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Weitere Therapieelemente bei Mangelernährung Sondenernährung, parenterale Ernährung und psychologische Betreuung

Zur Behandlung bei Mangelernährung gehören neben der Ernährungsberatung noch einige Elemente mehr. Etwa künstliche Ernährung, Physiotherapie und psychologische Betreuung.

Von: Holger Kiesel

Stand: 29.06.2018

Parenterale Ernährung: Flüssignahrung in einem Tropf am Krankenhausbett | Bild: picture-alliance/dpa

Helfen Ernährungsumstellungen allein nicht oder kann der Patient sie krankheitsbedingt nicht umsetzen, kann versucht werden, ihm über eine Magensonde die fehlenden Nährstoffe zuzuführen. Hier gibt es verschiedene Sondensysteme, die kombiniert mit einer speziellen, industriell hergestellten Sondennahrung in richtiger Dosierung den kompletten Nährstoffbedarf eines Menschen abdecken können. Leider ist Sondennahrung allerdings häufig etwas arm an Natrium, so dass, gerade in der warmen Jahreszeit, eventuell Kochsalz ergänzt werden muss.

Parenterale Ernährung

Bei der sogenannten 'parenteralen Ernährung' wird dem Patienten unter Umgehung des Verdauungstraktes und der Leber Nahrung über ein Vene zugeführt. Dadurch werden die Zellen direkt versorgt.

Weitere Therapieelemente

Neben der Ernährungsberatung und speziellen Formen der Ernährung gehören noch weitere Elemente zu einer erfolgreichen Behandlung von Mangelernährung, wie Physiotherapie, Kraft- und Ausdauertraining, sowie psychologische Betreuung und seelsorgerische Mitbetreuung.

Motivation

Besonders wichtig ist es hierbei, den Patienten dazu zu motivieren, aus der Mangelernährung herauszukommen. Denn, wer das nicht will, dem kann auch mit der besten Therapie nicht effektiv geholfen werden. Es sollte ein Therapieansatz gewählt werden, der die Besonderheiten des Einzelnen berücksichtigt (individueller Therapieansatz).

Teamwork der Therapeuten

Um die meist recht komplexen Ursachen einer Mangelernährung erfolgreich zu bekämpfen, ist unter den Therapeuten Teamwork gefragt. Ideal wäre ein Ernährungsteam, das z.B. mit einer Fachschwester für Anästhesie und Intensivtherapie, den Home Care Providern und ambulanten Pflegediensten zusammenarbeiten kann. Leider sind solche Teams, sowohl in den Kliniken als auch im ambulanten Bereich, im Moment noch die Ausnahme.

"Hier sollten zukünftig dringend flächendeckende Netzwerke geschaffen werden. Was es bereits gibt, sind sogenannte 'Ernährungsmedizinische Schwerpunktpraxen' wie die unsere, wo wir ständig in Kontakt mit den Betroffenen stehen und auch Hausbesuche für immobile Patienten anbieten. Es wird ein ambulantes Ernährungsteam vorgehalten, das im Bedarfsfall auch konsilarisch in Kliniken zum Einsatz kommt. Dieses sogenannte 'Leipziger Modell' gibt es bereits seit 1990. In Bayern übernehmen diese Aufgabe im Moment die sogenannten 'Home Care Provider'."

Dr. Jens Putziger, zertifizierter Ernährungsmediziner und Leiter der Arbeitsgruppe Mangelernährung beim Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner


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