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Die Macht männlicher Vornamen Im Job Frau Friedrich Wolf - privat einfach Simone

Friedrich Wolf ist eine Frau: Vor einem Jahr trifft Simone die Entscheidung, im Arbeitskontext einen männlichen Vornamen zu tragen. Um darauf aufmerksam zu machen, dass man mit einem männlichem, weißen Namen immer noch weiter kommt im Beruf.

Von: Franziska Timmer

Stand: 08.04.2021

Frau Friedrich Wolf | Bild: Friedrich Wolf

Das ist Friedrich. Frau Friedrich Wolf. 33 und weiblich. Seit über einem Jahr trägt sie nun schon ihren neuen, selbstgewählten Vornamen: „Idealerweise denkt wirklich jemand, ich bin 55 und männlich. Hätte ich jetzt so einen modernen amerikanischen Namen genommen, der männlich oder weiblich sein könnte, dann hätte das so ein bisschen die Power rausgenommen.“

Aber wie kam es dazu, dass aus Simone „Friedrich“ wurde? Alles begann mit einem Museumsbesuch. Ausgestellt wurden Werke einer Künstlerin des 19. Jahrhunderts, die ihre Bilder unter männlichem Pseudonym veröffentlichte, um in der damaligen Szene ernster genommen zu werden. Diese Geschichte lässt Simone nicht los. Sie möchte wissen, ob sie auch in der heutigen Gesellschaft mit einem männlichen Namen anders wahrgenommen würde.

Ist das dein Ernst?

Gedacht, getan: Kurze Zeit später ändert sie ihren Namen in jeglichen Berufsportalen, bittet die Unternehmens-IT ihre Emailadresse zu ändern und schreibt eine Rundmail an ihre Kolleg*innen. „Ich habe geschrieben, dass ich die Entscheidung getroffen habe, dass ich jetzt gerne Friedrich genannt werden würde. Und dass ich noch nicht weiß, wie lange ich das machen werde, ich es aber sehr schätzen würde, wenn es ernst genommen würde“, so Wolf. „Manche Leute haben es total gefeiert, haben gesagt, wow, ist ja mega. Andere fragten: Ist das dein Ernst? Das ist doch ein Witz. Und wieder andere haben mir ihre Unterstützung angeboten: Es sei bestimmt nicht einfach, wenn man sein Geschlecht wandelt. Das haben tatsächlich viele gedacht und das wäre ja auch okay. Aber da habe ich dann recht schnell aufgeklärt und gesagt: Nein, es ist bewusst nur der Name.“

Sozialexperiment, das immer wieder zu Irritationen führt

Simone ändert ihren Namen nur im beruflichen Umfeld. Für ihre Kolleg*innen ist sie „die“ Friedrich, privat bleibt sie Simone. Für ihre Schwester, die im selben Unternehmen arbeitet, heißt das: In der Cafeteria spricht sie ihre Schwester anders an als Zuhause. Ein Sozialexperiment, das immer wieder mal zu Irritationen führt, und genau das soll es ja auch: „Am Telefon fragen die Leute schon mehrfach nach. Da merkt man schon, dass das Leute irritiert sind. Oder in Videocalls, da sagen die Leute, gell, du nutzt den Laptop von deinem Mann, also als Selbstverständlichkeit. Das ist gar nicht schlimm, aber ich erhoffe mir, dass die Person denkt: Ups, zu schnell geurteilt.“

Simone arbeitet in der Personalabteilung eines Unternehmens, das ein Elektrofahrzeug entwickelt. Zu Beginn ihres Experiments wollte sie wissen, ob sie in der von Männern dominierten Automobilbranche mit einem männlichen Vornamen ein anderes Standing hätte. Schnell musste sie feststellen, dass dieser Pseudonym-Gedanke, wie es vielleicht im 19. Jahrhundert noch funktioniert hat, heute nicht mehr umsetzbar ist. Nur zwei Klicks und man findet ein Bild von der Frau Friedrich Wolf.

Ein Statement

Das hat sie aber nicht daran gehindert, ihren Namen zu behalten. Ganz im Gegenteil, er ist ein Teil von ihr geworden: Als Statement, damit in einer idealen Welt Äußerlichkeiten, Herkunft, Name, Geschlecht im Berufsleben irgendwann endlich keine Rolle mehr spielen: „Ich hoffe damit zu bewirken, dass wahrgenommen wird, wie oft man mit seinen Vermutungen und Vorurteilen falsch liegt, dass man vorsichtiger damit umgeht. Ich möchte damit Vorbild sein, dass Menschen, die nicht die Option haben zu wählen, die vielleicht eine andere Hautfarbe haben oder auf andere Art als anders wahrgenommen werden, dass die sich wohler fühlen, weil es andere sogar wählen, anders zu sein.“


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