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"Sich die Ernte teilen" Solidarische Landwirtschaft: Mit Verbrauchern produzieren

Preisdruck, Konkurrenz, die Auflagen der Discounter - für viele Gemüsebau- und Gärtnerbetriebe ist das eine Überlebensfrage. Einige versuchen es auf der Bio-Schiene, um eine Zukunft zu haben. Aber auch das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft kann für kleinere Betriebe ein Weg sein. Für die Verbraucher ist die "Solawi" eine spannende Idee. Sie geben einem Landwirt einen sicheren Arbeitsplatz und kommen direkt an ihr tägliches Gemüse.

Von: Kirsten Zesewitz, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 18.10.2018

Für seinen Zuckermais muss Bauer Alfred Schaller keinen Preis mehr festlegen. Er ist sozusagen schon bezahlt. Alfred Schaller produziert sein Gemüse für die Solidarische Landwirtschaft Erlangen. Schaller ist einer von zwei Landwirten, die für die Erlanger Solawi Gemüse anbauen. Solidarische Landwirtschaft heißt: Bauer Schaller liefert nicht einfach nur an die 150 Erlanger Familien. Sie haben Schaller beauftragt, für sie zu produzieren. Die Ernte wird untereinander aufgeteilt.

Mit Verbrauchern produzieren - wie Solidarische Landwirtschaft funktioniert

Krummes Gemüse? Kein Problem! Auch deswegen befriedigt ihn die Arbeit für die Solawi. Landwirt Schaller muss nicht mehr so viel wegwerfen.

Anders als bei einer Abo-Kiste oder dem Hofverkauf übernehmen die Solawi-Mitglieder auch Verantwortung. Sie tragen die Ausgaben für Saatgut und Pflanzen. Und wenn die Ernte mies ausfällt, bekommt der Landwirt trotzdem das vereinbarte Geld. Die Familien, die in der Erlanger Solidarischen Landwirtschaft zusammengeschlossen sind, zahlen dem Landwirt also einen festen Lohn und einen fairen Preis für sein Gemüse. Alfred Schaller konnte seinen Betrieb mit der Solawi auch ganz neu ausrichten. Baute er früher zehn Kulturen an, sind es heute 35 bis 40.

Solidarische Landwirtschaft - eine Sache des Vertrauens

"Jeder kriegt das, was ihm zusteht. Und jeder nimmt sich das auch nur raus." (Christian Luplow, Solawi Bamberg)

Vertrauen ist ein Schlüsselwort in der Solidarischen Landwirtschaft - nicht nur zwischen Landwirt und Solawi-Gruppe, sondern auch, was den Umgang der Ernteteiler miteinander angeht. Das gilt auch für eine Solawi in Bamberg. An zwei Tagen die Woche ist Abholzeit. Ab 16 Uhr kommen die Ernteteiler zum Acker und packen ihr Gemüse ein. Selbstständig. Der Landwirt hat nur die Menge, die sich jeder nehmen darf, neben das Gemüse geschrieben. Abwiegen und zählen muss jeder selbst.

Regionale Kreisläufe und ein Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft

Die Bamberger Solawi beschäftigt als Gärtner einen Franzosen. Mathieu Lubiato hat ökologischen Landbau studiert.

Die Solidarische Landwirtschaft ist kein karitatives Hilfsprojekt von ökologisch-bewegten Gutmenschen. Die meisten Ernteteiler haben auch keine Ambitionen, ihre Rüben selbst aus dem Boden zu ziehen oder Kartoffeln zu legen. Sie helfen mit, wenn Not am Mann ist und der Bauer Hilfe braucht, sonst arbeiten sie in ihren eigenen Berufen, haben eigene Verpflichtungen. Die Ernteteiler gehen einen Vertrag ein, weil sie wissen wollen, woher ihr Essen kommt und sind dafür bereit, die Leistungen des Bauern fair zu bezahlen.

Möglichkeiten, solidarische Landwirtschaft zu betreiben

Variante 1: Der Landwirt stellt seinen Acker gegen eine Pacht zur Verfügung
Der Bauer macht - wenn gewünscht - ein paar grundlegende, vor allem maschinelle Arbeiten wie pflügen oder grubbern. Dann bewirtschaftet die Solawi das Feld in Eigenregie.

Variante 2: Der Landwirt wird Teil der solidarischen Landwirtschaft
Der Bauer schließt einen Vertrag mit der Solawi-Gruppe über Liefermengen und -zeiten und über die Höhe seines Lohns. Er bekommt mit dem Anbau von Gemüse für die Solidarische Landwirtschaft ein festes Standbein in seinen Betrieb. Er kann auch noch andere Kunden beliefern, direkt oder über den Handel.

Variante 3: Eine Solawi-Gruppe pachtet ein Stück Land und stellt einen Bauern an
Der Bauer bekommt einen festen Lohn, hat Liefermengen und eine Grundausstattung von Gemüse zu beachten. Er arbeitet jedoch ausschließlich für die Solidarische Landwirtschaft. Sein gesamter Ertrag wird unter den Ernteteilern aufgeteilt.


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