Bayern 2 - Zündfunk


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#failoftheweek VR-Brillen sollten uns zu besseren Menschen machen - jetzt setzen wir sie Kühen auf

Virtuelle Realität sollte uns alle empathischer machen. Doch statt Menschlichkeit bekamen wir die Muhtrix, denn in Russland werden Kühen VR-Brillen umgeschnallt, um ihnen vorzugaukeln, sie würden auf einer grünen Wiese stehen und sie dazu anzuregen, mehr Milch zu produzieren. Was ist da schief gelaufen?

Von: Christian Schiffer

Stand: 29.11.2019

Ein Bauer, daneben eine Kuhe mit einer VR-Brille | Bild: Pressestelle des 6. Internationalen Agrarindustrie- und Milchforums/ DPA

Virtual Reality ist eine regelrechte Empathie-Maschine und wird uns alle zu besseren Menschen machen: Diese frohe Botschaft verkündete der Filmemacher Chris Milk 2015 auf einem vielbeachteten TED-Talk. Es schien auch irgendwie logisch: Virtual Reality, beziehungsweise 360-Grad-Videos, lassen uns die Welt durch die Augen anderer sehen und besser verstehen, wie andere Menschen sich fühlen – soweit die Theorie. In der Praxis führte dies dazu, dass Millionären auf Charity-Veranstaltungen VR-Brillen übergestreift wurden, damit sie endlich einmal nachfühlen konnten, wie es so ist, sich als Bettler zu fühlen – und sei es nur für zehn Minuten. Mark Zuckerberg wiederum unternahm eine Virtual Reality-Safari durch das von einem Hurrikan zerstörte Puerto Rico, um endlich mal die total „magische“ Erfahrung machen zu dürfen, die Folgen einer Katastrophe live vor Ort begutachten zu dürfen.

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Chris Milk: How virtual reality can create the ultimate empathy machine | Bild: TED (via YouTube)

Chris Milk: How virtual reality can create the ultimate empathy machine

Statt VR-Empathie, bekamen wir also VR-Katastrophen-Tourismus. Und statt emotional berührenden Erfahrungen, 360-Grad-Videos, bei denen man nie genau weiß, wo man eigentlich hinschauen soll. Ja, nicht einmal als schnödes Unterhaltungsmedium überzeugen die Brillen bislang, dazu sind die Geräte immer noch zu schwer und zu klobig. Diese Woche nun die Nachricht, dass man endlich einen vielversprechenden Anwendungsfall für Virtual Reality gefunden hat. In Russland werden Kühen testweise Virtual Reality-Brillen umgeschnallt. Den Tieren wird so vorgegaukelt, sie würden auf einer saftigen grünen Wiese stehen, anstatt auf einer trostlosen Winter-Weide. Die Tiere werden so ruhiger und entspannter, und vor allem: Sie geben mehr Milch. Muhtrix statt Menschlichkeit: das also ist die vorläufige Bilanz der Virtual Reality-Technologie.

Es gibt noch Hoffnung für VR

Dabei gibt es sie durchaus, die Beispiele, die wirklich interessant ist: Die Tierrechtsorganisation Animal Equality hat eine 360-Grad-Erfahrung produziert, die den Nutzer die Welt durch die Augen eines Schweins oder Kükens in einem Betrieb der Agrarindustrie sehen lässt. Die Organisation berichtet davon, dass Menschen, die diese Erfahrung machen, eher gewillt sind, in Zukunft auf Fleisch und Milch zu verzichten. Es gibt also noch Hoffnung, dass Virtual Reality am Ende dazu führt, dass man weniger Virtual Reality benötigt, um Milch aus Kühen zu pumpen. Immerhin.


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