Bayern 2 - Zum Sonntag


1

Kommentar Elias am Valentinstag

Von: Beatrice von Weizsäcker

Stand: 15.02.2020

Beatrice von Weizsäcker | Bild: privat

Und? Haben Sie gestern Blumen verschenkt? Oder Schokolade? Schmuck? Uhren? Haben Sie ihre Liebste wenigstens zum Candle-Light-Dinner ausgeführt? Sie wissen ja: Liebe geht durch den Magen. Nein? Haben Sie nicht?

Es war doch Valentinstag! Der Tag der Verliebten. Das weiß doch jedes Kind.

Was man da alles machen kann: rote Rosen in Glas gießen lassen - mit Gravur, versteht sich. Kissen für die schönsten Kuschelstunden bedrucken, Schlüsselanhänger verschenken (mit der Augenzwinker-Botschaft, das ist der Schlüssel zu meinem Herzen), Pralinenschachteln mit Namen versehen, Liebesschlösser an Brückengeländern anbringen … was auch immer.

Dabei wissen die wenigsten, warum es den Valentinstag gibt. Und wer weiß, was wäre, wenn sie es wüssten! Die Wurzel ist nämlich katholisch.

Der Heilige Valentin wurde am 14. Februar enthauptet

Am Valentinstag gedenkt die Kirche des heiligen Valentinus, des Patrons der Liebenden. Der Legende nach soll der Priester im dritten Jahrhundert trotz des kaiserlichen Verbots Paare christlich getraut haben. Darum wurde er an einem 14. Februar enthauptet. Heißt es.

Die Kirchen haben den Valentinstag für sich entdeckt

Kein Wunder, dass längst auch die Kirchen den Valentinstag für sich entdeckt haben, selbst die evangelische. Das ganze Wochenende kann man feiern. Die einen laden ein zu "Herzhaftem und Herztorte", die anderen zu einem "Moonlight-Prayer", dritte bieten Sekt an, dazu einen Theaterabend mit der Gruppe "Zweifellos". Anderswo werden Geschichten über die "Liebe und andere Ungereimtheiten" geboten. Vielerorts können sich Paare segnen lassen. Nach dem Motto: "Die Liebe - eine Flamme Gottes" oder "Wort halten. Zueinander halten. Durchhalten. Hand halten". Da ist für jeden was dabei.

Ich weiß nicht, wie ich den Valentinstag finde. Ich kann mich noch gut an mein Austauschjahr in den USA erinnern, lang ist's her. Da war der Valentinstag der wichtigste im ganzen Schuljahr, wichtiger als jedes Sportereignis, und das will etwas heißen. Das Schlimmste war, keine Karte zu bekommen. Ich bekam unglaublich viele Karten, die Gastfreundschaft der Amerikaner war überwältigend. Aber für die, die leer ausgingen, war es ein furchtbarer Tag. Heute denke ich manchmal daran zurück.

Ich denke an die, die allein sind

Und denke an die, die allein sind. Die niemanden haben. Die niemanden mehr haben. Nach einer Trennung, wegen einer Krankheit oder durch einen Schicksalsschlag. Die allein übriggeblieben sind.

Und dann kommt mir eine Arie in den Sinn, die Elias im Mendelssohn-Oratorium singt - leider muss man sich die Musik jetzt vorstellen:

"Es ist genug!
So nimm nun, Herr, meine Seele!
Ich bin nicht besser denn meine Väter.
Ich begehre nicht mehr zu leben,
denn meine Tage sind vergeblich gewesen.
(…)
Es ist genug!
So nimm nun, Herr, meine Seele!
Ich bin nicht besser denn meine Väter.
Nimm nun, o Herr, meine Seele!"

Diese Verzweiflung! Allein übriggeblieben. Diese totale Einsamkeit! Dreimal fleht er Gott an, ihm seine Seele zu nehmen. Das, was ihn ausmacht. Als Elias. Dreimal!

Die Szene stammt aus der Bibel, dem 1. Buch Könige, in der Gott Elias wieder und wieder auffordert, aufzustehen und zu essen und weiterzugehen und nicht aufzugeben.

Und dann kommt Hilfe. Bekommt Elias Anweisung, was er tun soll. Sie kommt von oben, buchstäblich. Es sind drei Engel, die sie singen, sie singen a cappella, was ihre Botschaft nur noch klarer macht:

"Hebe deine Augen auf zu den Bergen,
von welchen dir Hilfe kommt.
Deine Hilfe kommt vom Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht."

Gottes Gnade weicht nicht von den Einsamen

Was für eine Zusage: Der dich behütet, schläft nicht. Da erkennt Elias Gott, und er singt, befreit, beglückt: "Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen,
aber deine Gnade wird nicht von mir weichen." Ja, Gottes Gnade ist nicht von Elias gewichen. Sie weicht von niemandem. Auch nicht von jenen, die allein sind in diesen Tagen.

Die niemanden haben. Die niemanden mehr haben. Die allein übriggeblieben sind. Egal, ob Valentinstag ist oder nicht. Manchmal hilft Musik. Manchmal sagt Musik alles.


1