Bayern 2 - Zum Sonntag


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Zum Sonntag Gott: Glücksbringer der Einen – Fluch der Anderen?

Um die weltbeste Mannschaft zu werden braucht es nicht nur Teamgeist und Können sondern auch ein wenig Glück. Gott ist dabei jedoch nicht der Glücksbringer der Einen – und damit der Fluch der Anderen. Er kommt ins Spiel wenn es darum geht, was uns trägt und worauf wir uns in unserem Leben ausrichten.

Von: Andreas Müller-Cyran

Stand: 15.06.2018

Diakon Andreas Müller-Cyran | Bild: privat

Die Fußball-Weltmeisterschaft hat angefangen, morgen spielt dann endlich auch die deutsche Mannschaft zum ersten Mal! Hoffen wir, dass sie den Weltmeisterschaftstitel erfolgreich verteidigt. Viele, die vielleicht sonst nicht eingefleischte Fußballfans sind, lassen sich vom kollektiven Hoffen und Bangen mitnehmen – und sogar begeistern. Da kommen spannende Tage und Wochen auf uns zu!

Mit Teamgeist und Glück

Wer am Ende Weltmeister wird, ist offen. Die Mannschaft, die den Titel holt, ist per definitionem die welt-beste Mannschaft. Ein Superlativ, für den es sich lohnt zu kämpfen und das Letzte zu geben. Die beste Mannschaft ist die, die die besten Spieler hat, vereint in einem Teamgeist, der es möglich macht, dass der einzelne Spieler in seiner Mannschaft über sich hinauswächst.

Doch um zu gewinnen braucht es immer auch mehr oder weniger viel Glück. Da gibt es also etwas Unberechenbares, das nicht verfügbar ist, das trotz maximaler Anstrengung nicht zu zwingen ist.

Mit Glaube über die eigenen Grenzen hinauswachsen

Da kommt der Glaube in den Blick: ein Stoßgebet in den Himmel geschickt könnte vielleicht einem Spieler die letzte Kraft und Geschicklichkeit aktivieren, die er braucht, um den Ball ins Tor zu bringen. Jeder Mentaltrainer wird bestätigen, dass das funktionieren könnte. Um diese vielleicht entscheidende, schier übermenschliche Kraftquelle zu aktivieren, braucht es aber keinen Glauben!

Jeder intensive Gedanke an etwas Zentrales im Leben, ist in der Lage, den Menschen kurzfristig über die Grenze seiner üblichen Leistungsfähigkeit hinaus zu bringen. Dieser zentrale Gedanke kann, muss aber nicht der Glaube sein.

Gott setzt nicht die Naturgesetze außer Kraft

Über eine lange Zeit dominierte ein Bild von Gott, in dem Gott aus seiner göttlichen Welt heraus konkret in unsere Welt hinein eingreift. Um beim Fußball zu bleiben: der Spieler kickt den Ball– und der Ball droht in hohem Bogen über das Tor weg zu fliegen. Da müsste man jetzt also einen Gott denken, der in die Gesetze der Physik eingreift und dafür sorgt, dass die von ihm selbst geschaffenen Naturgesetze für ein paar Augenblicke außer Kraft gesetzt werden. Die Bahn des Balles wird übernatürlich umgelenkt und er fliegt doch noch am Torwart vorbei ins Tor.

Spätestens seit der Aufklärung fällt uns schwer bis unmöglich, an einen solchen Gott ernsthaft zu glauben. Genauso wenig, wie Gott selbst die Flugbahn des Balles verändert, genauso wenig setzt Gott die Naturgesetze außer Kraft um zum Beispiel dafür zu sorgen, dass ich in meinem Auto nicht aus der Kurve getragen werde oder der Tumor in mir nicht weiter wächst und streut.

Hoffen wir also vielmehr auf das Glück, dass eine kleine Windböe kommen mag, die dafür sorgt, dass der Ball im Rahmen der Naturgesetzlichkeit im letzten Moment seinen Kurs doch noch ändert – und ersehnter oder gefürchteter Maßen in dem einen oder anderen Tor landet. Für die Windböe im rechten Moment braucht‘s keinen Gott.

Hoffnung auf das ‚Wunder‘ der WM

Gott kommt ins Spiel wenn’s um die Frage geht, was uns im Letzten trägt und worauf wir uns in unserem Leben ausrichten. Gott ist nicht der Glücksbringer der Einen – und damit der Fluch der Anderen.

Ein Glaube an Gott gibt uns die Freiheit und die Freude, nicht nur mit unserer Mannschaft zu hoffen und zu bangen, sondern vielleicht mit der Mannschaft eines Landes, die vorher niemand auf dem Zeiger hatte, und die vielleicht das ‚Wunder‘ der WM 2018 wird. Gott sei Dank gibt es den Fußball, der uns starke Gefühle schenkt, der uns Gemeinschaft erleben läßt, und der bei allem Ernst doch immer ein Spiel bleibt.


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