Bayern 2


2

Smart Toys Spione im Kinderzimmer

Es klingt für Kinder oft verlockend: Spielezeug, das mit einem reden kann und die Stimme aufnimmt und Anweisungen ausführt. Aber: Augen auf beim Smart Toys-Kauf! Vieles davon verbindet sich und das Kind mit dem Internet. Nutzungsdaten und sogar Gesprochenes wird dann öffentlich – und einiges birgt noch weit größere Gefahren:

Von: Gabriele Uitz

Stand: 07.12.2017

Kind mit Spielzeug | Bild: picture-alliance/dpa

Kleine Abhöranlagen

Eine Puppe ist im Idealfall eine gute Freundin, eine enge Vertraute des Kindes, dem sie gehört. Beim Spielen, Füttern, Anziehen reden die beiden miteinander. Das Kind spricht meistens beide Stimmen und wird der Puppe sicherlich auch Geheimnisse anvertrauen, genauso Ängste und Ärger. Soweit so gut, aber was, wenn die Puppe alles aufzeichnet und es per App den Eltern zum Anhören sendet?

"Wir haben zum Beispiel bei der Barbie gesehen, da wird alles, was das Kind sagt, ins Internet hochgeladen, und für die Eltern abrufbar gemacht. Also über Jahre hinweg können Eltern alles hören, was das Kind jemals zu der Barbie gesagt hat, und zwischen der Puppe und dem Kind besteht ja eine Vertrauensbeziehung, und die wird dann gebrochen, ohne dass das Kind es merkt, es wird dauerüberwacht."

Martin Gobbin, Stiftung Warentest

Etliche Smart Toys hat die Stiftung Warentest getestet, die meisten mit schlechten Ergebnissen. Außer der Puppe „Hello Barbie“, die alles ins Internet hochlädt, das sie hört, gibt es Armbanduhren, kleine Roboter, Dinosaurier, Star Wars Figuren – alles Spielzeug, das sich mit dem Internet verbinden lässt – und damit Gefahren birgt, die den meisten nicht bewusst sein dürften:

"Da war ein Roboter, der nennt sich IQ, der war der gefährlichste. Denn er konnte mit dem Kind reden und ihm Nachrichten senden und mit ihm reden und Anweisungen geben oder Einladungen aussprechen mit der Roboterstimme, der das Kind dann vertraut. Dann gab`s noch den Toy Fy Teddy, auch da war´s möglich, dem Kind Nachrichten zu schicken und den Wowy Chip Roboterhund, den konnte man fernsteuern, aber eben nicht mit dem Kind kommunizieren. Da war die größte Gefahr, dass man ihn gegen eine Vase lenkt oder so, als Angreifer."

Martin Gobbin, Stiftung Warentest

Was spannend klingt, und viel Geld kostet, nämlich Spielzeug, das antwortet oder Anweisungen ausführt, ist meistens nur möglich, wenn es mit einem Smartphone verbunden wird. Und diese Verbindung ist oft unsicher:

"Wir haben sieben Smart Toys getestet und drei davon hatten eine unsichere Verbindung. Das heißt jeder, der in der Nähe war und ein Smartphone besaß, konnte sich mit diesem Toy verbinden und es fernsteuern, und teilweise auch das Kind abhören, oder ihm Fragen, Drohungen, Einladungen schicken,  da war einfach die Verbindung nicht gesichert, das heißt, man musste keinen PIN, kein Passwort eingeben, wirklich jeder Smartphonebesitzer hätte sich damit verbinden können, das kann natürlich sehr gefährlich sein, wenn man einen Nachbarn hat, der böse Absichten hat."

Martin Gobbin, Stiftung Warentest

Bluetooth – Gefahren

Jeder im Funk-Bereich des Spielzeugs kann dann mit dem Kind reden – und ihn zu sich einladen, oder Angst machen. Wer im Spielzeuggeschäft vor den Regalen mit den Smart Toys steht, kann aber kaum erkennen, welche unsicher sind und welche nicht. Das lässt sich erst in der Anleitung herauslesen, sagt auch der Pressesprecher der Bundesnetzagentur, die ebenfalls vor internetfähigem Spielzeug warnt.

Vorher informieren

Auf der Webseite der Agentur finden sich aber keine Listen mit Spielzeug, sondern lediglich Produkteigenschaften, bei denen Eltern hellhörig werden sollten, wenn das Spielzeug sie aufweist. Jede Art von „Monitoring“ zum Beispiel  bedeutet Abhören – und erfüllt damit die Kriterien einer unerlaubten Abhöranlage. Doch verboten wurde bislang nur eine Puppe namens Cayla, und einige Smart Watches wurden deshalb vom Markt genommen. Alles lässt sich aber weiterhin problemlos im Internet bestellen, und genau das, so die Stiftung Warentest, ist ein Problem.

Keine Strafverfolgung bislang

Sollte in einem deutschen Spielzimmer eines der verbotenen Spielzeuge auftauchen, machen sich die Eltern nicht straffällig, denn bislang sehen die Behörden von Verfolgung in diesen Fällen ab. Wie sollte es auch möglich sein, festzustellen, ob Cayla oder der IQ-Roboter im Spielzimmer sitzen. Für alle Schenkenden sollte daher generell gelten: Finger weg von Spielzeug, das sich mit dem Internet verbindet, es gibt die Daten jedem preis. Und vielleicht ist es ja doch schöner, selbst mit dem Kind zu reden, als diese Aufgabe einem Spielzeug zu übertragen.


2