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Auswirkungen auf die Stimme Sprechen unter der Maske

Ein Thema, das früher eher Zahnärztinnen oder Chirurgen betraf, betrifft durch Corona inzwischen uns alle: Wir müssen Mund-Nasenschutzmasken tragen. Manche nur zum Einkaufen, andere aber den ganzen Tag. Aber wie schafft man es, gut mit Maske zu sprechen, ohne dabei der Stimme zu schaden? Ulrike Hagen hat darüber mit der Stimmtherapeutin Ruth Seebauer gesprochen.

Von: Ulrike Hagen

Stand: 03.06.2020

Probleme mit der Maske

"Ich bin ja Atem-, Sprech- und Stimmtherapeutin, das hängt natürlich alles zusammen. Mit der Atmung ist es wirklich eine große Einschränkung. Also gesunde Leute, die können das wahrscheinlich eher wegstecken, aber Leute, die ein Thema mit der Atmung haben und eh schon belastet sind, für die ist das nochmal eine doppelte Einschränkung und fördert auch nicht die Atmung, dass sie tief wird."

Ruth Seebauer

Täglich fluten rund 20 000 Atemzüge unseren Körper, insgesamt sind es rund 12 Kubikmeter Luft, die wir im Lauf von 24 Stunden ein und ausatmen. Sie versorgt unseren Körper mit Sauerstoff.

Je tiefer wir atmen, desto mehr Sauerstoff gelangt dabei in die Lunge. Über die Lungenbläschen diffundiert er dann in die Blutbahn und kann so alle lebenswichtigen Stoffwechselvorgänge des Körpers in Gang halten. Mit dem Ausatem werden dann die Abfallprodukte dieses Stoffwechsels wieder aus dem Körper hinaus befördert.

Die Frisörin muss den ganzen Tag eine Maske bei ihrer Arbeit tragen.

Das Problem beim Maskenatem sagt die Atemtherapeutin Ruth Seebauer, sei nicht nur, dass man mechanisch gegen den Stoff der Maske ausatmen muss, sondern auch, dass man die verbrauchte Luft, die man in die Maske atmet, zum Teil auch wieder einatmet.

Auch jetzt für dieses Interview stehen wir im Freien, im Grünen, in reichlich frischer Luft zum Einatmen. Ich habe Ruth Seebauer aus ihrer Praxis abgeholt, wo sie mit Maske arbeitet, und dann sind wir ein paar Schritte zu Fuss gegangen und sprechen jetzt am Rand eines Friedhofs, mit gehörigem Abstand miteinander, ohne Masken .

Ich frage die Atemtherapeutin Ruth Seebauer, ob es Tipps gibt, unter der Maske so zu atmen, dass man möglichst wenig beeinträchtigt wird. Bewegung empfiehlt sie, und auf jeden Fall, zwischendurch immer wieder einmal die Maske zu lüften.

Tipp der Sprachtherapeutin

"Zwischendurch die Maske abnehmen und Pausen einlegen. Fenster aufmachen, spazieren gehen. Atemübungen machen: Arme hoch und durchschütteln. Kurzen Sprint laufen, damit die Atmung wieder angekurbelt wird. Und an freien Tagen in die Berge gehen."

Ruth Seebauer

Masken sind schon eine Barriere, auch für Menschen, die viel sprechen müssen, wie zum Beispiel Lehrer, deren Stimmen oft strapaziert sind. Ruth Seebauer erzählt von einer Sport- und Deutschlehrerin, die zu ihr in die Praxis kommt, um zu lernen, wie sie stimmlich mit Maske in der Klasse besser ankommt. Sie übt mit ihr den sogenannten Stimmvordersitz.

Was auch immer hilft, um gut verständlich zu sprechen, ist eine klare, aber nicht verkrampfte Artikulation. Eine Übung dafür ist die klassische Korkenübung. Bevor man eine Rede halten will oder etwas Wichtiges rüberbringen möchte, kann man den Stimmvordersitz mit einem Korken üben. Den Korken, einen Finger oder auch eine Karotte zwischen die Zähne nehmen und damit sprechen. Wenn man das ein paar Minuten macht, hat man gute Voraussetzungen, auch hinter der Maske verstanden zu werden.

Die Stimmlippen schonen

Sprechübung mit einem Korken im Mund

Oft ist die Versuchung groß, durch Druck auf die Stimme und Steigerung der Lautstärke auszugleichen, was der Stimme an Präsenz und Brillanz fehlt - und das noch einmal mehr, wenn man beim Sprechen Maske tragen muss. Bei zu viel Druck auf der Stimme schlagen die Stimmlippen zu stark aufeinander. Wenn das immer wieder passiert, wird die Schleimhaut verletzt oder kann sich entzünden. Dadurch entstehen dann die sogenannten Stimmknötchen. Der Klang der Stimme ist nicht mehr voll und rund, was dazu führt, dass die Person versucht, das zu kompensieren und noch mehr Druck auf ihre Stimme gibt.

Damit es gar nicht so weit kommt, dass man Stimmlippenknötchen oder Ödeme chirurgisch entfernen muss, kann man auf sanfterem Weg mit Stimmübungen versuchen sie loszuwerden. Die Stimm- und Atemtherapeutin Ruth Seebauer hat verschiedene Therapievorschläge, die der Stimme Entlastung und dadurch neue Kraft und mehr Volumen zu schenken. Manche wirken ganz verspielt und sind doch sehr wirksam, da wäre zum Beispiel das Glissando. Dabei gleitet man mit der Stimme sanft und bruchlos durch verschiedene Tonhöhen.

Und noch einen Therapietipp für die Stimme hält Stimmtherapeutin Seebauer bereit: Sanftheit. Das Sprechen nicht als Kraftakt verstehen. Auch wenn die Maske noch so sperrig ist. Das ist wichtig, gerade wenn die Stimme eh schon strapaziert ist.

Den Druck auf die Stimme reduzieren

"Wenn viel Druck drauf ist, geh ich auch gern mit ein bißchen Hauch in die Stimme rein. Lieber mit ein bisschen Hauch sprechen oder tönen, denn da ist ja gerade die Stimme zu fest und der Hauch ist sozusagen der Öffner."

Ruth Seebauer


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