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Stress und Mikro-Entzündungen So wirkt die Psyche auf den Herzmuskel

Wie kann eine psychische Erkrankung den Herzmuskel beeinflussen? Darauf gibt es keine einfache Antwort. Zum liegt das an schädlichen Verhaltensmustern, zum anderen an chronischem Stress. Diese beiden Faktoren schädigen Blutgefäße und Kreislauf und damit auch das Herz.

Stand: 01.04.2019

Gestresste Businessfrau sitzt an ihrem Schreibtisch | Bild: picture-alliance/dpa

Schädliche Verhaltensmuster

Depressive Menschen verhalten sich eher gesundheitsschädlich – sie rauchen häufiger, ernähren sich eher ungesund, bewegen sich nicht genügend und ziehen sich zurück, so dass das Herzkreislaufsystem geschädigt wird.

Aber auch nach einem Infarkt nehmen sie nicht mehr Rücksicht auf ihre Gesundheit: sie fangen sehr viel häufiger wieder das Rauchen an als andere, achten generell weniger auf sich und gehen rücksichtsloser mit sich selbst um.

"Ein nicht-depressiver Patient joggt zum Beispiel auch im Wald bei Regen. Von einem Depressiven kann man das nicht erwarten, weil er so in seinem negativen Denken verfangen ist, dass er sich selbst zu solch gesundheitsförderndem Verhalten nicht motivieren kann."

Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig

Akuter Stress

Auf Gefahrensituationen reagieren Menschen instinktiv mit dem Kampf- oder Fluchtreflex. Manchmal ist beides nicht möglich; doch Stresshormone werden trotzdem ausgeschüttet.

Diese führen dazu,

  • dass die Gefäße eng werden,
  • dass der Blutdruck steigt,
  • dass man eine andere Schmerzempfindlichkeit bekommt,
  • aber auch dazu, dass sich das Blut verdickt – damit man bei einer Verletzung nicht verblutet.

Alle diese akuten Erregungsmechanismen können zum Herzinfarkt führen.

Chronischer Stress

Viele Menschen stehen ständig unter Strom, aber eben nicht so, wie man sich das vorstellt: Ärger in der Arbeit, dann raucht man mehr und macht abends vor dem Fernseher eine Tüte Chips auf. Stattdessen stressen sie sich mit einer inneren Beschäftigung mit sich selbst. Diese ist sehr schmerzhaft und nimmt den Körper permanent in Anspruch. Auch hier werden dieselben Stresshormone ausgeschüttet, aber über einen sehr langen Zeitraum, und sie schädigen das Herz ganz extrem. Diese Vermittlungswege zwischen körperlichen und seelischen Prozessen sind wissenschaftlich sehr gut belegt.

Neue Forschung: Entzündungsprozesse

Zwischen Entzündungsprozessen und Depression gibt es eine Wechselwirkung. Depression und Erschöpfung können eine Mikro-Entzündung hervorrufen. Aber umgekehrt können Entzündungen auch zu einer Depression führen.

Jeder kennt das: Wenn eine Erkältung im Anmarsch ist, fühlt man sich irgendwie unwohl und reizbar. Dieses Krankheitsgefühl wird durch Entzündungsprozesse hervorgerufen, und hat eine biologisch sinnvolle Funktion im Heilungsprozess.

"Stellen Sie sich den Hofhund auf dem Bauernhof vor, der vom Traktor angefahren wurde und sich dann verwundet auf die Tenne zurückzieht, dort mehrere Tage schläft und keinen Hunger hat. Er trägt mit seinem Verhalten dazu bei, dass diese Wunden wieder heilen, und das sind ähnliche Verhaltensweisen wie bei einer Depression."

Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig

Eine Erkältung zieht beispielsweise eine örtlich begrenzte Immunreaktion nach sich. Bei chronischer seelischer Belastung, Stress, Depressionen und eben Herzerkrankungen geht es dagegen um winzigste Entzündungsherde und eine permanent erhöhte Entzündungsbereitschaft. Diese lässt sich durch die üblichen Medikamente nicht beeinflussen, da sie unter der Wirkungsschwelle liegt.

Studien belegen, dass Menschen mit koronaren Herzerkrankungen durch die Gabe von Entzündungshemmern geholfen werden kann. Aber möglicherweise wirken sie auch gegen die zugrundeliegende Depression.


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