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#failoftheweek Xavier Naidoo ist der Hans-Georg Maaßen des deutschen Popbetriebs

Dreimal schon war Alu-Barde Xavier Naidoo Thema im #failoftheweek. Diese Woche sorgte ein neues Video für Empörung und RTL tat, was RTL schon lange hätte tun müssen: Der Sender warf Naidoo raus. Ein Kommentar von Christian Schiffer.

Von: Christian Schiffer

Stand: 13.03.2020

Xavier Naidoo | Bild: picture-alliance/dpa

„Was wenn jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt, dann muss ich harte Worte wählen.“ Da säuselt er wieder: Xavier Naidoo, Großmeister des wehmutsgetränkten Ergriffenheitspop. Der Sith-Lord des christlich eingezuckerten Eiapopeia-R’n‘Bs. Der Godfather of extra-dünnem Dünnbrett-Soul. Dieser Xavier Naidoo hat diese Woche wieder einmal mit einem Video für Empörung gesorgt, in dem er den Inhalt einer typischen Ausgabe des Compact-Magazins gewohnt kehlig ins Mikro haucht.

Die Empörung war groß. So groß sogar, dass RTL das tat, was RTL schon vor Jahren hätte tun müssen. Der Alu-Barde wurde aus der DSDS-Jury geschmissen. In den letzten Jahren hatte der Sender ohnehin schon mehr Augen zugedrückt als ein Igel Stacheln hat. Denn vor der Sache in dieser Woche, da war ja noch diese Sache mit den Reichsbürgern, als Naidoo das ARD Mittagsmagazin in eine Art weirden Sozialkundeunterricht verwandeln wollte: „Wir sind nicht frei, wir sind immer noch ein besetztes Land.“ Dann gab es da noch die andere Sache mit den Reichsbürgern, als er auf einer ihrer Kundgebungen Verschwörungen zum 11. September verbreitete. Obwohl er doch eigentlich aus einem ganz anderen Grund gekommen war: „Ich bin eigentlich nur hier, um die Liebe zu repräsentieren.“

Und dann war da natürlich noch die Sache mit dem Antisemitismus, etwa in seinem Song „Raus aus dem Reichstag“: „Baron Tothschild gibt den Ton an.“ Oder in seinem Song „Marionetten“, wo Politiker und die ganze parlamentarische Demokratie nur an den Fäden finsterer Puppenspieler hängen: „Wie lange wollt Ihr noch Marionetten sein, seht Ihr nicht, Ihr seid nur Steigbügelhalter.“

Antisemitismus, Homophobie, Verschwörungstheoretiker

Dazwischen waren da noch so einige paar andere Sachen, etwa Homophobie und christlicher Fundamentalismus. Und immer wieder waren da auch die Leute, die Xavier Naidoo alles verzeihen. Friedensbewegte Querfrontler sowieso, aber auch viele Prominente. „Menschen für Xavier Naidoo“, so hieß 2015 eine ganzseitige Solidaritätsanzeige in der FAZ.

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Jonas Jansen 27.11.2015 | 23:12 Uhr Die schrägste Anzeige, die wir seit langem in der Zeitung hatten. Morgen im Feuilleton der @faznet. ¯\_(ツ)_/¯ https://t.co/y2qWoJjKO4

Die schrägste Anzeige, die wir seit langem in der Zeitung hatten. Morgen im Feuilleton der @faznet. ¯\_(ツ)_/¯ https://t.co/y2qWoJjKO4 | Bild: vierzueinser (via Twitter)

Unterschrieben hatte neben Farid Bang, Inga Humpe, Thomas D. und PUR natürlich auch Til Schweiger. Damals hatte der NDR entschieden, dass es vielleicht keine gute Idee sei, ausgerechnet jemanden für Deutschland zum Eurovision Song Contest zu schicken, der offenbar kein Problem hat, auch vor Reichsbürgern aufzutreten. In der TAZ stand damals, die ESC-Ausladung von Xavier Naidoo sei nichts weniger sei als eine „moderne Form der Inquisition“.

Dieser Weg ist nun zu Ende

Doch diesmal stellt sich kaum noch jemand hinter den Hans-Georg Maaßen des deutschen Popbetriebs, außer – eh klar – Til Schweiger. Die Söhne Mannheims haben sich von ihm distanziert, Smudo ebenso in einem klugen Interview. Und bei Twitter hagelt es Diss-Tracks:

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DONOTS 11.03.2020 | 15:01 Uhr Ein Lied für #naidoo https://t.co/xGvktkarbK

Ein Lied für #naidoo https://t.co/xGvktkarbK | Bild: donotsofficial (via Twitter)

Wie es scheint, wird dieser Weg, der kein einfacher war, der steinig war und schwer, dieser Weg von Xavier Naidoo wird nun vorbei sein. Man kann nur sagen: Endlich!


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