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Facebook und Datenschutz Ist unsere Privatsphäre bald besser geschützt?

Was wir auf Facebook liken, mit wem wir befreundet sind: Angaben, die viel über uns verraten. Ende Mai greift in der EU die neue Datenschutzgrundverordnung, die Nutzerdaten besser schützen soll. Datenschützer und IT-Unternehmer Klaus Rederer erklärt im Interview, was das für Nutzer und Unternehmen wie Facebook bedeutet.

Von: Tanja Zieger

Stand: 03.04.2018

Facebook-Like-Daumen auf Asphalt. | Bild: picture-alliance/dpa

Notizbuch: Warum kann Facebook bislang so einfach auf Nutzerdaten zugreifen und sie für sich nutzen?

Klaus Rederer: Facebook unterliegt derzeit noch dem amerikanischen Datenschutzrecht und das ist wesentlich laxer als zum Beispiel das deutsche. Facebook darf in Amerika mit den Nutzerdaten machen, was es will. Das ist ganz legal. Es darf die Daten verkaufen, weitergeben oder für das Profiling nutzen. Und es darf die Ergebnisse dieser Auswertung weiterverkaufen.

Wenn wir von Daten sprechen, was ist damit genau gemeint?

Klaus Rederer

Das Interessanteste für Facebook sind die Interaktionen, die jede Nutzerin und jeder Nutzer macht. Facebook weiß, wer mit wem befreundet ist und kann das Konsumverhalten einzelner Personen sehr genau analysieren. Außerdem hat es x Möglichkeiten, allein durch die Datenmenge, Auswertungen zu machen, die wir uns überhaupt nicht vorstellen können.

Sind Nutzer zu blauäugig, wenn sie denken, dass ihre Daten nur dafür genutzt werden, ihnen gezielt Werbung einzublenden?  

Ja, wir sind viel zu blauäugig. Im Zeitalter der Digitalisierung sind Daten der wichtigste Rohstoff, den wir uns überhaupt vorstellen können. In welchem Ausmaß unsere, uns irrelevant oder banal erscheinenden Daten genutzt werden, ist vielen nicht klar – etwa für ein exaktes Profiling, das für die Produktentwicklung oder gezielte Werbung genutzt wird.

Ab dem 25. Mai 2018 tritt die Europäische Datenschutzgrundverordnung in Kraft. Was heißt das für Unternehmen, wie Facebook?

Das ist sowas wie eine neue Datenverfassung der Europäischen Union. Das heißt für die ganzen Datensammler, wie Facebook, Google, Amazon und Apple, dass sich ihr Geschäftsmodell verändern muss. Die Weitergabe von Daten an andere Nutzer, Firmen oder Kooperationspartner darf nur noch mit der ausdrücklichen Einwilligung jedes Einzelnen geschehen.

Was bedeutet das konkret?

Facebook muss sich radikal ändern. Es muss reihenweise Einwilligungserklärungen von den jeweiligen Nutzerinnen und Nutzern verlangen. Wenn es das nicht tut, verstößt es gegen die Europäische Datenschutzgrundverordnung und kann dadurch mit dramatischen Strafen belegt werden, die bis zu vier Prozent des Weltjahresumsatzes betragen können. Damit hat die Europäische Union das erste Mal in der Geschichte des Datenschutzes ein richtiges Werkzeug in der Hand.

Reicht das aus Datenschutzsicht?

Das ist ein erster Schritt, in eine ganz wichtige Richtung. Allerdings muss auch bei den Nutzerinnen und Nutzer das Bewusstsein für die Thematik wachsen. Sie müssen tatsächlich die Dimension der Datenanalyse und der Datenspeicherung begreifen und dass das im höchsten Maße gefährlich und bedenklich ist. Es entstehen unendlich viele Möglichkeiten des Profilings,  Ausspähens, Überprüfens und Überwachens jedes Einzelnen.

Muss jeder, der das nicht möchte, die Plattform verlassen?

Bei genauer Betrachtung, ja. Es geht aber nicht nur um die  Nutzung sozialer Plattformen, sondern auch um Amazon und Google. Wenn ich an diesem Spiel nicht teilnehmen will, hilft eigentlich nur die Totalverweigerung.


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