Bayern 2


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Pro & Contra Tätowierungen bei Polizisten

Es gab Zeiten da waren Tätowierungen nur Knastbrüdern und Seeleuten vorbehalten. Inzwischen hat jeder vierte in Deutschland zwischen 14 und 29 ein Tattoo. Für Polizisten in Bayern sind sichtbare Tattoos immer noch verboten. Dagegen hat ein Beamter geklagt.

Von: Stanislaus Kossakowski und Henning Pfeier

Stand: 14.11.2018

Deaf Tattoo | Bild: BR

Pro – Für Tätowierungen bei Polizisten

von Stanislaus Kossakowski

Es gibt Reaktionen, die Tätowierte schon lange nicht mehr hören können. "Damit bekommst du am Ende keinen Job" ist so eine. Ich selbst trage kein Tattoo und bin der Meinung, dass Arbeitnehmer im Staatsdienst, wenn sie wollen, tätowiert sein dürfen. In der Gesellschaft sind Tattoos längst verbreitete Normalität. Die Hautbemalung gefällt vielleicht nicht jedem Mitbürger, aber sie ist zu respektieren. Mit Rücksicht auf das im Grundgesetz festgeschriebene Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Artikel 2, Absatz 1 schränkt lediglich ein, es dürfen nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstoßen werden. Damit ist eine eigentlich selbstverständliche Einschränkung für Tattoos klar: Diskriminierend, verletzend oder pornografisch dürfen sie nicht sein. Selbstverständlich erst recht nicht bei Personen, die öffentlich den Staat vertreten, was bei Polizisten der Fall ist. Sie sind aber in erster Linie Bürger in Uniform und nicht uniformierte Bürger, die so gleich aussehen müssen wie nur möglich. Nicht zuletzt: Wer bei der Besetzung der vielen freien Polizeistellen alle tätowierten Bewerberinnen und Bewerber aussiebt, diskriminiert sie und wird die herrschende Personalnot noch schwieriger in den Griff bekommen. Und außerdem: hat die Polizei nicht auch etliche Arbeitsplätze im Innendienst?

Contra – Gegen Tätowierungen bei Polizisten

von Henning Pfeifer

Es ist noch nicht lange her, da hat die bayerische Polizei neue Uniformen bekommen. Alle Beamtinnen und Beamte tragen die gleiche blaue Uniform. Sie prägt das Erscheinungsbild der bayerischen Polizei. Mag sein, dass Tätowierungen heutzutage etwas völlig Normales geworden sind. Selbst angesehene Promis tragen Bilder auf der Haut zur Schau. Aber bei der Polizei muss oder sollte sowas unterbleiben. Uniform ist eben Uniform. Und was die Haut betrifft: Es ist das Wesen von Uniformträgern, dass sie als einzelne, individuelle Personen in den Hintergrund treten und ihre Funktion als Beamtin oder Beamter eben durch die Uniform nach außen wirkt und auch so wirken soll. Eine Tätowierung lässt die Wirkung einer Uniform in den Hintergrund rücken. Eine Tätowierung betont das Individuelle einer Person derart, dass sie mit ihrer auffälligen Wirkung das uniforme Erscheinungsbild konterkariert. Ob gesellschaftlich akzeptiert oder nicht: Ein Tattoo ist immer ein Blickfang. Warum sollten sich Einzelne durch Tätowierungen von den anderen abheben? Raum für Individualität gibt es ja trotzdem: Nämlich Tätowierungen an den Stellen, die von Uniformen auch im Sommer bedeckt sind. Da ist immer noch reichlich Haut vorhanden für Kreativität. Und das ist ja auch erlaubt.

Abstimmung

Sollten Polizisten an sichtbaren Stellen tätowiert sein dürfen?

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