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Sexuelle Belästigung Mit Kreide gegen "Catcalls"

Pfiffe, übergriffige Kommentare, anzügliche Gesten – solche "Catcalls", sexuelle Belästigung in der Öffentlichkeit, haben viele Frauen schon erlebt. Zwei Münchnerinnen machen auf das Problem aufmerksam – mit Straßenkreide.

Von: Ariane Dreisbach

Stand: 10.08.2020

Vier junge Frauen auf dem Marienplatz, mitten in München. Sie kreiden an – im wahrsten Sinne des Wortes. Sofija Pavlenko kniet am Boden und zieht Striche mit bunter Kreide. Erst schreibt sie #stopptbelästigung. Dann den Spruch: "Frauen sind nur zum F*cken da, ihr braucht nicht denken, dass ihr 'ne Meinungsfreiheit habt." Das F-Wort zensiert sie mit einem Sternchen.

Sexuelle Belästigung sichtbar machen

Sie macht das deshalb genau an dieser Stelle, weil zwei der Frauen, Fiona und Charlotte, hier am Marienplatz in der U-Bahn sexuell belästigt wurden. Dass ihnen das passiert ist, haben sie Sofija Pavlenko und Julia Tokic auf Instagram geschrieben. Die beiden betreiben dort den Kanal @catcallsofmuc. Mit ihrem Projekt "Catcalls of Munich" wollen sie sexuelle Belästigung in der Öffentlichkeit sichtbar machen:

"Ich hab es bei mir selbst gemerkt, dass ich diese ganzen Sprüche schon so als normal abgestempelt hatte. Ich dachte: Das passiert doch jedem Menschen. Aber das heißt ja noch nicht, dass das normal ist und dass man das hinnehmen sollte."

Sofija Pavlenko, Gründerin @catcallsofmuc 

"Ich nehm dich mit, Süße, dich würd' ich nicht von der Bettkante stoßen." – "Reg dich nicht auf, du geile Muschi" – "Willst du mir einen blasen?" Das sind nur einige Beispiele, die sie auf ihrem Instagram-Kanal gesammelt haben. Seit der Gründung vor einem Jahr haben mehr als 500 Frauen solche Belästigungen, Catcalls also, mit ihnen geteilt.

Catcalls sind überall auf der Welt ein Problem

Mit dem "Ankreiden" solcher Erlebnisse wollen Julia Tokic und Sofija Pavlenko zeigen, dass Frauen sich sexuelle Belästigung nicht gefallen lassen müssen. Die Idee, mit Kreidebotschaften auf der Straße auf sexuelle Belästigung aufmerksam zu machen, kommt aus New York, vom Instagram-Account @catcallsofnyc. Der Account hat mehr als 180.000 Follower*innen, den Münchner Ableger haben inzwischen fast 5000 Menschen abonniert.

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catcallsofmuc

„Mit deinen Brüsten brauchst du dich im Job auch nicht mehr anstrengen.”- ein Spruch den so oder so ähnlich wohl schon einige Frauen zu hören bekommen haben und der zu 100% sexistisch ist!😒 #stopsexism #stopstreetharassment #respecteachother #womenempowerment #girlempowerment #feminism #truestory | Bild: catcallsofmuc (via Instagram)

Eine Frage des Respekts

Was ist Belästigung? Und was ist ein Kompliment? Diese Fragen beantworten Julia Tokic und Sofija Pavlenko beim Ankreiden immer wieder. In der Regel merkt man schnell, wie etwas gemeint ist, sagt Julia Tokic:

"Ich glaube, man spürt, wenn man respektiert wird. Ich hätte nie ein Problem damit, normal auf der Straße angesprochen zu werden, und wenn ich keine Lust habe, sage ich nein und dann lässt mich die Person in Ruhe. Es geht um sexistische und rassistische Kommentare. Das ist verachtend und respektlos und man spürt das auch einfach."

Julia Tokic, @catcallsofmuc 


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