieser Konferenz ist das Problem, dass die afghanische Regierung, das offizielle Afghanistan, nicht dabei ist. Die USA sind nicht dabei, die UNO ist nicht dabei, die EU ist nicht dabei, wir sind nicht dabei. Das ist sicherlich keine Konferenz bei der es offizielle Verhandlungen geben wird.

Wie steht denn die afghanische Regierung dazu, dass mit den Taliban gesprochen wird und diese dadurch in gewisser Weise salonfähig werden?

Markus Potzel: Auch die afghanische Regierung sieht die Notwendigkeit, mit den Taliban zu sprechen, wenn es zu Frieden kommen soll. Der Präsident hat Ende Februar bei einer Konferenz in Kabul einen weitreichenden Friedensvorschlag gemacht, auf den die Reaktion der Taliban noch aussteht. Er hat dort zum Beispiel Waffenstillstände vorgeschlagen. Er hat selber Waffenstillstände angeordnet im Juni, am Ende des Ramadan. Er hat den Taliban angeboten, sie als politische Gruppierung anzuerkennen, ihnen auch ein Büro in Kabul aufzumachen. Es waren doch sehr weitreichende Vorschläge, Angebote auf die die Taliban bisher nicht reagiert haben.

Von Deutschland aus betrachtet, haben viele den Eindruck, da tut sich überhaupt nichts. Es bessert sich nichts in dem Land. Wie schätzen Sie das ein? 

Markus Potzel: Die Lage ist schon kritisch. Wir hören ja immer wieder, dass gemeldet wird, die Taliban würden ein Drittel des Landes kontrollieren. Es gibt umstrittene Gebiete. Die Lage ist alles andere als gut. Es herrscht dort Krieg. Nichtsdestotrotz gab es vor drei Wochen Parlamentswahlen, die eigentlich besser gelaufen sind als erwartet. Im April nächsten Jahres gibt es Präsidentschaftswahlen. Das heißt, es gibt ein politisches Leben, es gibt auch ein Alltagsleben in Afghanistan. Das kann man mit dem unsrigen nicht vergleichen, ich war selbst zwei Jahre dort. Und dennoch ist es eine schwierige Lage und wir - auch Deutschland – wir werden alles versuchen, um die Lage zu verbessern. Auch im eigenen Interesse, denn wir wollen ja nicht, dass Hunderttausende Afghanen zu uns ins Land kommen.


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