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Modediäten Sind die neuen Ernährungstrends gesünder?

Ernährungstrends ändern sich mit jeder Jahreszeit. Gerade junge Leute ernähren sich zunehmend vegan oder fasten in Intervallen. Doch ernährt man sich mit solch radikalen Einschnitten wirklich besser?

Von: Uli Hesse

Stand: 23.11.2017

Goji-Beeren in einer Holzschale | Bild: colourbox.com

Wer sich besonders gesund ernähren möchte, hat die Auswahl: Modetrends wie Intervallfasten oder vegane Kost, Superfoods oder doch ganz traditionell die Multivitaminpräparate aus dem Supermarkt. Doch was helfen sie wirklich? Und müssen wir unsere Alltagskost mit Vitamin- und Mineralstoffpillen tatsächlich aufpeppen?

Vegetarische und vegane Ernährung

Sechs Prozent der Deutschen essen als Vegetarier kein Fleisch – dafür aber Milchprodukte - und nehmen dadurch genügend Nährstoffe zu sich. Ein Prozent bezeichnet sich als vegan und verzichtet auf jegliche tierischen Lebensmittel.

Zwar leiden sowohl Vegetarier und Veganer seltener an Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, doch das kann auch daran liegen, dass sie grundsätzlich gesünder leben. Denn der Verzicht auf jegliches tierische Eiweiß ist nicht automatisch gesund. Zwar sollten wir überwiegend pflanzliche Lebensmittel zu uns nehmen, doch Vielfalt und Abwechslung sind ebenso wichtig.

Bei einer veganen Ernährung fehlen Milch und Milchprodukte, die Proteine, die Vitamine D und B12 sowie Calcium liefern. Seefisch ist wichtig für Jod. Selen und Omega-3-Fettsäuren finden sich in Fisch. Fleisch enthält Eisen und Zink. Fehlen diese Stoffe, kommt es zu Mangelerscheinungen, die vor allem Veganer durch Nahrungsergänzungsmittel ersetzten sollten. Deshalb sollten sie regelmäßig den Vitaminspiegel kontrollieren lassen. Dabei wird das sogenannte Holotranscobalamin, also das aktive Vitamin B12, im Blut gemessen.

Superfoods

Exotische Superfoods wie Açaí- und Goji-Beeren, Chia-Samen und Quinoa sollen angeblich besonders gesundheitsfördernde Stoffe enthalten; einen wissenschaftlichen Nachweis gibt es dafür bisher nicht. Chia-Samen lassen sich durch den heimischen Leinsamen ersetzen. Die glutenfreie, getreideähnliche Quinoa-Pflanze eignet sich vor allem als Alternative für Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit.

"Wenn beispielsweise eine Darmentzündung (Sprue, Zöliakie) die Absorption bestimmter Stoffe vermindert, kann es sinnvoll sein, dies durch Superfood wie Quinoa auszugleichen. Ansonsten halte ich das für eine Modeerscheinung ähnlich den Nahrungsergänzungsmitteln."

Prof. Dr. Julia Mayerle

Intervallfasten – die gesunde Alternative zu Reduktionsdiäten

Bei diesem neuen Diättrend isst man acht Stunden lang ganz normal und fastet dann sechzehn Stunden. Der Vorteil: Man muss sich zwar während der normalen Essenzeit nicht einschränken, nimmt aber trotzdem weniger zu sich, weil man schneller satt wird. Anhänger versprechen sich davon einen langfristigen Gewichtsverlust ohne Mangelerscheinungen und vor allem ohne den Jo-Jo-Effekt konventioneller Diäten. Allerdings ist es manchmal schwierig, das Fasten in den Alltag zu integrieren.

"Ich bin mehrmals in der Woche abends bei Geschäftsessen. Nach einer Pause von 16 Stunden dürfte ich die erste Mahlzeit am nächsten Nachmittag um 14 Uhr zu mir nehmen. In der Klinik ist dann schon die Kantine geschlossen. Ich müsste mir das vorgekochte Mittagessen mitbringen, oder greife zu einer belegten Semmel, Fastfood oder etwas Süßem. Wir müssen bei unserem dichtgedrängten Lebenswandel also sehr gut organisiert sein, um uns gesund zu ernähren."

Prof. Dr. Julia Mayerle

Regionale Produkte statt Nahrungsergänzungsmittel

Multivitaminpräparate sind bei einer vielseitigen Ernährung mit ausreichend Obst, Gemüse und Milchprodukten nicht notwendig. Auch Eisenmangel ist selten, außer bei sehr einseitigen Diäten, starkem Blutverlust oder nach Einnahme bestimmter Medikamenten. Statt Geld für Nahrungsergänzungsmittel auszugeben, lohnt es sich, alle Lebensmittelgruppen zu sich zu nehmen und auf ausgewogene regionale und saisonale Produkte umzusteigen; denn darauf ist unser Metabolismus abgestimmt.

"Wenn Sie frische und vielseitige Lebensmittel aus der Region essen, dann haben sie keine Mangelerscheinungen und ernähren sich gesund."

Prof. Dr. Julia Mayerle


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