Bayern 2 - Zündfunk


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In eigener Sache Stellungnahme zur Causa Marie Sophie Hingst

Bloggerin Marie Sophie Hingst hat laut Recherchen des Spiegels große Teile ihrer preisgekrönten Geschichten erfunden. Nach derzeitiger Faktenlage hat sie wohl auch die Redaktion des Zündfunks getäuscht.

Von: Jan Heiermann

Stand: 04.06.2019

Fakt oder Fake | Bild: picture-alliance/dpa

Zur Zeit wird ein weiterer journalistischer Fälschungsverdacht in den Medien aufgearbeitet. Es handelt sich um die Geschichte der Bloggerin, Historikerin und Journalistin Marie Sophie Hingst, die in der „Zeit“ und in anderen Medien eine von ihr initiierte und organisierte Sexual-Aufklärungskampagne für Geflüchtete vorstellte.

Nach derzeitiger Lage der Fakten wurde wohl auch die Redaktion des Zündfunks von ihr getäuscht.

Die Geschichte, mit der sie 2017 in den Medien für Aufsehen sorgte, klang äußerst interessant und ungewöhnlich. Am 16. Mai 2017 sendeten wir einen Beitrag über Aufklärungskurse für Flüchtlinge, in dem Hingst unter ihrem Pseudonym Sophie Roznblatt ein Interview gab. Sie brachte zum Interviewtermin vermeintliche Belege mit, u.a. Zeichnungen und ausgedruckte Mails. Ihr Auftreten in der Interviewsituation war äußerst natürlich und authentisch.

Bei der Recherche zu Themen und vor Interviews ergeben sich immer Hinweise, die die Glaubwürdigkeit einer Geschichte stützen oder diskreditieren. Im Zuge unserer damaligen Recherche zu Person und Inhalt gab es keinerlei Anhaltspunkte für etwaige Zweifel. Da Hingst bereits in anderen Leitmedien wie der Zeit veröffentlicht hatte, waren wir aber möglicherweise nicht so sensibilisiert, wie wir es hätten sein müssen. Anders als offenbar die Zeit wurden wir nach unserer Veröffentlichung leider auch nicht über mögliche Falschbehauptungen informiert. Die Onlinefassung des Beitrags ist aufgrund der rechtlichen Verweildauerregelungen im Mai 2018 depubliziert worden.

Im Moment versuchen wir Frau Hingst zu erreichen, um von ihr eine Stellungnahme zu erhalten. Dieser Vorfall wird sicherlich auf unsere zukünftige Arbeit Auswirkungen haben. Wir werden prüfen, wie wir falsche Geschichten und betrügerische Interviewpartner in unseren Recherchen noch besser erkennen und vermeiden können.

Jan Heiermann

Redaktionsleiter Bayern 2/Zündfunk


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