Bayern 2


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Städte im Klimastress Mit städtischem Grün den Klimawandel bewältigen

Die Städte, so wie wir sie heute kennen, sind in der Regel ein Meer aus Beton, Stein und Asphalt, dazwischen ein paar grüne Flecken. Schon jetzt gibt es den Begriff von städtischen Wärmeinseln. Sie entstehen dadurch, dass eine Stadt wegen ihrer Bebauung und des Verkehrs auf geballtem Raum wärmer ist als ihr Umland. Schon heute betragen die nächtlichen Temperaturunterschiede zwischen Stadt und Land bis zu zwölf Grad. Eine grüne Infrastruktur in der Stadt kann diese Effekte mildern.

Von: Chris Köhler, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 17.05.2018

Eine grüne Infrastruktur ist heute für Städte ebenso wichtig wie Schulen, Kindergärten, das Straßennetz oder die Kanalisation. "Es geht darum, dass die ganze Stadt durchgrünt ist, um auch im Klimawandel lebenswerte Verhältnisse in der Stadt sicherzustellen", betont etwa Stefan Pauleit, Professor für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung, TU München-Weihenstephan.

Begrünte Wände haben eine enorme Kühlungsleistung

Das Tree House in Singapur

In Sachen Stadtklima kommt Bäumen besondere Bedeutung zu; sie gelten sozusagen als natürliche Klimaanlagen. Doch es müsste deutlich mehr Bäume geben, um unter den Bedingungen des Klimawandels das heutige Temperaturniveau zu bewahren. Nicht überall ist Platz für mehr Bäume. Natürliche Klimaanlagen sind auch begrünte Fassaden. Sie bieten Windfang, sind Schalldämpfer, Schadstofffilter und Luftbefeuchter. Auch Dächer werden durch entsprechende Bepflanzung kaum wärmer als die Umgebungsluft. Eine Dachbegrünung kann auch den Starkregenabfluss reduzieren.

Fassadenbegrünung zeigt mehr Wirkung als Dachbegrünung

Wenn es um die Kühlung der Freiräume geht, kann aber nichts mit den Straßenbäumen konkurrieren. Eine niederländische Studie aus dem Jahr 2003 kam zu dem Ergebnis: Selbst wenn 25 Prozent der Dachflächen entlang einer Innenstadtstraße bepflanzt sind, hat das keinen Einfluss auf die Temperaturen auf Straßenniveau. Besser als bei grünen Dächern sieht die Bilanz aus, wenn Fassaden begrünt sind. Sie müssen allerdings eine intensive Begrünung haben; das ist nicht leicht zu erreichen im baulichen Bestand.

Fassaden- und Dachbegrünungen isolieren auch

Ein großes Thema des Klimawandel ist, dass bald immer mehr Kühlanlagen in die Häuser eingebaut werden müssen, damit die Innenraumtemperaturen noch angenehm sind. Je besser bereits der Außenraum gekühlt ist, desto weniger Energie muss für die Kühlung im Innenraum aufgewendet werden. Auch hier kommen Fassaden- und Dachbegrünungen ins Spiel.

Am besten - ein Mix aus allem

Um Städte aus dem Klimastress zu holen, braucht es Stadtnatur in den unterschiedlichsten Formen. Das beinhaltet die ganze Palette - von Stadtwäldern bis Dach- und Fassadenbegrünung, über Straßengrün im Straßenraum bis hin zu übergeordneten Grünsystemen durch öffentliche Parkanlagen. Vernachlässigt werden darf auch nicht das Grün entlang von Gleisanlagen. Es braucht ein Miteinander der verschiedenen Grünformen, um insgesamt das Beste an Leistung für die Stadt herauszuholen.

Mehr zum Thema in BR.de: Die nachhaltige Stadt der Zukunft

Infos und Links:
In Deutschland hat das Bundesumweltministerium 2017 das Förderprogramm "Zukunft Stadtgrün" aufgelegt. Einzelne Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen fördern zudem gezielt grüne Infrastruktur in Ballungszentren.
Komplette Übersicht über diese Förderprogramme: www.gruen-in-die-stadt.de

"Urbane grüne Infrastruktur - Grundlagen für attraktive zukunftsfähige Städte", Leitfaden des Bundesamts für Naturschutz: www.bfn.de/fileadmin/BfN/planung/siedlung/Dokumente/UGI_Broschuere.pdf

Weitere Linktipps:
www.greencity.de/wp-content/uploads/Schule-N-Handreichung_2016.pdf
www.bmu.de/themen/stadt-wohnen/staedtebau-foerderung/zukunft-stadtgruen
www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimaforschung/klimawirk/stadtpl/klimaproj_stadt/klimaproj_stadt-zusammen_node.html
www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimaforschung/klimawirk/stadtpl/inkas/inkas_node.html


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