Bayern 2 - Zündfunk


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Generator-Podcast Schütze deine DNA – bevor andere Geld damit verdienen

Für alles Mögliche gibt es inzwischen Gentests. Welche Hautcreme harmoniert am besten mit meinen Genen? Welche Musik? Und welche Diät? - Doch was bringen diese kommerziellen "Gentests to go"?

Von: Birgit Frank

Stand: 22.03.2019

Bei Youtube gibt es reihenweise Videos, in denen Menschen die Ergebnisse ihrer Gentests-Tests besprechen. Unboxing Abstammung also: Denn sie alle haben ihre Spucke zu einer Firma geschickt, die dann analysiert hat, woher sie angeblich stammen. Oft wurden die Influencer von den Gentest-Firmen wie "23andme" oder "MyHeritage" gesponsort. Martin Moder aus Wien dagegen hat seinen Gentest selbst bezahlt. Dem Zündfunk erzählt er: "Bei mir kam heraus, dass mein Anteil an Neandertaler Genen leicht über dem des europäischen Durchnitts liegt." Was das bedeutet, das weiß Martin Moder auch nicht. Obwohl er als Genetiker mehr über Gene weiß als die meisten. Es macht einen Risenspaß sich das alles anzuschauen. Es is super interessant, weil es doch Dinge betrifft, die ganz tief in einem drinstecken, nämlich unser Genom."

Viele verschiedene Tests - viele unterschiedliche Ergebnisse

Unsere Vorfahren: Die Büste eines Neandertalers im Museum für Naturkunde in Berlin.

Allerdings ist das mit der Abstammung so eine Sache:  Wenn nämlich herauskommt, dass jemand zu 38 Prozent aus Nordeuropa stammt - dann ist das nicht viel mehr als eine Wahrscheinlichkeitsrechnung: Bestimmte Stellen der DNA werden einfach verglichen - mit Profilen von Menschen aus verschiedenen Regionen der Welt. Inwieweit das überhaupt zuverlässige Ergebnisse liefert – da zweifelt auch die Molekularbiologin Isabelle Bartram: "Man findet auch total viele Erfahrungsberichte von Leuten, die ihre DNA zu verschiedenen Anbietern geschickt haben und die teilweise sehr sehr unterschiedliche Ergebnisse bekommen haben."

Isabelle Bartram arbeitet für das "Gen-Ethische Netzwerk" in Berlin. Dieses Netzwerk will ein kritisches Gegengewicht sein – zu dem Bild, das die Wissenschaft, die Industrie oder die Politik von der Gentechnologie entwerfen. Denn die Abstammungstests sind nur eines von vielen Angeboten - kommerzielle Gentests werden, so Bartram weiter, immer beliebter: "Problematisch wird es dann natürlich wenn Leute daran glauben und dann schon anhand ihrer Genetik kategorisiert werden. Ich denke, die Aussagekraft ist begrenzt. Das Problem mit so riesigen Datenmengen ist ja auch, dass die Chance, dass da rein statistisch zufällige Korrelationen entstehen einfach sehr groß ist."

Abstammungstests eher rausgeschmissenes Geld als sinnvoll

Die Molekularbiologin würde nie einen der Abstammungstests aus dem Netz machen –allein aus Datenschutzgründen nicht. Und schon gar nicht würde sie einen Gentest machen, um die angeblich perfekte Diät für sich zu finden – oder die perfekte Creme. Quasi "Das Anti-Aging der neuen Generation: individuell auf Ihre Gene abgestimmte Kosmetik!". Die kommerziellen Abstammungstests findet Bartram nicht sinnvoll, eher rausgeschmissenes Geld. Warum also lassen so viele Leute ihre DNA untersuchen – wo doch viele Firmen nicht mal seriöse Ergebnisse liefern? Genetiker Martin Moder hat dazu eine Idee: "Wir leben in einer Kultur des maximalen Individualismus. Aber wenn man alle Freiheiten hat, weil einem niemand sagt, was zu tun ist, das kann doch sehr belastend für einen sein. Gentests sagen uns: Hier hast du ein paar Vorschriften, die du bitte befolgst und dadurch fühlen wir uns an der Hand genommen und beruhigt."

Meine ganz persönliche Vorschriften also, angeblich herausgelesen aus meinen Genen. Das klingt wahrscheinlich einfach besser als der wirklich effektive Weg, die beste Creme für sich zu finden – nämlich: einfach ins Gesicht schmieren – und schauen, wie es wirkt.


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