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Historische Gründe oder Genderfeindlichkeit? Wieso es keine einzige deutsche Universität mit Namensgeberin gibt

Ludwig-Maximilian, Alexander von Humboldt, Heinrich Heine. Männliche Namensgeber gibt es wie Sand am Meer. Mit weiblichen sieht es in Deutschland dagegen mau aus. Keine einzige Uni hat einen. Das will ein Passauer Rechtsprofessor jetzt ändern.

Von: Sandra Limoncini

Stand: 16.01.2020

Absolventinnen mit Hüten | Bild: picture alliance/Ulrich Baumgarten

Goethe, Humboldt, Luther, Schiller, Heine, Gutenberg. Alles sehr berühmte, sehr verdiente Männer. Und logisch: alle sind Namensgeber für eine Universität in Deutschland. Nur für den Fall, dass es niemandem aufgefallen sein sollte, weise ich gerne nochmal darauf hin: Das sind alles Männer! Schlaue Frauen gibt es schon in Deutschland, nur hat es anscheinend irgendwie nicht als Namens-Patronin für eine Uni gereicht.

Die Uni Passau hat immerhin eine weibliche Präsidentin. Prof. Carola Jungwirth heißt sie und sie erklärt die historischen Hintergründe: "Viele Unis wurden nach ihrem Geldgeber benannt". Oft seien es historische Beispiele gewesen. Ein König hätte beschlossen, Geld in die Hand zu nehmen und eine Universität zu gründen, sagt Carola Jungwirth. "Dann heißt die Universität eben Ludwig-Maximilians-Universität".

Bürger des Landes Deutschland Universität?

Heutzutage sei es aber das Geld aller Bürger, dass die Unis finanziert. Schließlich seien es vor allem Steuergelder, die für den Bau einer Universität in die Hand genommen werden, sagt die Professorin. Und dann sei das mit dem Namen auch gar nicht mehr so einfach. Carola Jungwirth lacht: "Man könnte dann sagen: Bürger des Landes Deutschland Universität. Dann hießen aber alle Universitäten gleich".

König Ludwig in der LMU München

Ok, das erklärt warum es die Ludwig-Maximilians-Uni gibt, aber weder Heinrich Heine noch Helmut Schmidt haben die nach ihnen in Hamburg und Düsseldorf benannten Hochschulen gesponsert. Der Dichter Heinrich Heine ist Düsseldorfer und gilt als weltoffener, streitbarer, kritischer und demokratischer Geist. Die Studierenden-Schaft hat damals über zehn Jahre lang für die Umbenennung gestritten. Wieso aber stritt oder streitet keiner für eine Frau als Namensgeberin?

Paula Irene Villa ist Professorin für Gender Studies an der LMU München. Sie fragt sich das selbe und hätte während ihres Studiums in Bochum damals auch mitbekommen, wie sich viele wehrten gegen die Benennung der Düsseldorfer Uni in Heinrich-Heine-Universität. Vielen Studierenden sei heute jedoch gar nicht bewusst, dass es die Möglichkeit zu solchen Auseinandersetzungen gibt. Warum das so sei? "Eine Fülle an Gründen", meint Paula Irene Villa. Wahrscheinlich gäbe es auch viele andere wichtige Auseinandersetzungen, für die im Moment gestritten werde.

Passau will erste Namensgeberin

Holm Putzke ist Professor für Rechtswissenschaften in Passau. Er hat zum vor kurzem die Diskussion losgetreten, seiner Uni Passau einen weiblichen Namen zu geben. Er könne nicht glauben, dass es bundesweit keine einzige Universität mit einer Namenspatronin gibt. Für die Uni Passau sei das deshalb eine große Chance. "Die Universität Passau muss kämpfen für Studentinnen und Studenten", sagt Holm Putzke. Wenn dieser Kampf richtig und transparent geführt werde, könne die Universität ihren Ruf noch weiter stärken.

Schon damals umstritten: Die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf

Die Uni Passau war zunächst von Putzkes Vorstoß überfahren, die Leitung und die anderen Professoren haben erst durch einen Zeitungsartikel davon erfahren. Der Weg dahin, sagt Präsidentin Carola Jungwirth, ist nicht einfach, aber machbar. Eine Universität könne sich ja durchaus einen neuen Namen geben.

Dazu müsse sie aber in einen intensiven Diskussionsprozess eintreten. Bevor man weitere Namen ins Feld werfe, müsste man sich aber erstmal über die Kriterien einigen, denen er entsprechen muss.

Marie Curie oder Sophie Scholl? Durchaus denkbar

So ein Prozess kann ein halbes Jahr dauern, manchmal aber auch länger. Eigentlich, sagt Professorin Paula Irene Villa, ist aber schon viel zu viel Zeit vergangen im männlich dominierten akademischen Betrieb. Wissenschaftlerinnen würden immer noch weniger gesehen werden. "Man könnte auch eine Marie-Curie-Universität haben", findet sie. Es gäbe durchaus viele Wissenschaftlerinnen, die in Frage kämen. "Auf die ist man aber anscheinend bislang noch nicht gekommen".

Vier von den neun staatlichen Unis in Bayern haben einen männlichen Namenspatron, eine trägt die Technik im Namen, die anderen vier sind ohne. Noch – denn die Diskussion geht auch unter den Studierenden los. Der Regensburger Studentensprecher Quirin Quansah findet eine weibliche Namenspatronin für seine Uni gut. Und auch Johannes Kuntscher, Studentensprecher in Augsburg, will die Debatte anheizen. Dagegen mauern die einzigen beiden weiblichen Uni-Präsidentinnen in Bayern noch. Die Münchner Professorin Paula Irene Villa ist selbstkritisch. Es bleibe trotzdem die Frage, warum sich nicht mehr Professorinnen für so eine Sache engagieren. "Ich wäre bislang auch gar nicht selber auf die Idee gekommen, zu sagen: Vielleicht könnte die LMU sich einen anderen Namen geben. Sophie Scholl, zum Beispiel", sagt sie. Solche Versuche würde sie jetzt allerdings durchaus unterstützen.


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