Bayern 2


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Slowenien unterirdisch Mit Mountainbike und Kanu durchs Bergwerk von Mezica

Das Land unter dem Land: Petra Martin hat sich für die radioReisen ins Kellergeschoss von Slowenien begeben: Sie war in der Postojna-Höhle und im Bergwerk von Mezica - mit Mountainbike und Kanu.

Von: Petra Martin

Stand: 20.06.2018

Der kleine Zug braucht eine Viertelstunde, um die Besucher in die Postojna-Höhle zu bringen. Als wir aussteigen finden wir uns bei kühlen zehn Grad in einem riesigen Hohlraum wieder, 120 Meter unter der Erde. Wie in einer gigantischen Kathedrale, nur dass ich statt von Fresken und Heiligenstatuen von bizarren Tropfsteinformationen umgeben bin.

Mario, unser Höhlenführer, findet Höhlen so faszinierend, dass er selbst in seinen Urlauben nicht ohne sie auskommt und am liebsten unterirdisch unterwegs ist, überall auf der Welt. Nicht alle sind so geräumig wie hier - die Höhle in Postojna ist so groß, dass ich mir selbst klein und unbedeutend vorkomme.

Die Kalkformationen in den Kammern der Höhle sind mit Licht in Szene gesetzt, damit wir ihre sonderbaren Formen bemerken. Ich entdecke einen chinesischen Mönch beim Beten, eine Eule und den schiefen Turm von Pisa – und der glitzert und funkelt! „Das kommt von den Mineralien“, erklärt Mario. „Das kalkhaltige Wasser tropft von der Decke, die Mineralien werden abgelagert und kristallisieren und deshalb kann man die dann funkeln sehen.“

Hinterm Stalaktiten-Vorhang

Anfassen ist streng verboten, zu leicht könnten die Gesteinsformationen brechen, das Werk von Wasser, Kalk und mehrerer hunderttausend Jahre wäre zerstört. „Höhlen verändern sich, aber eben sehr langsam. Hier sehen wir einen Stalagmiten und einen Stalaktiten, etwa 25 Zentimeter voneinander entfernt. In etwa 600 Jahren werden sie sich zu einer Säule – einem sogenannten Stalagnaten – vereinigen“, erklärt Höhlenführer Mario.

Einmal hängen die Stalaktiten dünn und zahlreich wie Spagetti von der Decke. Ich fühle mich, als würde ich unter einer Spagetti-Presse stehen. An anderer Stelle haben sie eine Art Vorhang gebildet, weil sich der Kalk hier über die Breite ablagert und je nachdem, was das Wasser aus dem Boden mit sich führt, ändert sich sogar die Farbe – von weißlich-grau zu gelb-orange.

Zum Schluss der Führung kommt der eigentliche Höhepunkt der Postojna-Höhle: Ein sogenannter Höhlendiamant: Diesen faszinierenden weißen Glitzerbrocken könnte ich noch ewig bestaunen, doch leider ist unsere Zeit in dieser Höhle vorbei. In der Ferne hören wir jetzt ein Rauschen. Wir sind angekommen beim Fluss Pijuka: Wenn es viel regnet, dann schießt das Wasser hier mit 40 bis 50 Kubikmetern pro Sekunde durch. Dieser unterirdische Fluss, hat diese riesigen Höhlen von Postojna geschaffen.

Mit dem Mountainbike unter Tage

Wenn man Slowenien von unten besichtigen will, muss man neben den vielen Tropfsteinhöhlen unbedingt auch Bergwerke wie in Mezica besuchen. Hier wurde 300 Jahre Blei abgebaut, jetzt sind die Stollen stillgelegt und die Besucher können mit dem Mountainbike unter Tage fahren.

„Wir sind jetzt durch einen unserer 300 Eingänge in die Miene gelangt. Jetzt werden wir sechs Kilometer radeln – von Crna Na Korosem nach Mezica. Wir fahren mitten durch den Berg Veliki vrh hindurch.“ Lara, unser Guide, empfiehlt Jacke und Handschuhe – im Berg ist es kalt: konstant 10 Grad und windig dazu.

500 Meter unter der Erde

radioReisen-Autorin Petra Martin

Wir werden 500 Meter unter der Erde sein. Zuerst setze ich meinen Bergwerkshelm samt Stirnlampe auf. Ich schwinge mich auf mein Mountainbike und schaue nach vorne. Dann wird es dunkel. Bis die Mine 1994 stillgelegt wurde, haben die Bergleute hier 19 Millionen Tonnen Erz abgebaut. Daraus wurde eine Million Tonnen Blei und eine halbe Million Tonne Zink gewonnen, für die Herstellung von Batterien, Röntgenschutzmänteln, Kristallglas oder Gewichten.

Wir fahren weiter durch den Stollen. Treten muss ich jetzt kaum, eher bremsen. Es geht holpernd bergab. Nach einer Viertelstunde im Dunkeln sind wir an unserem nächsten Zwischenstopp angelangt. Der Union-Schacht. Es geht weiter bergab. 120 Meter tief. Ein Stein, von hier aus geworfen, braucht zehn Sekunden bis er abkommen. Von hier aus geht es zu Fuß weiter - nach unten. Die Stahltreppen sind feucht, eng und steil. Wir sind jetzt 600 Meter unter der Erde. In einer Kammer bekommen wir Neoprenanzüge und Gummistiefel.

Weiter geht’s mit dem Kajak

Am Grunde des Schachts angekommen sehen wir: Wasser. Das ist Grundwasser, das langsam durch die Steine tropft und sich hier sammelt. Das Abpumpen war für die Bergwerke irgendwann nicht mehr wirtschaftlich, erklärt unser Guide Lara, deshalb wurden die Stollen aufgegeben. Glück für uns: In Mezica kann man seit vier Jahren mit dem Kajak durch die Stollen fahren. Die Plastikboote reagieren sofort auf jeden Ruderschlag, geradeaus fahren ist schwer. Aber nach ein paar Versuchen habe ich den Dreh raus.

Wir passieren enge, niedrige Gänge, durch die wir nur kommen wenn wir uns flach auf das Kajak legen. Hin und wieder tropft es von der Decke. Irgendwann werden sich hier auch Stalagmiten und Stalaktiten bilden, wie in der Postojna-Höhle, aber das kann dauern. Noch ist die Höhle hier viel zu jung.

Ein unterirdischer Strand

Verlorengehen können wir übrigens nicht. Die Gänge wirken zwar wie ein Labyrinth, sind aber in sich geschlossen, so dass sich am Ende der Tour alle wieder an einer Stelle zusammenfinden. Und diese Stelle hat: einen Strand – einen unterirdischen!

Elf Grad hat das Wasser im Bergwerk - lange hält man es hier nicht aus, doch die Stimmung ist herrlich

Das Wasser hat knapp elf Grad, zeigt mein Thermometer. Ich schlüpfe aus den Gummistiefeln und stehe im Badeanzug am Ufer. Und wage mich ins Wasser. Das ist zwar kalt, aber das macht mir nichts. Ich schwimme. Es ist herrlich! Diese Stimmung. Diese Ruhe. Der Bergwerkshelm auf meinen Kopf fühlt sich schwer an. Ob es unter mir tatsächlich 200 Meter bis zum Grund sind? Nach ein paar Minuten ist das Schwimmabenteuer aber beendet - das Wasser wirklich kalt…

Als ich wieder im Neoprenanzug im Kajak sitze hat Lara noch eine Überraschung parat: Wir sausen einen kleinen Wasserfall hinunter. Ein schöner Abschluss. Jetzt warten nur noch die 472 Stufen nach oben auf uns – zurück in die Sonne und die Wärme.

Die Beiträge der Sendung

  • Slowenien unterirdisch. Von Petra Martin
  • Tauchen nach dem Nazigold. Von Stefan Wimmer
  • Wie auf dem Mond: Der Fotograf Jonathan Kielkowski hat verlassene Bergwerke in Spitzbergen fotografiert

Die Songs der Sendung:

  • Magnifico - Bosangero Nero
  • Voodoo Jürgens - Heite grob ma Tote aus

Moderation: Bärbel Wossagk


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