Bayern 2 - Zum Sonntag


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Fall Asia Bibi Christenverfolgung - wie stehe ich dazu?

Glaube, Gebet, Engagement - alles gut und schön. Doch was, wenn einen der Glaube einmal wirklich in Bedrängnis bringt? Der Fall der pakistanischen Christin Asia Bibi macht nachdenklich, findet Hans-Joachim Vieweger.

Stand: 12.11.2018

Zum-Sonntag-Autor Hans Joachim Vieweger | Bild: BR/ Hans Joachim Vieweger

Für den vergangenen Sonntag hatte die Evangelische Allianz zum Gebetstag für verfolgte Christen aufgerufen. Wie aktuell dieses Thema ist, hat in den vergangenen Tagen der Fall der pakistanischen Christin Asia Bibi gezeigt. Neun Jahre lang saß sie im Gefängnis, weil sie den Propheten Mohammed beleidigt haben soll – was sie selbst immer bestritt. Doch in Pakistan herrscht auf Druck radikaler Muslime ein rigides Blasphemiegesetz, das die Todesstrafe für Menschen vorsieht, die Mohammed in irgendeiner Weise diffamieren – ein Gesetz, das der Willkür Tür und Tor öffnet. 2010 wurde Asia Bibi aufgrund dieses Gesetzes tatsächlich zum Tode verurteilt, es folgte ein jahrelanger Kampf um das Leben und die Freiheit. Vor zehn Tagen dann die positive Nachricht: Der Oberste Gerichtshof in Pakistan hob die Verurteilung auf. Daraufhin kam es freilich zu wütenden Protesten von Islamisten, die nun auch die Richter mit dem Tode bedrohen. Trotz großer Unsicherheit kam Asia Bibi dann am Mittwochabend frei. Wie es allerdings weitergeht, wo sie leben kann, ob in Frieden oder unter ständiger Bedrohung, ist noch offen.

Ein Todesurteil und ein jahrelanger Kampf um Leben und Freiheit

Bei der Beschäftigung mit dem Thema, auch im persönlichen Gebet, habe ich mich gefragt, wie ich mit einer Situation der Verfolgung umgehen würde. Könnte ich so sprechen wie Asia Bibi, die nach ihrer Verurteilung gegenüber einer französischen Journalistin sagte: "Ich weiß noch nicht, wann sie mich hängen werden. Aber es kümmert mich nicht. Ich werde all dem furchtlos und mit erhobenem Haupt entgegen schreiten, weil Gott und die heilige Mutter Maria bei mir sein werden."

Ich denke auch an den ehemaligen pakistanischen Politiker Shahbaz Bhatti, wie Asia Bibi ein Katholik, der sich als Minister für Minderheiten für religiöse Toleranz einsetzte und daher in ständiger Angst vor einem Attentat lebte. Tatsächlich wurde er 2011 von muslimischen Fanatikern ermordet. Kurz zuvor hatte er in einem Interview noch bekannt: "Ich glaube an Jesus Christus, der sein Leben für uns gegeben hat. Ich weiß, was das Kreuz bedeutet. Und ich folge dem Kreuz nach."

Hier wird deutlich, dass Menschen im Glauben an Jesus einen Schatz gefunden haben, der größer und wichtiger ist als alles andere. Ich frage mich, wo der Glaube bei mir zum schmückenden Beiwerk geworden ist: ganz nett, hilfreich, tröstend – aber was wäre, wenn es hart auf hart käme?

Die Barmer Theologische Erklärung als Vorbild

Dabei muss man vielleicht gar nicht an das Schlimmste denken. Doch wäre ich bereit, um des Glaubens willen Nachteile zu erleiden? Vor wenigen Tagen wurde eine Erklärung von chinesischen Pastoren, zumeist Leitern von unabhängigen Hauskirchen, veröffentlicht, mit der diese auf neue restriktive Vorschriften des Staates reagieren. Sie erkennen einerseits die – Zitat – "von Gott eingesetzten Autoritäten an und respektiven die exekutive Macht der Regierung in der Verwaltung von gesellschaftlichen und individuellen Belangen". Zugleich erklären sie, dass sie nicht bereit sind, eine Politik zu akzeptieren, die sich in Angelegenheiten des Glaubens und der Spiritualität einmischt. Sie wollen öffentlich für die Trennung von Staat und Kirche eintreten und an Christus als alleinigem Oberhaupt der Kirche festhalten. In einem Text, der zwar nicht der Form, aber dem Inhalt nach an die berühmte Barmer Erklärung erinnert, mit der bekennende Christen dem Nationalsozialismus Paroli boten, schließen die chinesischen Gemeindeleiter mit deutlichen Worten: "Wir sind bereit, für das Evangelium alles zu verlieren und jeden Preis zu zahlen, bis hin zum Verlust von Freiheit und Leben."

Auch hier wird mir deutlich: So wichtig der Einsatz für die Religionsfreiheit ist, unser Gebet für verfolgte Christen – ich möchte mich vom mutigen Glauben der bedrängten und verfolgten Glaubensgeschwister neu befragen lassen, wie es um meinen Glauben steht. Und ich hoffe und bete, dass es nicht nur ein Schönwetter-Glaube ist, sondern dass ich am Evangelium auch dann festhalte, wenn es mich etwas kostet.


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