Bayern 2 - Zündfunk

Meinung Wir sollten alle so viel wie männliche Profifussballer verdienen

Das Thema Gerechtigkeit ist gerade in aller Munde – nicht nur in Sachen Energiepreise und Neun-Euro-Ticket, auch in Sachen Fußball: Frauen sollen genauso viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen, forderte Olaf Scholz, der diese Woche den DFB besucht hat. Wir gehen einen Schritt weiter und sagen: Alle sollten genauso viel verdienen wie männliche Fußballer!

Author: Ferdinand Meyen

Published at: 10-8-2022

Joshua Kimmich (FC Bayern München) vor einer Wand mit Geldscheinen | Bild: picture alliance / Wagner | Ulrich Wagner

Es ist ein kleiner Paukenschlag: Bundeskanzler Olaf Scholz fordert die gleiche Bezahlung, also #EqualPay, von Männern und Frauen bei der deutschen Fußballnationalmannschaft: „Mein Standpunkt ist bekannt: Ich finde, das ist etwas Politisches und deshalb macht es schon Sinn, dass man dort über gleiche Prämien diskutiert“, sagte der Kanzler am Dienstag in Frankfurt.

Er meint damit nicht: Goldene Steaks für alle. Denn für einen EM-Sieg gibt’s beim DFB für eine Frau nur 60.000 Euro, während ein Mann 400.000 Euro kassiert. Soziale Gerechtigkeit sieht anders aus, fanden auch Fußballerinnen in den USA, weshalb sie den Staat verklagt und einen Tarifvertrag für den Frauenfußball erstritten haben. Dieser ermöglicht, dass Frauen genauso viel verdienen wie Männer. Star-Spielerin Megan Rapinoe begründet: „Jedes Mal, wenn eine Frau nicht fair bezahlt wird, wird es niemand. Und kein Potenzial kann erreicht werden.“

Fußballisierung der Arbeitswelt

Ganz recht. Die erstrittene soziale Gerechtigkeit der Fußballerinnen sollte aber jetzt erst der Anfang sein. Denn eigentlich sollten nicht nur Frauenfußballerinnen, sondern alle so viel verdienen wie männliche Fußballer. Jeder Arbeitnehmer und jede Arbeitnehmerin in Deutschland sollte so viel Gehalt bekommen wie ein Fußballspieler. Eine Fußballisierung der Arbeitswelt wäre einfach super: Rente ab Mitte 30, wer verletzt oder krank ist, hat frei, aber erhält trotzdem volles Gehalt. Und es gilt: Ein Arbeitstag dauert nicht acht Stunden, sondern 90 Minuten.

Bundeskanzler Olaf Scholz fordert #Equalpay im Fußball - wie wäre es, wenn wir alle mehr verdienen würden?

Aber im Ernst: Hier in Deutschland wäre die Angleichung der Löhne auf Fußballer-Level nicht mal im Bereich des Unmöglichen. Normale Profifußballer-Durchschnittsgehälter liegen zwischen 10.000 und 20.000 Euro brutto. Der Durchschnittsverdienst eines normalen vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers laut statistischem Bundesamt dagegen nur bei 4.100 Euro. Die Mittel, die Löhne zumindest auf unteres Fußballer-Level zu heben, wären da. Bis zu ein Drittel des gesamten Vermögens in Deutschland konzentriert sich gerade beim reichsten Prozent der Bevölkerung. Mal angenommen, es gäbe Tarifverträge – die würden Arbeitgeber zu solchen Löhnen zwingen und die Kosten durch Übergewinn oder Erbschaftsteuern finanzieren -  in so einer Utopie könnte man die durchschnittlichen Arbeitnehmergehälter locker auf 10.000 Euro anheben.

Existenzangst verschwunden

Das hätte sehr viele Vorteile. Erstens: Das alltägliche Leben wäre nicht mehr so teuer, die Existenzangst verschwunden. Angesichts der Inflation, sagt ja auch Finanzminister Lindner, dass die Menschen entlastet werden müssen: „Für viele Menschen ist das tägliche Leben sehr viel teurer geworden, wir befürchten steigende Preise für Energie, Gas und Lebensmittel. zugleich ist die wirtschaftliche Perspektive sehr fragil geworden, wir sind also in einer Situation, wo gehandelt werden muss.“

Ein Altenpfleger mit 120.000 Euro Jahresverdienst

Und wenn alle so viel verdienen würden wie Profifußballer, könnte der Staat zweitens noch mehr für die Allgemeinheit tun. Er hätte langfristig mehr Steuereinnahmen. Schließlich gäbe es dann nicht mehr nur ein paar Milliardäre, die ihr Geld in Steueroasen verstecken, sondern viele solvente Arbeitnehmer, die Steuern zahlen. Das Geld könnte dann in den Ausbau der Bahn, des Öffentlichen Nahverkehrs, in Kulturförderung oder erneuerbare Energien investiert werden. Drittens würden schlecht bezahlte Jobs, die wir als Gesellschaft aber brauchen, mit Männerfußballergehältern viel attraktiver. Ein Altenpfleger mit 120.000 Euro Jahresverdienst – das wäre verdammt verlockend.

Vielleicht will Bundeskanzler Olaf Scholz darüber ja mal nachdenken. Aber wer weiß, was am Ende dabei rauskommt. Frei nach Lothar Matthäus und Franz Beckenbauer: Wäre, wäre Fahrradkette und am Ende gibt’s nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage.