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Songs an einem Sommerabend Prominente Preisträger: Viva Voce, Bodo Wartke, Wolfgang Buck, Rosenstolz

Nachwuchsförderung war eines der großen Anliegen des größten deutschen Liedermacherfestivals "Songs an einem Sommerabend". Die Sendung stellt vier Nachwuchspreisträger vor, die später prominent geworden sind: Viva Voce, Bodo Wartke, Wolfgang Buck und Rosenstolz.

Von: Bernhard Jugel

Stand: 09.09.2021

Was kann so ein Preis bewirken? Und wie bewerten ihn die einstigen Preisträger heute? Ehemalige Preisträger geben Auskunft, historische Mitschnitte ihrer frühen Auftritte unterstützen diese Zeitreise musikalisch. 

Bodo Wartke: Kabarettstar und Festivalmoderator

Als Bodo Wartke 2001 den "Förderpreis für junge Liedermacher" der Hans-Seidel-Stiftung erhielt, galt er als hoffnungsvoller Nachwuchskabarettist mit Liedermacherambitionen, der bis dahin vor allem auf Kleinkunstbühnen aufgetreten war. Sein Auftritt bei den "Songs an einem Sommerabend" an zwei Abenden vor jeweils 5000 Leuten war der bis dato größte seiner Karriere – und auch sonst hatte der Preis nur positive Auswirkungen, sagt er heute:

"Es hat sich ganz viel ergeben, was andernfalls nicht passiert wäre - angefangen damit, dass ich 2002 wieder eingeladen wurde - ich durfte dann im Hauptprogramm spielen – , und dann wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, das Festival zu moderieren und damit bin ich tatsächlich in die Fußstapfen meines großen Idols Reinhard Mey getreten, der vor mir das Festival moderiert hat."

Bodo Wartke

Den durfte er später sogar ansagen – und komponierte für diese Ansage sogar eigens ein Lied. Noch etwas hat das Festival für Bodo Wartke angestoßen – seine Freundschaft mit dem im Jahr 2004 preisgekrönten A-Capella-Quintett Viva Voce, mit dem er seither immer mal wieder aufgetreten ist, nicht zuletzt auf der Wiese vor Kloster Banz.     

Viva Voce: Meister der Medleys und Opfer der Corona-Pandemie

Als das A-Capella-Quintett Viva Voce 2004 den "Förderpreis für junge Liedermacher" der Hans-Seidel-Stiftung erhielt, war das für die jungen Sänger der entscheidende Karriere-Schub, wie Bassist Heiko Benjes erzählt.

"Der Förderpreis der Hans-Seidel-Stiftung hat uns 2004 genau da abgeholt, wofür er gedacht ist. Wir, ne junge Band, die grade mit dem Gedanken gespielt hat, ins Profisegment zu wechseln, bekommt einen Preis und damit zwei Auftritte bei einem riesigen Liedermacherfestival zusammen mit den Größen der Szene, und das noch gepaart mit einer Fernsehproduktion – das hat unser Selbstbewusstsein gestärkt und unsere Bekanntheit ziemlich gesteigert, ganz abgesehen von dem gar nicht mal so schlechten Preisgeld."

Heiko Benjes, Viva Voce

Der Einstieg in die Profikarriere klappt und Viva Voce werden außerdem Teil der Festivalfamilie in Banz – vielleicht, weil sie mit ihren Medleys aus bekannten Songs das Liedermacherspektrum in Richtung Pop erweitern. Auch sie moderieren später das Festival – allerdings erst als es ab 2017 unter neuer Leitung umbenannt wurde in "Lieder auf Banz". Die Corona-Pandemie sorgte in den letzten eineinhalb Jahren allerdings für einen Karriereknick der A-Cappella-Band. Sie ist zum Quartett geschrumpft und tritt vorerst nur noch an Wochenenden auf, da die Sänger sich zwischendurch andere Jobs suchen mussten.

"Das was uns der Förderpreis der Hans-Seidel-Stiftung gegeben hat, den Mut, das Ganze hauptberuflich zu machen, das hat uns tatsächlich Corona genommen. Es wird Viva Voce weiter geben, keine Frage, aber nicht mehr in der Form wie früher."

Heiko Benjes, Viva Voce   

Wolfgang Buck: Ehemaliger Pfarrer und Rekordpreisträger

Er ist in Sachen Nachwuchspreis der Rekordhalter – drei Mal (1991, 1997, 2001) ist der fränkische Liedermacher mit dem Förderpreis ausgezeichnet worden – mal solo, mal mit Band – und beim dritten Mal hat die Jury wohl nicht so genau aufs Geburtsdatum geschaut, denn das Höchstalter für Preisträger – 40 Jahre - hatte Wolfgang Buck da schon erheblich überschritten.

"Ich war tatsächlich der älteste Preisträger aller Zeiten und bin sogar noch ein viertes Mal gefragt worden – 2005 oder 2006 -, wo ich dann selber gsacht hab‘: Also Leut, für einen Nachwuchspreisträger bin i scho a weng alt."

Wolfgang Buck

Als Karriereschub hat Wolfgang Buck den Preis nicht erlebt – er hatte schon Mitte der 90er Jahre mehr als genug Auftritte. Aber dank der familiären Atmosphäre bei den "Songs an einem Sommerabend" hat er dort Musikerfreunde kennengelernt.

"Es gab damals nach der Wende Preisträger aus dem Osten, die aber im Osten schon Stars waren. Die Zöllner, des war eine Soul- und Funk-Band aus Berlin, die hab‘ ich da kennengelernt und mich mit denen angefreundet – man is‘ ja da vier Tage zusammen – und mit denen bin ich bis heute befreundet. Und eigentlich hab‘ ich alle meine Band-CDs mit deren Bläsersatz zusammen gemacht."

Wolfgang Buck

Rosenstolz: Deutsche Chansons und Popsongs für die Charts  

Als das Duo Rosenstolz zweimal (1994 und 1996) mit dem "Förderpreis für junge Liedermacher" der Hans-Seidel-Stiftung ausgezeichnet wurde, sortierte die Jury sie in die Schublade "deutschsprachiges Chanson" ein. Im Nachhinein ist bei den Auftritten in Banz allerdings der Hang zum Popsong schon ziemlich ausgeprägt. Im Jahr 2000 eroberte Rosenstolz dann mit dem Album "Kassengift" das erste Mal Platz 1 der deutschen Charts – mit vier weiteren Alben sollte dem Duo das ebenfalls gelingen. Allerdings fordern der Ruhm und die vielen Touren ihren Preis: Keyboarder und Sänger Peter Plate entwickelt ein Burn-Out-Syndrom und 2012 lösen er und Sängerin Andrea Rosenbaum (alias AnNa) ihr Duo-Projekt Rosenstolz offiziell auf.    

Playlist

  • Bodo Wartke & Viva Voce: Guten Abend
  • Bodo Wartke: Ein Lied…
  • Bodo Wartke: Konstanze
  • Bodo Wartke & Viva Voce: Believe in Steve
  • Viva Voce: Medley (Radio Gaga / Video Killed the Radio Star / Ich grüsse alle und den Rest der Welt)
  • Viva Voce: So ist es nur in Banz
  • Viva Voce: Hallo, du schönes Franken
  • Wolfgang Buck: Live derbei        
  • Wolfgang Buck: Muss mer filma
  • Wolfgang Buck: Xund
  • Rosenstolz: Nur einmal noch
  • Rosenstolz: Traum vom Fliegen

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