Bayern 2 - Zum Sonntag


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Zum Sonntag Der Synodale Weg: Reformprojekt oder Drama?

Der Synodale Weg ist ein ehrgeiziges katholisches Reformprojekt. Man könnte ihn aber genauso gut als ein Drama in fünf Akten bezeichnen, kommentiert Michael Schrom.

Von: Michael Schrom

Stand: 05.09.2020

Michael Schrom | Bild: privat

1. Akt: Exposition: Die Akteure und ihre Rollen  

Der Synodale Weg hat Befürworter, Gegner und viele Skeptiker. An seinem Ursprung steht der immense Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche durch das Ausmaß und die Vertuschung des sexuellen Missbrauchs in den eigenen Institutionen. Das hat Kardinal Marx erkannt und den Synodalen Weg, einen Gesprächsprozess zwischen Laien und Klerikern auf den Weg gebracht. Die meisten Bischöfe glauben, dass man so Reformvorschläge erarbeiten kann, die auch in Rom Gehör finden. Eine Minderheit, darunter Kardinal Woelki von Köln und Bischof Voderholzer von Regensburg, glaubt das nicht und hält das Vorgehen für grundfalsch. Dann gibt es die vielen Skeptiker: Etwa die Frauen, die dagegen demonstrieren, dass Weiheämter und damit die Entscheidungsmacht in der katholischen Kirche nur Männern vorbehalten ist. Und schließlich gibt es den Papst, der einerseits immer wieder von einer Synodalen Kirche spricht, sich Unruhe und Aufbruch aus verkrusteten Strukturen wünscht, andererseits aber Dokumente unterzeichnet, die das Gegenteil festschreiben.

2. Akt: Steigerung: Das Drama spitzt sich zu

In Frankfurt kommt es Anfang des Jahres zu einer ersten Vollversammlung. Wider Erwarten gelingt ein Aufbruchssignal. Doch die Freude währt nicht lang. Das mit Spannung erwartete Abschlussdokument zur Amazonas-Synode hat nicht die erhoffte Signalwirkung. Die päpstlichen Aussagen zur Rolle der Priester und zur Rolle der Frau zementieren den Status Quo. Fast zeitgleich verkündet Kardinal Marx, dass er nicht noch eine Amtsperiode Vorsitzender der Bischofskonferenz sein will.

3. Akt: Volle Entfaltung des Konflikts

Im März zwingt das Corona-Virus das kirchliche Leben in den Lockdown. Auf einmal stehen andere Fragen ganz oben: Was haben die Kirchen in der Krise zu sagen? Haben sie ihre Gotteshäuser zu schnell geschlossen? Für die Gegner des Synodalen Wegs ist das ein Beleg dafür, dass die Themen falsch gesetzt sind. Statt über Frauen, Ämter und Sexualmoral, sollte man lieber über Gott und Neuevangelisierung sprechen. Die Befürworter des Synodalen Wegs halten dagegen, dass Corona den Reformstau nur verdeutlicht habe und Mut zum Experiment gemacht habe. Das Virus verhindert die zweite Vollversammlung. Und aus Rom kommt eine Instruktion über die Rollen von Priestern und Laien, die selbst bei konservativen Bischöfen nur Kopfschütteln auslöst.

4. Akt: Peripetie

Im Drama ist der vierte Akt ein retardierendes Element, eine Verzögerung bevor es entweder zu einem tragischen Ende oder zu einem glücklichen Ausgang kommt. Dieser Moment war in den soeben zu Ende gegangenen Regionalkonferenzen deutlich spürbar. Man hörte zu und diskutierte, stimmte aber noch nicht ab. Das war auch gut so, denn die Vorlagen sind noch nicht abstimmungsreif. Das Arbeitspapier zur Sexualmoral ist zum Beispiel immer noch viel zu sehr von Bewertungen durchzogen. Es fehlt eine Theologie der Freundschaft und eine Erklärung, was das Besondere einer sakramentalen Ehe ist. Dringend ist auch eine Korrektur der in sich widersprüchlichen Passagen über Homosexualität im Weltkatechismus. Diese Forderung müssen die Synodalen nach Rom tragen und dort verteidigen!

Es ist schön und richtig, dass das Arbeitspapier zu Frauen in Ämtern und Diensten der Kirche eine verbindliche Quote in allen kirchlichen Gremien fordert. Denn nur werden die Charismen der Frauen sichtbarer und besser genutzt und es zeigt sich, dass als Volk Gottes gleichberechtigt aus Männern und Frauen besteht. Aber es ist zu wenig, wenn man dabei nur im kirchenrechtlich vorgegebenen Rahmen bleibt. Das reicht nicht, um die strukturellen Ungerechtigkeiten zu korrigieren und aus den Sackgassen herauszukommen, in die sich die katholische Kirche selbst hineinmanövriert hat. Es bleibt also noch viel zu tun. Aber noch sind wir ja erst im vierten Akt und es ist noch Zeit.


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