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Smart farming Die moderne Landwirtschaft ist digital

Den modernen Landwirt von heute würde der Bauer von vor 20 Jahren nicht mehr wiedererkennen. Mit Satelliten, Apps und Co. wird hier Arbeit optimiert. Die Zukunft der Landwirtschaft ist digital. Stichwort: "Smart farming"

Von: Ulrich Detsch

Stand: 11.07.2018

Smart vernetzt – Landwirtschaft digital | Bild: Ulrich Detsch

Vier Roboter melken die 240 Kühe der Familie Herzog im mittelfränkischen Unterschwaningen. Eine junge Kuh ist heute noch nicht zum Melkroboter gekommen, das sieht Tobias Herzog auf seinem Smartphone. Mit seiner App namens "Inherd" liest er Daten wie Milchtemperatur, tägliche Milchmenge und die Zellzahl in der Milch, also Hinweise auf Euterentzündungen.

Landwirtschaft 4.0 - Smart farming

Tobias Herzog und seine Frau betreiben so genanntes "smart farming", frei übersetzt heißt das so viel wie kluge, clevere Landwirtschaft. Die Herzogs sind digital unterwegs Richtung Landwirtschaft 4.0. Allein für das automatische Melken haben sie mehr als 300.000 Euro investiert.

"Das ist zum Teil eine große Erleichterung, aber für uns Landwirte ist es auch eine Herausforderung, mit dieser Technik wirtschaftlich umgehen zu können. Es ist nicht so, dass man eine Investition tätigt in einem Melkroboter, dann hat man mehr Freizeit. Man muss kontrollieren, man muss permanent die Listen durchschauen und die Daten, die der Roboter auswertet auch analysieren."

Tobias Herzog, Landwirt

Aufgabenfelder der Landwirte verschieben sich

Vorbei die Zeiten als Bäuerin oder Bauer noch unter dem Euter Hand anlegte. Tobias Herzogs Frau arbeitet viel im Betriebsbüro. Dort sieht sie am PC, wie lange der Roboter die einzelnen Euterviertel, also die einzelnen Zitzen melkt. Ihr Mann kann dann reagieren und eine entzündete Zitze behandeln. Komplett ersetzen kann der Roboter den Menschen in der Landwirtschaft jedoch nicht. Nur seine Tätigkeitsfelder verschieben sich.

Jede der 240 Hochleistungs-Milchkühe hat ein Band mit Sensoren und Transponder um den Hals. Damit misst der Milchbauer, ob die Kuh ruhig liegt und wiederkäut oder unruhig umhergeht. Letzteres zeigt Tobias Herzog auf dem Smartphone, dass die Kuh in die Brunst kommt, ihren Eisprung hat und besamt werden kann.  Zumindest meint das die Technik. In der Realität kommt es aber auch vor, dass diese leicht daneben liegt und der Landwirt noch zwei, drei Stunden warten muss. Die App liefert jedoch immerhin einen Richtwert.

Digitale Landwirtschaft auch auf dem Feld

Auch technikbegeisterte Landwirte, die vom Ackerbau leben, setzen auf digitale Helfer. In Eilsbrunn bei Regensburg besuchen wir einen solchen Landwirt mit gut 100 Hektar Getreideäckern.

Andreas Röhrl streut Dünger auf seinen Weizen. Auf dem Dach seines Schleppers hat er eine gelbe Satellitenantenne von der Größe einer umgedrehten Salatschüssel. Damit ist der Landwirt mit mehreren Satelliten im Weltall verbunden sowie mit einem Sender am Boden, der ein Korrektursignal ausstrahlt. Der Bordrechner erfasst die Position des Schleppers auf zwei Zentimeter genau und lenkt ihn übers Feld. 

Digitale Ertragskarten von Äckern - dank Satellitentechnik

Andreas Röhrl nimmt auf digital definierten Fahrspuren am Acker die Hand vom Steuer. Neuerdings hat er auf seinem Bordcomputer auch digitale Ertragskarten von seinen Äckern gespeichert. Nun steuert ein Programm den Düngerstreuer so, dass er viel düngt, wo der Boden ertragreich ist und an schwächeren Stellen entsprechend weniger. So kommt auf den Acker so viel - und so wenig Dünger wie möglich. Gut für den Geldbeutel des Landwirtes - und die Natur.

Der Landwirt stellt nicht mehr wie die letzten 50 Jahre den Schieberegler beim Düngerstreuer auf einen festen Wert ein und verteilt Kali, Phosphat und Stickstoff gleichmäßig. Der Smartfarmer düngt individuell nach der Ertragskraft des Bodens: "Teilflächenspezifisch" arbeiten – darum geht es beim Smart Farming.

"Das ist auch für mich eine Herausforderung. Das ist Technik, da muss man schon richtig Geld investieren. Und wir nutzen sie in Gemeinschaft. Das ist nicht mehr so: 'Jetzt fahren wir raus und dann läufts schon irgendwie.'"

Andreas Röhrl, Landwirt

Den "Blick ins Feld" der Technik überlassen

Seit einigen Monaten nutzt er eine Software namens "Fieldview" von der US-Firma Climate. Fieldview könnte man mit "Blick ins Feld" übersetzen. Mit dieser Software hat Andreas Röhrl heuer erstmals teilflächenspezifisch Körnermais gesät. All das wird gespeichert und ist daheim am PC auf bunt gefleckten Karten sichtbar.

Daten für mehr Effizienz

Smartfarmer geben die Daten ihres Schaffens in die Speicher von Agrarkonzernen, machen sich gläsern. Und das müssen sie auch tun, weil sonst die neue digitale Landwirtschaft nicht funktionieren würde. Die eigenen Daten gegen die Chance, seine Effizienz zu steigern und somit Zeit und Geld zu sparen. Das ist der Deal.

Doch zunächst müssen die Landwirte erst im großen Stil investieren: Geld, um die neue Technik anzuschaffen. Und Zeit, um diese kennen zu lernen und am Ende richtig einzusetzen.


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