Bayern 2 - Zum Sonntag


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Zum Sonntag Synodaler Weg - Holzweg oder Hoffnungsweg?

Entgegen dem Vorurteil, Kirche denke ausschließlich in Jahrhunderten, landet dieser 1. Adventssonntag glatt einen Überraschungscoup: Der lange geforderte, von manchen arg gefürchtete sogenannte Synodale Weg wird eröffnet.

Von: Elfriede Schießleder

Stand: 29.11.2019 10:57 Uhr

Frauen und Männer, Bischöfe und Laienvertreter haben sich durchgerungen, gemeinsamen über die notwendige Erneuerung der Kirche zu beraten. Ein Statut ist erstellt, Funktionen und Arbeitskreise sind benannt, ja sogar ein eigenes Logo kreiert und die einzelnen Sachbereiche der Beratung festgezurrt: priesterliche Lebensform, Macht, Sexualmoral und die Rolle der Frau. Zum liturgischen Auftakt wird die Vizepräsidentin des Zentralkomitees deutscher Katholiken, des größten katholischen Laiengremiums, Karin Kortmann und Kardinal Marx, der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz am Sonntag im Münchner Liebfrauendom gemeinsam eine Kerze entzünden. Dieser kleine Akt in der Liturgie verbindet den rationalen Prozess der Beratungen mit dem gelebten Glauben.

Zur Autorin

Elfriede Schießleder ist ehemalige Landesvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes in Bayern und promovierte Theologin.

Dabei war nicht unbedingt zu erwarten, dass dieser Weg mit Laien und Klerikern, Männern und Frauen tatsächlich zustande kommt. Für eher als eher konservativ geltende Protagonisten war Heilung „allein“ aus der Neuevangelisierung möglich. Doch beten kann nicht alles heilen, dafür sprach die Mannheimer Untersuchung zum Missbrauch in der katholischen Kirche eine viel zu deutliche Sprache. Denn auch Strukturen predigen. Und Tabus noch mehr.

Bischöfe und Laien beginnen nun ihren synodalen Weg zur Erneuerung der Kirche gemeinsam, als längst überfälligen Schritt hin zu einer zukunftsfähigen und glaubwürdigeren Kirche. Deren innerste Sendung ist es, Zeugnis für die Liebe Gottes abzulegen.

Wunderbare Zitate gibt es, um die kirchliche Sendung zu beschreiben – man hat sie über all den Skandalen der letzten Jahre fast nicht mehr auszusprechen gewagt. Die Verfehlungen von Bischöfen und Klerikern haben das ganze Volk der Getauften verletzt.

Nun wird dieses Volk wenigstens zur anstehenden Neuausrichtung gehört. Natürlich wird entscheidend sein, worauf man sich am Ende einigen kann, und was die Bischöfe tatsächlich unterschreiben -  resp.  umsetzen. Daran offenbart sich auch, in welchem Maße sie sich die Aufforderung von Papst Franziskus wirklich zu eigen zu machen, für lokale Probleme zuerst einmal lokale Lösungen zu suchen.

Das Land der Reformation, meinte der Papst, könne wohl auch in vorbildlicher Weise Wege zur Überwindung dieser Spaltung entwickeln. Ein erster Versuch dazu endete letztes Jahr im internen Streit um Kirchenrecht und Gewissensfreiheit. Was wird nun der neue Anlauf bringen?

Was es braucht, sind Veränderungen, die dem Missbrauch, sei es von Macht oder in Form sexueller Gewalt, strukturell vorbeugen. Gerade hierzu prangert Franziskus seit Jahren den Klerikalismus als schwärende Wunde der Kirche an. Werden die Männer und Frauen des synodalen Wegs Formen finden, dieser Wurzel allen Übels entgegen zu treten: der Vereinsamung zölibatär lebender Männer in aller Machtfülle bei gleichzeitig systemischem Ausschluss der Frauen von jeder Weihebefugnis?

Kirche soll ein Segen sein. Wo sorgende Liebe ein Paarverhältnis bestimmt, sollte auch Platz für den Segen Gottes sein. Egal in welcher Lebensphase und Ausprägung die Liebenden einander annehmen. Hier hat sich die Laienvertretung des ZdK gerade mit großer Lebensnähe und Klarheit für Veränderung ausgesprochen, nämlich für eine gottesdienstliche Segnung auch gleichgeschlechtlicher Paare

Noch nie gab es so viel Ehrenamt in Pfarreien und Verbänden, noch nie so reflektierten Glauben im deutschen Gottesvolk. Mit diesem Pfund kann die deutsche Kirche wuchern. Wenn denn die führenden Bischöfe den Mut dazu finden. Alles wäre zu gewinnen… oder zu verlieren.


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