Bayern 2


32

Kommentar "Starke-Familien-Gesetz": Vergesst die kinderlosen Singles nicht

Das "Starke-Familien-Gesetz" zeigt: Das Herz der Großen Koalition schlägt für die Familien. Schön und gut. Aber steuerzahlende und fleißige Singles verdienen durchaus auch eine Würdigung. Ein Kommentar.

Von: Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Stand: 14.02.2019

Mein Single-Leben ist ein teures Vergnügen: Die überteuerte Zwei-Zimmer-Wohnung zahle ich allein, die Reparatur der Waschmaschine ebenso und der Zuschlag fürs Einzelzimmer im nächsten Urlaub geht wieder nur von meiner Kreditkarte ab. Ganz zu schweigen von den horrenden Kneipen-Rechnungen – getrieben von der Hoffnung, doch mal dem Richtigen ein Bier auszugeben.

Singles ohne Kindern bleibt nur die Hälfte vom Einkommen

Als wäre das nicht genug, langt auch der Staat kräftig zu: Steuerklasse 1 ohne Kind ist die Eintrittskarte in die VIP-Lounge für Abzüge. Im Schnitt ist fast die Hälfte des Einkommens futsch für Steuern und Sozialabgaben.

Nun bin ich kein bedauernswerter Einzelfall, sondern gehöre zu einer Gruppe, die in Deutschland 18 Millionen Mitglieder zählt. "Paare mit Kindern" gibt es nur halb so viele.

Das Herz der GroKo schlägt nur für Familien

Dennoch schlägt das Herz der GroKo ausschließlich für Familien: Entlastung hier, Pampern da. Die bezahlte Auszeit vom Job auf Steuerkosten heißt Elterngeld, die Kinderbetreuung wird per "Gute-Kita-Gesetz" gefördert und Paare mit Kindern werden nk dem "Starke-Familien-Gesetz" entlastet.

Dazu Annehmlichkeiten wie Kindergeld, kostenlose Krankenversicherung für die Kleinen oder der Unterhaltsvorschuss, wenn sich der Erzeuger aus dem Staub macht. Rund 125 Milliarden Euro im Jahr gibt der Staat insgesamt für familienpolitischen Leistungen aus. Eine Investition in die Zukunft, heißt es gerne zur Begründung.

Nutzen Familien der Gesellschaft mehr als Singles?

Bloß: Stimmt das überhaupt? Die nackten Zahlen jedenfalls sprechen eine andere Sprache. Unter Forschern ist strittig, ob Familien der Gesellschaft am Ende tatsächlich finanziell mehr nützen als kinderlose Singles, die fleißig Steuern zahlen. Die Grenze dafür liegt nach Ansicht des Staates bei rund 55.000 Euro brutto im Jahr. Laut Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft gehören zehn Prozent der Deutschen in diese Gruppe. Sie sorgen aber für mehr als die Hälfte der gesamten Einkommensteuereinnahmen.

Singles finanzieren Familien - aber die Politik interessiert sich nicht für Singles

Auch ich gehöre zu dieser Gruppe und schultere also vergleichsweise viel der zahlreichen Familienförderprogramme des Staates. Als Dank stehen Singles wie ich nicht mal ganz versteckt auf der Agenda der Politik – wir spielen keine Rolle und machen rund ein Fünftel der Bevölkerung aus.

Im Koalitionsvertrag etwa findet sich der Begriff Familien 83 Mal, das Wort Single taucht genau einmal auf - allerdings geht es dabei nicht um mein Lebensmodell, sondern um audiovisuelle Mediendienste.

Hilferuf: Ingoniert die Singles nicht!

Klar soll der Staat Familien fördern - bloß: Er kann nicht diejenigen ignorieren, die dafür maßgeblich die Zeche zahlen und davon letztlich nichts haben.

Ja, aber auch Dich muss mal jemand pflegen, rufen mir meine verheirateten Kollegen mit Kindern zu. Stimmt! Bloß möchte ich im Alter nicht auf ihren Nachwuchs vertrauen - dass der den Generationenvertrag klaglos weiterführt und für mich mal zahlt - das ist mir nämlich zu unsicher.

Kinderlose Singles auf die politische Agenda!

Deshalb: Ich finde, die Politik sollte kinderlose Singles dringend auf die Agenda heben. Wie wäre es etwa mit einem "Single-Anerkennungs-Gesetz?" Als Zeichen dafür, dass ich heute mit sehr ungewisser Rendite in die Zukunft von Paaren und Kindern investiere. Dann würde mir der Einzelzimmerzuschlag im nächsten Urlaub jedenfalls leichter fallen.


32