Bayern 2


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Silvesterblues Verpasste Gelegenheiten und gute Vorsätze

Silvester - unaufhaltsam neigt sich das Jahr seinem Ende zu. Dabei wollten wir noch …! Oh, hätten wir doch nur …! Zu spät! Aber im nächsten Jahr wird alles anders! Andererseits heißt es, der Weg zur Hölle sei mit guten Vorsätzen gepflastert. Ach, man könnte den Blues bekommen, den Silvesterblues …

Von: Thomas Kernert

Stand: 29.12.2018 | Archiv

Jeder anständige Bayer weiß: Alles hat einen Anfang und ein Ende. Der Anfang steht am Anfang und das Ende am Ende. Das ist logisch, natürlich und beruhigend.

Steht jedoch das Ende am Anfang und der Anfang am Ende, so ist das gar nicht mehr logisch, natürlich und beruhigend, sondern die sogenannte "Zeit zwischen den Jahren", die Zeit zwischen Weihnachten und Heiligdreikönig. Sie beginnt mit dem Ende des alten Jahres und endet mit dem Beginn des neuen Jahres. Verkehrte Zeit, verkehrte Welt!

Rabenschwarze, frostige "Rauhnächte"

"Rauhnacht" im Bayerischen Wald

Dass die Welt in dieser Zeit beunruhigend, um nicht zu sagen brandgefährlich ist, liegt auf der Hand. Die Nächte dauern von 4 Uhr nachmittags bis 9 Uhr vormittags und sind rabenschwarz und frostig kalt.

Früher nannte man sie "Rauhnächte", was nichts mit deren Unwirtlichkeit zu tun hat, sondern auf das mittelhochdeutsche "ruch" zurückgeht und so viel wie "haarig" bedeutet. Haarig waren diese Nächte, weil in ihnen zottelige Dämonen sowie langhaarige und ungewaschene Geister und Gespenster Ausgang hatten und allerlei Schabernack trieben.

Silvestersause mit Feuerwerk

Schon immer war also das Jahresende eine brisante Zeitspanne. Um sich und sein Vieh vor bösen Geistern zu schützen, ließ der kluge Landmann einst seine Ställe vorsorglich mit Weihrauch ausräuchern.

Heute verbringt der postmoderne Städter diese Zeit vorzugsweise auf einer Silvestersause, wo er im Kreis seltsam aufgekratzter Zeitgenossen so lange Alkohol in sich hineinschüttet, bis er am Himmel riesige Lichtfontänen sprudeln sieht und wildfremden Menschen in den Armen liegt.

Die große Reue am Neujahrsmorgen

Und dennoch entkommt man ihm nicht, dem doppelgesichtigen Dämon der verpassten Gelegenheiten und der guten Vorsätze.

Spätestens am Neujahrsmorgen grinst er einem oberlehrerhaft aus dem Badezimmerspiegel entgegen und salbadert so lange vor sich hin, bis man alle seine Sünden aus dem vergangenen Jahr bitterlich bereut und – wieder einmal – den großen Fehler begeht, sich (resp. dem Badezimmerspiegel) Besserung zu geloben.

"Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert ..."

Fakt ist: Das Einhalten von Vorsätzen macht keinen Spaß, weshalb angeblich lediglich 15 % der von verkaterten Neujahrsmenschen getätigten Vorsätze über einen längeren Zeitraum verfolgt (aber meist nie eingeholt)  werden.

Trost ist: "Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert, nicht mit schlechten." Sagt Oscar Wilde. Weshalb Thomas Kernert den schlechten Vorsatz ergriffen hat, über gute Vorsätze und andere Scheusale zu berichten. Wohin das führt? – Lassen Sie sich überraschen ...


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