Bayern 2 - Zündfunk


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Generator Podcast Care-Krise und Bullshit Jobs: Warum unser Wirtschaftssystem rückständig ist

Geld, Dax-Kurven und Kredite oder Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit - worum soll es bei unserem Wirtschaftssystem gehen? Care-Theoretiker*innen kämpfen für ein anderes Wirtschaften. Der Zündfunk Generator fragt danach, wie die Care-Revolution nach Corona gelingen kann.

Von: Ferdinand Meyen

Stand: 04.08.2021

Amazon-Chef Jeff Bezos ist der reichste Mann der Welt. Sein Privatvermögen, schätzt man, beläuft sich auf über 100 Milliarden Euro. Um diesen Betrag zu erwirtschaften, müsste eine Altenpflegerin mit Durschschnittslohn in Deutschland schätzungsweise 3 Millionen Jahre arbeiten. Diese enorme finanzielle Ungleichheit ist nur eines von vielen Indizien für die Geringschätzung, die Care-Berufe in der Wirtschaft erfahren. Seit Jahren stecken wir in einer Care-Krise, sagen viele Feminist*innen - und die Konsequenzen spüren wir jetzt während Corona noch deutlicher als zuvor.

Pflegenotstand, Fachkräftemangel und Klimakrise

Wir sehen zum Beispiel, wie wenig es braucht, um Gesundheitssysteme überall auf der Welt vollständig zu überlasten. Wir lesen von herunterrationalisierten Krankenhäusern, dem Pflegenotstand, dem Fachkräftemangel und erfahren die Unvereinbarkeit von privater Fürsorge mit vielen Berufen im Corona-Home-Office am eigenen Leib. Care-Theoretiker*innen warnen deshalb schon lange vor den desaströsen Folgen unseres Wirtschaftens und den gefährlichen Folgen der Unsichtbarkeit von Fürsorge. Sie kämpfen für eine Transformation unserer Wirtschaft und für ein fürsorglicheres System. Statt um Geld, Dax-Kurven oder Bullshit-Jobs, soll sich die Wirtschaft um Nachhaltigkeit und Bedürfnisorientierung drehen. Die Konzepte dafür, sagen sie, sind schon da. Und auch in Bezug auf die Klimakrise wird entscheidend sein, ob und wie wir sie anwenden. Der Zündfunk Generator fragt danach, wie die Care-Revolution nach Corona gelingen kann.

In diesem Generator sprechen: Der 2020 verstorbene Anarchist und Anthropologe David Graeber, die Care-Theoretikerin Ina Praetorius, Charlotte Hitzfelder vom Konzeptwerk Neue Ökonomie, Sascha Verlan und Almut Schnerring von der Organisation Equal Care sowie Helfer*innen einer Münchner Tafel für Bedürftige.

Hinweis: In dieser Sendung aus dem Mai 2020 wurde u.a. von der Initiative "Westend tafelt" behauptet, dass die Münchner Tafel im ersten Lockdown zu war. Das ist falsch, sie ist nur umgezogen - war aber eine der wenigen Tafeln, die auch während Corona geöffnet war.

Mit einem Klick oben ins Titelbild könnt Ihr die Sendung anhören. Und hier könnt Ihr den kompletten Generator-Podcast abonnieren.


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