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Generator Podcast Warum Judith Butlers Buch "Gender Trouble" auch nach 30 Jahren noch für Wirbel sorgt

Mit ihrem Buch "Gender Trouble" hat Judith Butler 1990 eine bis heute andauernde Debatte angestoßen: Der seit Menschengedenken gültige Zusammenhang von „sieht aus wie eine Frau“, „ist also eine Frau“, „liebt deshalb Männer“, das ist nicht in Stein gemeißelt. Dem, was von unserer Kultur – die über Jahrtausende von Männern dominiert worden ist – bestimmt wurde, dem kann widersprochen werden.

Von: Barbara Streidl

Stand: 03.07.2020

Hier vorab zwei Fragen, die wir Judith Butler zu ihrem Buch gestellt haben:

Sie sind heute Professorin für Komparatistik an der University of Califonia, in Berkeley nahe San Francisco. War Ihnen vor 30 Jahren schon klar, dass Sie die Welt auf den Kopf stellen würden, als sie schrieben, dass „Frau sein“ vor allem die Idee einer heterosexuell geprägten Männerwelt ist?

Judith Butler: Ich bin nicht sicher, dass das Buch so verstanden werden sollte. Gender wird nicht von einer heterosexuellen Welt erschaffen. Und wenn wir davon ausgehen, dass Gender eine Konstruktion ist, bedeutet das nicht, dass es nicht wirklich ist. Es ist eine komplizierte soziale Wirklichkeit, die enorme Konsequenzen hat für die Art und Weise, wie wir alle leben.

In den vergangenen 30 Jahren hat die Idee, frei über Geschlechtsidentität entscheiden zu können, immer wieder Gegenwind erfahren. Wie gehen Sie damit um?

Ich glaube, in „Gender Trouble“ steckten viele Ideen, deshalb weiß ich nicht, was mit „die eine Idee aus Gender Trouble“ gemeint ist. Wenn jemand diese gesamte Arbeit abweist, ist das sicherlich das Recht dieser Person. Ich schätze, dass ich keinen produktiven Austausch haben kann mit einer Person, die überhaupt keinen Wert in meiner Arbeit sieht. Ich habe viel Kritik erfahren, und auch meine Forschung. Aber dass das Buch verbrannt oder zensiert oder tabuisiert werden sollte, das erscheint mir zu extrem. Ich würde kein sehr produktives Gespräch führen mit einer solchen Kritikerin, einem solchen Kritiker, obwohl ich das mit vielen anderen hatte.

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