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Chemie unter der Haut Sind Tattoos gefährlich?

Sind Tattoos ungesund oder sogar gefährlich? Die Wissenschaftler wissen nur eines sicher: Ein Tattoo bleibt nicht da, wo es unter die Haut gebracht wurde. Die tätowierten Farbpigmente und chemischen Stoffe können auf Wanderung im Körper gehen.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 23.11.2017

Ein Tätowierer | Bild: mauritius-images

Etwa 15 Prozent der Deutschen haben sich tätowieren lassen. In der Altersgruppe zwischen 25 und 34 sind es schon bis zu vierzig Prozent. Wie gefährlich oder ungefährlich Tattoos sind, darüber gibt es keine Studien bislang, obwohl das Wissen um die Langzeitwirkung von Tatoos besonders wichtig wäre.

Tätowiermittel wandern im Körper

Noch ist weitgehend unerforscht, was mit den Tätowierungen nach Jahren oder Jahrzehnten passiert. Die Wissenschaftler wissen allerdings, dass ein Tattoo nicht da bleibt, wo es unter die Haut gebracht wurde. Das zeigt sich bislang vor allem durch die Untersuchungen an Verstorbenen.

"Weit über die Hälfte der tätowierten Pigmente unter der Haut verschwindet einfach mit der Zeit."

Prof. Andreas Luch, Leiter Chemikalien- und Produktsicherheit beim Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin

Die Pigmente aus Tätowiermitteln sind nämlich nicht wasserlöslich, Konservierungsstoffe, Stabilisatoren oder auch Lösungsmittel dagegen schon. Sie werden zeitgleich mit der Nadel unter die Haut gebracht und gehen innerhalb von Sekunden und Minuten ins Blutsystem über. Von dort aus werden sie dann über das Stoffwechselsystem nach und nach ausgeschieden, vermuten die Wissenschaftler. Und auch die unlöslichen Farbpigmente gehen vermutlich auf Wanderschaft.

"Unsere letzte Studie hat gezeigt, dass es tatsächlich so ist, dass in den Lymphknoten, die in der Nähe dieser Tätowierungen waren, ein großer Anteil an Pigmenten aufläuft und akkumuliert."

Prof. Andreas Luch, Leiter Chemikalien- und Produktsicherheit beim Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin

In den Lymphknoten kann das im Extremfall zu Vergrößerungen oder Entzündungen führen. Und es ist außerdem noch nicht geklärt, ob die gefundenen Stoffe, die zweifelsfrei aus Tätowiermitteln stammen, auch tatsächlich dort bleiben. Bislang konnten die Stoffe nur in Lymphknoten nachgewiesen werden, die in der Nähe der Tätowierungen waren. Langzeitstudien, die mehr und umfangreichere Erkenntnisse zulassen, sind nur schwer möglich. Unter anderem, weil Tierversuche für kosmetische Stoffe in der EU verboten sind.  

Lösen Tätowierungen Krebs aus?

In den Tätowierfarben finden sich immer wieder Stoffe, die problematisch sind, also Allergien auslösen können oder – in hohen Konzentrationen – sogar als krebserregend gelten. Bislang gibt es allerdings keinen wissenschaftlichen Beweis, dass Tätowierungen tatsächlich Krebs auslösen.

Immer mehr wollen sich ihre Tattoos wieder entfernen lassen

Zwar lassen sich immer mehr Menschen tätowieren, es gibt aber auch eine große Anzahl, die sich ihre Tattoos wieder entfernen lassen wollen, stellt der Münchner Hautarzt Georg Schuhmachers zumindest in seiner Praxis fest. Geschätzt die Hälfte aller gestochenen Tattoos soll nach einer Weile wieder weg. Ein oft langwieriger Prozess, der nicht garantiert, dass die Tätowierung völlig verschwindet. Gerade das Weglasern birgt gewisse Risiken.

"Das ist ja nicht nur bei den Tätowiermitteln der Fall, sondern auch bei den Mitteln für das Permanent-Tattoo bei den Damen. Einerseits macht das manchmal deutliche Schwierigkeiten, es wieder zu entfernen. Andererseits gibt es Berichte, dass in seltenen Fällen beim Entfernen krebserregende Stoffe entstehen könnten. Es gibt aber keinen nachgewiesenen Fall."

Dr. Georg Schuhmachers, Hautarzt aus München

Tattooentfernung nicht ganz unproblematisch

Tatsächlich werden die Farbpigmente beim Lasern zertrümmert. Die dabei entstehenden Substanzen sind toxikologisch nicht unproblematisch, denn die kleiner gewordenen Farbfragmente sind deutlich mobiler und können sich so im Blutgefäßsystem und im Körper verteilen.

Riskio bleibt

Je größer die Tätowierung, desto größer das Risiko. Die Tätowierer selbst können wenig ausrichten. Zwar gibt es eine EU-Tätowiermittelverordnung, aber die beinhaltet nur eine Art Negativliste mit Stoffen, die nicht verwendet werden dürfen. Letztlich geht es für Wissenschaftler auch nicht um ein Verbot von Tattoos, sondern um Aufklärung und darum, das Bewusstsein für Risiken zu schaffen:

"Es ist wichtig zu wissen, dass es immer um Chemikalien geht. Das muss man wissen, bevor man sich tätowieren lässt. Ich kann mir vorstellen, dass das sicher nicht befriedigend ist, aber es gibt an dieser Stelle keine Entwarnung."

Prof. Andreas Luch, Leiter Chemikalien- und Produktsicherheit beim Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin


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