Bayern 2 - Zum Sonntag


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Zum Sonntag Das Kreuz - Symbol für Erlösung, nicht Exklusion

Wer das Kreuz als Symbol für politisches Branding benutzt, entwertet die eigentliche, die religiöse Botschaft des Kreuzes.

Von: Wilhelm Warning

Stand: 18.05.2018

Wilhelm Warning | Bild: privat

Von "Branding" spricht man heute, wenn eine Marke zu einem starken Symbol eines Unternehmens entwickelt werden soll. Damit will man die eigenen Dienstleistungen und Produkte in unverwechselbarer Weise kennzeichnen, indem die Marke mit bestimmten Botschaften und Emotionen verbunden wird.

Vom Lodenmantel zum Kreuz

In den 1980er Jahren waren das bei den Christsozialen das Bilderbuchbayern samt dunklem Lodenmantel mit dazugehörigem Hut, mit oder ohne Gamsbart. Bald 40 Jahre später, im EU-Zeitalter, in dem das Bilderbuchbayern samt Bauern am Verschwinden ist, muss im weiß-blauen Freistaat jetzt das Kreuz herhalten – staatlich angeordnet, weil die Wähler mit der CSU Regierung die Werte eines nicht näher definierten „christlich-jüdischen Abendlandes“ verbinden sollen.

Kritik der Kirchen perlt ab

Die nahezu einhellige Kritik der Kirchen an dieser Aktion, zuletzt auch auf dem Katholikentag, scheint am Söderbayerischen Kabinett abgeperlt zu sein. Das könnte als Verweis darauf gesehen werden, wie wenig inzwischen die Politik auf die Meinung von Kirchen gibt, beziehungsweise wie beschränkt Macht und Einfluss gerade der Institutionen ist, auf deren Tradition Politiker wie Söder glauben, sich berufen zu können.

Kreuz steht für Erlösung, nicht Exklusion

Wer das Kreuz als Symbol für politisches Branding benutzt, entwertet die eigentliche, die religiöse Botschaft des Kreuzes. Er stellt sich damit an die Seite derer, die meinen, sie könnten christliche Werte als Bollwerk – bezeichnender Weise ein militärischer Ausdruck – verwenden, vor allem gegen den Islam aber auch andere Religionen, und generell gegen Migranten. Selbst wenn man davon absieht, dass das Christentum im Nahen Osten geboren und im vorderen Orient, in Kleinasien, Nordafrika und Südeuropa wesentlich entwickelt und ausgeformt wurde, dann steht allein das Kreuz im Kern für die Erlösungstat Jesu Christi, sprich: die Heilsgeschichte. Und die ist weder auf eine bestimmte Region, einen Erdteil, ein Volk oder eine Nation beschränkt.

Gottes Geist wirkt für alle

Das Pfingstwunder zeigt das eindrücklich: Menschen „aus allen Völkern unter der Erde“, wie es in der Apostelgeschichte heißt, verstehen die vom Heiligen Geist erfüllten Predigten der Apostel, jeder in seiner Sprache. Nicht Politik wird hier gepredigt, sondern Gottes Liebe, Heil und Frieden. Nicht Zwietracht, sondern Eintracht. Nicht Abgrenzung, sondern Öffnung. Das Heil steht allen Menschen offen. Wie Jesus am Kreuz auch nicht nur für bestimmte Menschen stirbt und aufersteht und von Gott aufgenommen wird. Vielmehr wirkt Gottes Geist für und an allen. Deshalb ist im Glaubensbekenntnis von Nicäa, das vor rund 1700 Jahren verfasst wurde, auch, und im Anschluss zum Bekenntnis zum Heiligen Geist, ausdrücklich die Rede von der einen, heiligen, allgemeinen und apostolischen Kirche, an die alle Christen glauben, überall in der Welt, egal welcher Kultur, Nation oder Konfession.
Ein universales Verständnis des christlichen Glaubens und eines, dass sich im und mit dem Geist Gottes zu einem ebenso universalen Frieden in diesem Geist bekennt.

"Lebt miteinander in Liebe"

Der geistliche Lehrer Starez Siluan, der von der orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt wird – er starb 1938 – schrieb: "Aus Liebe hat uns Gott geschaffen und uns geboten, miteinander in Liebe zu leben. Macht und Habgier der Hochmütigen aber stürzen die ganze Welt ins Leid. Bewahre darum den Frieden des Heiligen Geistes." Das ist die eigentliche Pfingstbotschaft. Um sie zu leben, braucht man keine Kreuze in Amtsstuben.     


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