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Gesichter der Spaltung in den USA Die erste trans Frau und eine QAnon-Anhängerin wurden gewählt

Die USA sind zerrissen. Trump, Biden. Konservativ, Liberal. Das zeigen nicht nur die Wahlergebnisse. In der Wahlnacht wurden zwei Frauen gewählt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Anhand der beiden Politikerinnen kann man gut sehen, wie weit die USA auseinanderklafft. Zwei Porträts.

Von: Hanna Resch

Stand: 04.11.2020

Sarah McBride und Marjorie Greene | Bild: picture alliance/Everett Collection/AP Images

Nach der großen Wahlnacht in den USA ist klar: Das Land ist so zerrissen wie nie zu vor. Und besonders zwei neue Gesichter, die jetzt neu in den Senat bzw. in ein Repräsentantenhaus eingezogen sind, zeigen, wie tief der Graben zwischen den politischen Lagern in Amerika wirklich ist.

Gesicht Nr. 1: Marjorie Greene

Marjorie Greene auf einer Wahlkampfveranstatung.

"Ich bin Marjorie Greene und ich stehe zu dieser Message: Amerika retten, den Sozialismus stoppen und China stoppen." Marjorie Greene ist gerade zur Kongressabgeordneten für einen Bezirk in Georgia gewählt worden. Die 46-Jährige ist Polit-Neuling. In einem ihrer ersten Wahlkampfvideos posierte sie mit einem Sturmgewehr und warnte vor den „Antifa-Terroristen“: "Wenn du unsere Veteranen und Gesetzeshüter respektierst, nennen dich die Fake News einen Rassisten. Wenn du für Präsident Trump einstehst, werden sie dich einen Faschisten oder Nazi nennen. Wenn du dieses Land liebst und radikale Hassamerikaner wie Georg Soros davon abhalten willst, Amerika zu zerstören, werden sie dich einen Antisemiten nennen. Akzeptiert das nicht. Entschuldigt euch nicht und weicht nicht zurück."

Im Wahlkampf hat Greene behauptet, Schwarze und Latino-Männer seien durch „Gangs und Drogenhandel“ in ihrer Entwicklung zurückgeworfen. Außerdem gäbe es eine islamische Invasion. Rassistische Aussagen wie diese gibt es bei den Republikanern schon länger. Was neu ist: Greene ist auch Anhängerin der Verschwörungsgruppe QAnon. QAnon-Anhänger*innen glauben unter anderem, dass Politiker der Demokraten das Blut von neugeborenen Kindern trinken, um dadurch ewig jung zu bleiben. QAnon ist vom F.B.I. als potentielle Terrorismusbedrohung eingestuft worden. Jetzt ist die erste Anhängerin der Bewegung in den Kongress eingezogen und verlautet: " Donald Trump braucht mich im Kongress hinter sich, lasst uns Amerika retten und den Sozialismus stoppen".

Gesicht Nr. 2: Sarah McBride

Sarah McBride auf ihrer Wahlparty.

"Mein Name ist Sarah McBride und ich bin eine stolze Transgender-Amerikanerin." Sarah McBride ist die erste transgender Senatorin der USA. Die junge Frau ist erst 30 Jahre alt. Damit ist sie nicht nur ein Vorbild für Personen aus der LGBTIQ* Szene, sondern generell für viele junge Menschen. "Vor vier Jahren hatte ich mein Coming Out, während ich Studierendenratspräsidentin war", erzählt sie in einer Rede. "Zu der Zeit hatte ich Angst. Ich machte mir Sorgen, dass meine Träume und meine Identität sich gegenseitig ausschließen würden. Aber seitdem habe ich gesehen, dass Veränderung möglich ist. Ich habe Geschichte miterlebt durch mein Praktikum im Weißen Haus und, als durch meine Hilfe Schutzmaßnahmen für trans Personen in meinem Heimatstaat Delaware geschaffen wurden."

Es gibt viel zu tun. Und bei weitem nicht nur für mehr LGBTIQ* Anerkennung und Rechte. Die Demokratin kämpft für bezahlbare Krankenversicherung, für bildungs- und sozialpolitische Themen. Im jetzigen Wahlkampf wurde McBride von Biden und seiner Familie sowie von viele weitere Demokratinnen unterstützt. Vor ihrer Wahl hat sie für eine Menschenrechtsorganisation gearbeitet, die sich für LGBTIQ* Themen einsetzt. "Trotz unseres Fortschritts, bleibt noch so viel Arbeit", begründete sie das. "Werden wir eine Nation sein in der es nur ein Art zu lieben gibt? Eine Art auszusehen und eine Art zu leben? Oder sind wir eine Nation in der alle die Freiheit haben, offen und gleichberechtigt zu leben, eine Nation die in der Gemeinschaft stärker ist?" Die Stimmen von LGBTIQ*-Personen soll zählen. Das wünscht sich Sarah McBride. Mit ihrer Wahl zur ersten Transgender Senatorin Amerikas ist sie diesem Wunsch einen großen Schritt näher gekommen.


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