Bayern 2 - Zündfunk


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Beste Alben der Zehner Jahre Wieso DJ Koze in den Zehner Jahren wie kein anderer für "Music made in Germany" steht

Stefan Kozalla begann in den 90ern als Teil der Flensburger Rap-Crew Fischmob. Seit 2000 ist der Spassvogel als Solist unterwex und als DJ-Produzent weltweit beliebt. Platz sechs der Zündfunk Heroes of the decade: DJ Koze mit „Amygdala“.

Von: Ralf Summer

Stand: 29.11.2019

Als das US-Musikblog Pitchfork vor Kurzem seine „Best Of 2010s“ Liste veröffentlicht hat, fanden sich gerade mal zwei deutsche Produktionen unter den 200 ausgesuchten Platten des Jahrzehnts.

Sein bestes Album der Zehner Jahre | Bild: DJ Koze/Pampa Records

Platz sechs der Zündfunk Heroes of the decade: DJ Koze mit Amygdala

Einer der beiden Auserwählten ist auf Platz 170 der mysteriöse Münchner Elektronik-Produzent Skee Mask und auf Platz 40 bei Pitchfork landete der Hamburger DJ Koze. Weit hinter Frank Ocean, Kanye West und Beyoncé, weit hinter Rap und R´n´B.

Plattenaufleger, die auch selbst eigenwillige Tanzmusik produzieren. 30 Jahre nach dem Mauerfall und 31 Jahre nach der ersten Love Parade scheint „DJ-Produzent” unser Export-Schlager zu sein. Keine Indie-Rocker, keine Strassen-Rapper, keine Brass-Band. Soweit zur Außenwirkung von „Music Made in Germany“.

DJ Koze im Bob Beamon: Bomben Stimmung

Ich kann mich noch gut erinnern, als DJ Koze sein „Amygdala“-Album in München vorstellte. In einem Club, den es inzwischen nicht mehr gibt und in dem am Ende HipHop Techno verdrängt hatte: im Bob Beamon. Der klasse klingende Club war gesteckt voll, die Stimmung Bombe - obwohl Koze nur einen Track seines Albums auflegte. Das gute Stück ist auch für Zuhause gemacht. „Amygdala“ ist das perfekte Beispiel dafür, wie sich ein Teil der elektronischen Musik ins Private verzogen hat: mit Pop-Touch und weniger Bassdruck.

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DJ Koze - "Nices Wölkchen feat. Apparat" (Official Music Video) | Bild: Pitchfork (via YouTube)

DJ Koze - "Nices Wölkchen feat. Apparat" (Official Music Video)

Neun Tracks der Platte haben Gesang – unter anderem hat Koze Stimmen von Caribou, Apparat, Dirk Von Lowtzow und Hildegard Knef verwendet. „Ich schreib dir ein Buch 2013“ heißt der Knef-Song und war der Zündfunk-Hit auf „Amygdala“. „Dass die Hilde nochmal auf dem Album ist, freut mich total“, sagt DJ Koze selbst über den Song. Es hätte einen Nachlassverwalter gegeben, der seine Musik irgendwie gemocht hätte. Die Folge: grünes Licht für Hildegard Knef.

Unsicherheit bis kurz vorm Release von „Amygdala“

Der Albumtitel war ungewöhnlich: „Amygdala“ - ist das Gebiet im Gehirn, das wichtig für die Empfindung von Angst und Furcht ist. Konnte man sich kaum vorstellen, dass sich ein unerschrockener Geist wie DJ Koze mit sowas beschäftigt. Hat er aber. „Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich bis zum letzten Moment unsicher gewesen. Das ist oft so bei Musikern“, sagt Kozalla. Seine Freundin hätte ihn gefragt, wer sich so ein Release überhaupt anhört. Das zeige, wie unsicher er damals war.

Und das war nicht gespielt – am Telefon, Ende 2013, als wir Stefan Kozalla zum Album des Jahres bei uns gratulierten. Wir mochten an „Amygdala“, dass sie verspielt und vielschichtig war, keine dralle Krawall-Platte, die nur schiebt und schiebt. Der DJ erzählt: „Manchmal kann weniger auch weniger sein, aber selten ist mehr mehr. Weglassen ist viel schwieriger. Da zu forschen ist viel spannender als auf der anderen Seite, wo man immer nur Gummi gibt“.

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Dj Koze vs. Hildegard Knef  - Ich schreib' dir ein Buch 2013 (PAMPACD007) | Bild: Pampa Records Official (via YouTube)

Dj Koze vs. Hildegard Knef - Ich schreib' dir ein Buch 2013 (PAMPACD007)

Aber was soll den nun noch kommen, nach der tollen „Amygdala“? DJ Koze sagt damals, nach 2014 wolle er sich erst einmal eine Sinnkrise gönnen. Doch dann wolle er wieder Musik machen und sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Dann werde ich versuchen, 2015 einen leicht schwächeren Nachfolger abzuliefern, so mit den gleichen Sounds und weniger Mühe geben, aber noch reicht, dass die Leute Nachschub kriegen“.

Wir hatten uns damals schon Sorgen gemacht, erst viel später, erst 2018 sollte der Nachfolger erscheinen – dafür war dann auf „Knock Knock“ Kozes größter Hit: „Pick Up“. Aber diese 20 Millionen Streams und das Soul Sample, das ist wieder eine andere Geschichte. Die vom endgültigen Durchbruch. Und vom Rückzug in ein kleines Dorf im Norden Spaniens. No way, Kosi!


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